Ein Tankrüssel steckt am den Gastank eines Erdgasautos.
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Alternativer Antrieb Ausweg Gasauto?

Diesel oder Benziner, Umweltzone oder Fahrverbot? Viele, die vorhaben, sich einen Neu- oder Gebrauchtwagen zuzulegen, wissen nicht, was sie jetzt kaufen sollen. Wie wäre es denn mal mit einem Wagen, der mit Erdgas unterwegs ist? Ist das eine saubere Sache? Und was taugen die Autos in der Praxis? Unser Autoexperte Andreas Keßler gibt Gas.

Ein Tankrüssel steckt am den Gastank eines Erdgasautos.
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Mal ordentlich Gas geben! Und: Back to the roots

Schon in der Frühzeit des Automobils war die Treibstoff-Frage genauso wichtig wie heute: Woher nehmen, wie teuer, wie weit komme ich und wie läuft die Karre mit dem Zeug?

Die Herren Benz, Diesel und Otto hatten vor allem ein Problem: Wie bekommt man den Treibstoff so fein verteilt, dass er sich mit der Verbrennungsluft zu einem zündfähigen Gemisch verbindet? Natürlich wurde anfangs auch mit Gas experimentiert und das funktionierte auch gut. Doch das Problem lag an der Tankinfrastruktur und deshalb wurden schließlich die flüssigen Treibstoffe zur Regel. Grundsätzlich ist Gas aber für den Verbrennungsmotor besser verdaulich.

Gas geben mit Gas als Treibstoff

  • Es gibt zwei unterschiedliche Gase, die als Treibstoff in Verbrennungsmotoren für Vortrieb sorgen: LPG / Autogas und CNG / Erdgas. Beide sind nicht miteinander kompatibel: Entweder, oder!
  • Gasbetriebene Autos gelten als „alternativ angetrieben“, weil sie im Vergleich zu Benzin und Diesel deutlich weniger Schadstoffe emittieren.
  • Gas als Treibstoff wird vom Gesetzgeber mit geringeren Steuerabgaben belastet, um seine Verbreitung zu fördern.
  • Die Tankinfrastruktur von LPG ist bei weitem besser ausgebaut als bei CNG: Es gibt mehr als 7-mal mehr LPG-Tankstellen als solche für CNG.
  • Beide Systeme sind in bestehende Fahrzeuge nachrüstbar, wobei LPG-Anlagen einfacher und billiger in das Auto eingebaut werden können als solche für CNG.
  • Gas als Treibstoff wird nicht von jedem Motor auf Dauer vertragen: Moderne Motoren sind nicht immer „Gas fest“ und eignen sich deshalb oft nicht als Umrüstbasis.

Warum fahren nicht alle mit Gas?

Aufschrift "Erdgas – natürlich mobil" an der Seite eines Pkws.
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Es könnte alles ganz einfach sein: Der CO2-Ausstoß der deutschen Autoflotte würde um bis zu 25% sinken, wenn alle mit Gas führen! Das muss man sich einmal vorstellen: Nur durch die Wahl eines "anderen" Kraftstoffes würden alle bisherigen Umweltschutz-Anstrengungen der Ingenieure und der Politiker um Längen überholt.

Warum tanken dann alle weiter Benzin und Diesel? Der Teufel liegt auch hier im Detail! Zum einen würden (wenn die steuerlichen Rahmenbedingungen so blieben, wie sie jetzt sind) dem Fiskus erhebliche Einnahmen entgehen. LPG und CNG sind mit deutlich geringeren Energiesteuersätzen belastet als die Flüssigtreibstoffe. Zum anderen müssten die Lastenhefte der Entwickler umgeschrieben und dann die Konstruktionsprinzipien der Motoren verändert werden, um LPG und CNG "gewährleistungsfest" als Treibstoff nutzen zu können. Das geht offenbar nicht von heute auf morgen. Und, schließlich, müsste der deutsche Autofahrer seine Ängste vor frühem Motortod, explodierenden Gastanks und fehlenden Tankstellen verlieren. Eigentlich alles kein Problem, oder?

Dieses Thema im Programm: MDR um 4 | 31. Januar 2018 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. Februar 2019, 15:27 Uhr