Lackpflege Gepflegte Farbe: So hält der Autolack länger

Andreas Keßler
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Weiß, grau oder schwarz – in diesen Farben sind seit Jahren die Autos auf unseren Straßen unterwegs. Fehlt den deutschen Autofahrern der Mut zur Farbe? Autoexperte Andreas Keßler klärt auf und gibt Tipps zur richtigen Lackpflege.

Mit einem Tuch wird ein Auto poliert.
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Der schöne Schein – ein echter Doppelnutzen!

In der Frühzeit des Automobils war die Lackierung eher ein notwendiges Übel als ein Designelement: Ohne einen schützenden Farbauftrag hätte man einfach zu viele Bearbeitungsspuren und bald danach Korrosion am neuen Vehikel gesehen. Außerdem gab es zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts bei weitem nicht so viele Farbtöne wie heute in einer dauerhaften Qualität.

Ford Mondeo
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Schwarz war damals bei Ford die Standardfarbe. Henry Ford antwortete auf die Frage nach dem Farbton eines neuen Ford-T, dass man diesen in jeder beliebigen Farbe bestellen könne, solange es schwarz sei.

Diese Zeiten sind längst vorbei, heute gibt es nicht nur unübersehbar viele Farbtöne für Lackierungen, sondern fast genauso viele für Folierungen. "Beschichtungen" (so lautet der Fach-Oberbegriff für die äußere Farbgebung von technischen Oberflächen) sind aber nach wie vor nicht nur für den schönen Schein, sondern auch für den Korrosionsschutz zuständig. Trotz allen wird so manche(r) als erstes bei der Erwähnung eines neu angeschafften Autos fragen: "Welche Farbe?

Kleines Lack- und Farb-Knowhow

  • Die ersten Lackierungen waren Naturfarben, die sehr lange trocknen mussten (Schwarz war schnell und brauchte 48 (!) Stunden)
  • Seit den 1920er Jahren wurden Nitro-Lacke verwendet, die schneller trocken wurden aber aufwändig poliert werden mussten.
  • Ab 1930 gab es erste Kunstharz-Lacke. Diese Lacke waren deutlich widerstandsfähiger gegen Umwelteinflüsse, außerdem entfiel die zeitaufwändige Politur der fertig lackierten Autos.
  • Ab Ende der 1970er wurden 2-K-Lacke eingeführt (2-K = 2-Komponenten), die zusätzliche Härter enthielten. Diese sehr strapazierfähigen Lacke wurden bis Mitte der 1990er-Jahre verarbeitet, bis sie aus Umweltschutzgründen verboten wurden. Das wird bis heute von Karosserie- und Lackprofis vielfach bedauert.
  • Seither werden Lacke auf Wasserbasis verwendet, die umweltfreundlicher (lösemittelfrei!) sind. Anfänglich gab es Qualitätsprobleme, inzwischen sind Autolackierungen aber auch mit "Wasserlacken" genau so glänzend wie früher mit den "2-K-Lacken".
  • Für den schnellen "Tapetenwechsel" gibt es seit etwa 25 Jahren Farbfolien, die schnell auf- und auch wieder abgezogen sind und dabei fast genauso schön glänzen wie "echter" Autolack.

Und noch Tipps für einen schönen und glänzenden Lack

  • Wichtigste Regel vor der Wagenpflege: Uhren, Schmuck und Gürtelschnallen ablegen! Kratzer sind schnell entstanden und aufwändig zu beseitigen
  • Alle 2 Wochen (spätestens!) zur Autowäsche / Waschstraße. Dabei idealerweise einen Regentag wählen: Der Regen hat den Schmutz auf dem Auto schon "vorgeweicht", er geht so leichter ab.
  • Lackverschmutzungen (Vogelkot, Baumharz, Läusehonig) sofort (!) mit geeignetem Mittel entfernen
  • Alle 3 Monate mit mildem Autoshampoo auf einem Waschplatz eine Handwäsche durchführen, um möglichst jeden Zentimeter des Lackkleides zu untersuchen. Dabei viel Wasser verwenden. In den Spüleimer am besten einen Schmutzfang für Schmutz und Sand legen. Von oben nach unten waschen!
  • Lackverschmutzungen mit "Lack-Knete" nach Herstellerangaben entfernen
  • kleine Lackkratzer und Dellen bald auspolieren oder entfernen lassen (Smart-Repair!)
  • Kunststoffstoßstangen und -Zierleisten nicht vergessen! Spezielle Kunststoffreiniger und Farbauffrischer beugen dem Ausbleichen und Verspröden von Kunststoffoberflächen vor.
  • Möglichst selten zu Lackpolituren mit hohem Schleifmittelanteil greifen! Der Lack ist sonst schnell "durchpoliert".
  • Den sauberen Lack regelmäßig (2 x pro Jahr) mit einer Schutzschicht aus einem guten Hartwachs oder einer Versiegelung schützen. Die Versiegelung ist etwas teurer, hält dafür aber länger. Eine Wachsschicht hat einen "weicheren" Glanz als eine Versiegelung.
  • Als Schutz vor Hagel und fallenden Kastanien oder Eicheln hat sich eine Schicht aus Luftpolsterfolie bewährt, die vor dem "Trommelfeuer" über das Auto gezogen wird.

Anja und Andreas Keßler, Auto-Experte, im Studio 14 min
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Es muss nicht immer der "Lacker" sein

Wer je eine Schramme im Blech seines Autos hatte, kennt die Preise. Selbst Kleinigkeiten schlagen beim Lackierer hoch zu Buche!

Mit Felgen muss man aber nicht zur Profi-Lackiererei, sondern man kann auch zum Pulverbeschichter gehen. Das ist etwas billiger als eine Lackierung und in vielen Fällen sogar besser: Gerade Winter-Stahlfelgen sind mit einer robusten Pulverbeschichtung den Winter-Bedingungen gegenüber besser gewappnet als mit einem dünnen Lackauftrag. Dafür gibt es die Kunststoffkörner, die den Rohstoff für die Pulverbeschichtung bilden, nicht in jeder Farbe. Felgensilber (und die meisten RAL-Töne!) sind aber immer zu kriegen.

Folie fürs Auto?

Die Farbe Ihres Wagens ist langweilig oder gefällt nicht mehr? Statt das Auto aufwendig und teuer neu lackieren zu lassen, können Sie es auch folieren lassen:

Welche Auto-Folierungen gibt es?

Die Teilfolierung

Hier wird nur ein Teil vom Auto beklebt. Als Beispiel, nur die Motorhaube oder das Dach. Viele Dienstfahrzeuge werden auf diese Art und Weise gekennzeichnet.

Das Car-Wrapping

Hier werden Kunststofffolien großflächig auf das Fahrzeug aufgebracht. Diese Folien sind selbstklebend und hochelastisch, nur so eine 3D-Verklebung auch möglich. Die Folien können nach Wunsch des Autobesitzers bedruckt werden.

Das Branding

Hiermit ist eine Beschriftung am Auto gemeint. Das Branding kann auch auf einem schon folierten Wagen angebracht werden.

Die Lackschutz-Folierung

Hier wird eine Folierung ausgewählt, wenn das Fahrzeug vor Kratzern oder Steinschlägen geschützt werden soll. So wird oft nur der Frontbereich oder die Motorhaube mit einer Lackschutzfolie überzogen. Diese Folie ist viel dicker als herkömmliche Autofolie und ist somit widerstandsfähiger. Sie gibt es in matt- und glanztransparent.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 20. Januar 2021 | 17:00 Uhr