Kontrollleuchten im Armaturenbrett
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Warnlampen im Cockpit Was die Kontrollleuchten im Auto bedeuten

Wenn Kontrollleuchten im Auto aufleuchten, bedeutet das meist nichts Gutes. Doch ist jedes Symbol ein Grund zur Unterbrechung der Fahrt? Experte Andreas Keßler erklärt, was es mit den unterschiedlichen Leuchten auf sich hat.

Kontrollleuchten im Armaturenbrett
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Hatte es früher mit den roten Warnlampen für Öldruck und Batterieladung und den Kontrollen für Blinker und Fernlicht sein Bewenden, gibt es heute unzählige weitere Lämpchen in unterschiedlichen Farben, die vom Fahrer nicht nur erkannt, sondern auch zugeordnet und eingeschätzt werden müssen. Aber ist auch jedes aufleuchtende Symbol ein Grund zur Unterbrechung der Fahrt?

Anja Köbel und Andreas Kessler in der MDR-Autowerkstatt 14 min
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Rot heißt Stopp!

Grundsätzlich sind die Farben ein guter Anhaltspunkt, ob es sich bei dem aufblinkenden Lämpchen im Cockpit um ein Gefahrensignal, ein Warnhinweis oder lediglich um ein beziehungsweise Quittungslicht für eine gerade vorgenommene Schaltung handelt.

Warnlampen im Kombiinstrument können rot, gelb oder grün leuchten. Grün sind die Funktionskontrollen, gelb Hinweise auf Fehlfunktionen (die nicht zum sofortigen Handeln auffordern) und rot zeigt echte Gefahr an: Hier sollte sofort angehalten und Ursachenforschung betrieben werden!

Öldruck ist nicht gleich Ölstand

Ein Warnsymbol in Gestalt eines roten Ölkännchens leuchtet in einem Autodisplay auf.
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Wenn beispielsweise die rote Kontroll-Leuchte mit dem Batteriesymbol aufleuchtet, ist die Spannung der Batterie höher als die der Lichtmaschine. Praktisch bedeutet das, dass die Batterie nicht mehr geladen wird und die Fahrt in einigen Kilometern mangels Zündspannung zu Ende ist. Möglicherweise passiert das aber schon viel eher (und sorgt für deutlich höhere Reparaturkosten), wenn die Ursache des Lichtmaschinenausfalls ein gerissener Antriebsriemen ist. Der treibt nämlich oft nicht nur die Lichtmaschine an, sondern auch die Wasserpumpe. Obwohl das Auto wegen des ausgefallenen Spannungsspenders nicht sofort stehen bleibt, sollte man nach dem "Batterie"-Signal sofort anhalten und einen Blick unter die Haube werfen. Wenn dort kein Keilriemen mehr vorhanden ist, ist die Fahrt hier definitiv zu Ende. Wenn die Lichtmaschine aus anderen Gründen defekt ist, kann man hingegen weiter fahren, solange die Batterie die Zündung unterhält.

Viel schlimmer ist das Aufleuchten des Symbols mit der Ölkanne. Was viele Autofahrer als Aufforderung zum Öl nachfüllen missverstehen, ist in Wirklichkeit ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Ölversorgung der Schmierstellen im Motor gerade gefährlich gestört und ein Motorschaden unmittelbar bevor steht. Die Kontrolle heißt deshalb auch nicht umsonst "Öldruck-Kontrolle" und nicht "Ölstands-Kontrolle". Diese gibt es nämlich auch, allerdings ist sie gelb und zeigt laut Bedienungsanleitung nur an, dass beim nächsten Tankstopp ein Liter Öl nachgefüllt werden muss.

Nicht jedes Lämpchen zwingt einen zum Handeln

Überhaupt sind die "Nachfüll-Lampen" fast immer gelb und sollen den Fahrer auf Fehlfunktionen am und im Auto aufmerksam machen, die zwar gefährlich werden können, aber nicht zum sofortigen Anhalten zwingen.

Die "Motorkontroll-Lampe" zum Beispiel ist everybodies darling! Fast jeder Autofahrer kennt das gelbe Licht, welches in der Regel Probleme mit der Gemisch- und/oder Abgasbehandlung anzeigt. Eine eindeutige Diagnose stellt das Lämpchen nicht dar. Wer mehr über die Ursache wissen will, muss den Fehlerspeicher der Motorsteuerung befragen.

Neben der Ölstandkontrolle gibt es Kontroll-Leuchten für den Stand des Waschwassers im Vorratsbehälter, den Verschleißzustand der Bremsbeläge, den Ausfall einer oder mehrerer Lampen der Beleuchtungsanlage und last, but not least eine für den Tankvorrat. Genau wie bei dieser (fast immer ebenfalls gelben Kontroll-Leuchte kann man durch das Studium der Bedienungsanleitung sehr schnell die nötigen Aktionen erlernen, die beim Aufleuchten von "gelb" nötig sind.

Was zerrt besonders an den Nerven?

Neben den reinen Leuchtmitteilungen haben die Displays neuerer Autos immer öfter Klarschrift-Hinweise á la "Bitte Waschwasser auffüllen" oder "Reifendruck kontrollieren". Gerade die Reifendruckkontrolle ist eigentlich völlig überflüssig, wenn man bei jedem zweiten Tanken den Luftdruckprüfer benutzt. Die Erfahrung lehrt aber leider, dass das kaum noch jemand macht. Deshalb sind Reifendruck-Kontroll-Anzeigen im Auto inzwischen Pflicht. Im Gegensatz zu anderen Kontroll-Leuchten ist bei den Reifendrucksystemen allerdings deutlich mehr Aufwand nötig, um eine Kontrollfunktion zu bekommen: Die Geber in den Reifen müssen ggf. mit neuen Batterien versorgt werden, Geber müssen zusätzlich gekauft werden, um die Winterreifen in das System zu integrieren und die jeweils montierten Reifen mit ihren möglicherweise unterschiedlichen Luftdrücken müssen dem Reifendruckkontroll-System "mitgeteilt", also in das Steuergerät einprogrammiert werden. All das macht gerne und zuverlässig, allerdings nicht kostenlos, die Werkstatt.

Die ganze Elektronik im Auto dient also mehreren Zielen: Zum einen soll die Sicherheit für Auto, Fahrer und die restlichen Verkehrsteilnehmer steigen. Zum anderen wird mit der Kontroll-Elektronik aber sehr viel Know-how für Bedienung, Wartung und Reparatur erforderlich, die oft als "Herrschaftswissen" betrachtet wird und nicht jedermann zur Verfügung steht. Wer heute ein neues Auto kauft, wird sich zunächst über eine drei-bändige Bedienungsanleitung wundern. Noch mehr wundert er sich, wenn er feststellt, das sich davon zwei Bände nur mit der Elektronik und den Multimediafunktionen beschäftigen. Einige Hersteller legen ihren Produkten schon DVDs bei, damit sich Neuwagenkunden schon vor der Benutzung des Autos zu Hause im Wohnzimmer vor der "Flimmerkiste" mit der Funktion und der Bedienung ihres neuen Autos vertraut machen können. Ob das der Sicherheit im Umgang mit dem Automobil dient, lassen wir mal offen.

Dieses Thema im Programm: MDR um 4 | 17. April 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. April 2019, 12:09 Uhr