Mobil trotz Handicap Autos für Menschen mit Behinderung

Trotz körperlicher Einschränkungen kann man mit einem eigenen Auto mobil sein. Menschen mit Handicap erleichtert das eigene Auto den Alltag. Und dies fährt mit maßgeschneiderter Technik. Fast jedes Auto ist für einen Umbau geeignet. Welche individuellen Lösungen es gibt, weiß Autoexperte Andreas Keßler.

Ein Mann, der im Auto sitzt und seinen Rollstuhl faltet
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Mobilität für Mobilitätseingeschränkte

In so manchem Auto-Magazin sind immer nagelneue, blitzeblanke Fahrzeuge zu sehen, meistens in Anthrazit- oder Silber-Metallic. Mit auf dem Bild sind entweder junge dynamische Typen, die gerade kurz vor dem Abschluss des nächsten Deals stehen. Oder eine fröhliche Familie mit Hund, deren ganze Ausrüstung locker im Auto Platz hat. Eine Zielgruppe kommt aber nie vor: Diejenigen unter uns, die durch Behinderungen nicht oder nur sehr mühsam an der individuellen Mobilität teilnehmen können, die unsere Gesellschaft auszeichnet und vorwärts treibt.

Andreas Keßler 17 min
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Warum ist das so? Zum einen ist die Zielgruppe für die heutigen Stückzahlen einfach zu klein und zum anderen gleicht keine Behinderung der anderen. Deshalb müsste man die daraus resultierende Fülle der Möglichkeiten eines behindertengerechten Umbaus darstellen. Und das ist den Werbern offenbar zu viel.

Was kann behindertengerecht umgebaut werden?

Lenk-/Bremssystem

Eine Frau mit Krücken, die eine Tür eines Autos öffnet
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Zum Einsatz kommen hierbei elektronisch/digitale Bedienelemente, die TÜV-geprüft und für jeden Fahrzeugtyp geeignet sind. Solche Umbauten sind für Menschen mit Querschnittslähmungen oder Kraft- und Bewegungseinschränkungen entwickelt worden.

Die Einbauten können aus einem Gas-Bremssystem, einem 2-4-Wege-Joystick, Minilenkrad und Gear-Control (Steuergerät für die Bedienung des Getriebes) bestehen. Einmal eingebaut, lässt sich so ein Umbau bei Veränderungen des Krankheitsbildes mit geringem Aufwand jederzeit anpassen. Sämtliche Komponenten zur Bedienung von Lenkung und Bremse lassen sich frei positionieren, man könnte also theoretisch den Wagen von der Rückbank aus fahren.

Heckeinstieg

Ideal für Rollstuhlfahrer sind die modernen Hochdachkombis. So ein Berlingo, Kangoo oder Vaneo kann mit einem hydraulischen Rollstuhllift oder mit einer Auffahrrampe versehen werden. Es gibt auch Systeme, die den Rollstuhl automatisch im Heck des Fahrzeuges platziert. Dadurch ist ein bequemes Ein- und Ausladen des Rollstuhls für Personen möglich, die sonst auf fremde Hilfe angewiesen wären.

Sitze/Konsolen

Es gibt elektrohydraulische Schwenk-/Hebesitze, durch die ein Rollstuhlfahrer schon außerhalb des Fahrzeugs aus dem Rollstuhl auf den Fahrersitz umsteigen kann. Sitzt er einmal auf dem Fahrersitz, schwenkt und hebt die Hydraulik den Fahrersitz mit dem Fahrer an die Position hinter dem Lenkrad. Das "Aussteigen" funktioniert genau umgekehrt.

Verladehilfe

Nach dem Einsteigen kann der Rollstuhl damit auf Knopfdruck von der Fahrertür in den Kofferraum transportiert werden. Sobald der Rollstuhl verladen ist, schließt das System die Heckklappe automatisch. Das ganze funktioniert natürlich auch umgekehrt: Vor dem Aussteigen reicht ein Druck auf den Knopf, und der Rollstuhl kommt automatisch aus dem Kofferraum zurück.

Wer zahlt?

Zuschüsse für den Erwerb und den Umbau eines behindertengerechten Fahrzeuges zahlen die gesetzliche Unfallversicherung, die gesetzliche Rentenversicherung, die Bundesagentur für Arbeit sowie die Träger der begleitenden Hilfe im Arbeits- und Berufsleben. Die Leistungen der verschiedenen Träger orientieren sich dabei an den Vorgaben der "Kraftfahrzeughilfe zur Teilhabe behinderter Menschen am Arbeitsleben" bzw. der Kraftfahrzeughilfe-Verordnung (Kfz-HV), die die Wiedereingliederung Behinderter in das Arbeitsleben erleichtern soll.

Für eine Zusatzausstattung, die wegen der Behinderung erforderlich ist, ihren Einbau, ihre technische Überprüfung und die Wiederherstellung ihrer technischen Funktionsfähigkeit werden die Kosten nach § 7 Kfz-HV in vollem Umfang übernommen. Die Förderung ist unabhängig vom Einkommen oder Vermögen des Antragstellers.

Rund ums Auto

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 01. Juli 2020 | 17:00 Uhr