Autokauf So fahren Sie Ihren Neuwagen richtig ein

So wie ein neues Paar Schuhe eingelaufen werden will, muss auch der Neuwagen eingefahren werden, damit alles geschmeidig läuft. Dabei gibt es gewisse Dinge zu beachten und natürlich unterscheidet sich der Benziner vom Elektroauto. Autoexperte Andreas Keßler erklärt, worauf es ankommt.

Mehr Lern- als Einlaufphase

Glänzender Lack, tiefschwarze Reifen, Neuwagengeruch und eine Bedienungsanleitung im Telefonbuchformat: Der "Neue" ist da!

Der letzte Schrei, perfekt gebaut, eine Ausstattung wie die Enterprise und weit und breit kein Captain. Die beiden, das Auto und das Humansystem hinter dem Steuer, müssen miteinander werden. Die Eingewöhnungszeit ist eher eine Lernphase als eine Einlaufphase. Moderne Autos müssen nicht mehr eingefahren werden. Das sagt der Verkäufer.

An diese Einfahrvorschriften sollten Sie sich halten

  • Motor und Getriebe von Autos mit Verbrennungsmotor sind nach den ersten 1.000 km frei und bedürfen dann in der Regel keiner weiteren Vorsicht.

Elektrofahrzeuge an einer Ladestation
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  • Die Maschinen von Elektroautos sind fast verschleißfrei und darum sofort voll belastbar.
  • Bremsen und Reifen müssen auf den ersten drei bis 500 km vorsichtig behandelt werden, damit deren Haft- und Bremsflächen voll tragen. Also keine Gewaltbremsungen auf den ersten Metern!
  • Vor der ersten Fahrt empfiehlt sich das Studium der Bedienungsanleitung. Und danach gleich noch mal!
  • Moderne Hybrid- und Elektroautos oder mit Assistenzsystemen gespickte Fahrzeuge sind nicht mehr intuitiv bedienbar!
  • Es ist nicht nötig, nach 1.000km einen Ölwechsel machen zu lassen! Egal, was der Verkäufer, die Kumpels oder die Werkstatt erzählen. Aber es beruhigt das Gewissen.
  • Wenn der Hersteller doch Einfahrvorschriften vorgesehen hat: Unbedingt lesen! Das gilt auch und insbesondere für die Ladevorschriften des Herstellers eines Elektroautos. Sie beeinflussen die Lebensdauer der Akkus sehr stark. Nichtbeachtung gefährdet die Garantie.

Warum eigentlich "Einfahren"?

In der Frühzeit des Automobils hatten es die Autobauer noch nicht so mit Passungen, Dichtungen und Filtern. Da war man noch in der "Beta-Test-Phase", ganz so, wie heute die Hersteller von elektronischen Steuerungen moderner Autos agieren.

Neuwagen vom Typ VW Bulli T6 stehen am Werk von Volkswagen Nutzfahrzeuge nebeneinander
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Das Produkt Auto reifte erst beim Kunden. Auf den ersten Kilometern mussten sich die Oberflächen der sich aufeinander bewegenden Teile "einlaufen", was manchmal sogar in der Empfehlung gipfelte, eine staubige Straße ohne Luftfilter zu befahren. Feinstaub, einmal anders definiert. Insbesondere das Räderwerk von Getriebe und Kraftübertragung war ein wunder Punkt und verlangte in der Einlaufzeit eine kundige Hand.

Wenn das Getriebe die ersten 1.500 km überstand, hielt es in der Regel auch weitere 50.000 km problemlos durch. Wenn es vor der 1.000km-Marke Probleme machte, wurde es im Ganzen getauscht. Ein deutliches Zeichen der eher rustikalen Fertigungsqualität waren Ölwechselintervalle zwischen 2.500 und 5.000 km. Die haben sich inzwischen fast verzehnfacht, zusammen mit Qualität und Preis. Und so geht es leider auch weiter: Mit Elektroautos, deren Verschleiß gegen Null tendiert, wenn man die Akkus außer Acht lässt.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 18. November 2020 | 17:00 Uhr