Autopflege Wie Sie Ihr Fahrzeug auf den Winter vorbereiten

Jetzt wird es Zeit Abschied zu nehmen, wenigstens für die kalten Monate – Abschied vom Oldtimer, vom Cabrio mit Saisonkennzeichen, vom Wohnanhänger. Die kalte, nasse Jahreszeit bringt Frost, Dreck und Salz. Alles nicht gut für den Klassiker, für das Stoffdach des Cabrios oder für den im Winter unbenutzten Wohnwagen. Autoexperte Andreas Keßler gibt Tipps und Hinweise zum richtigen Einlagern im Winter.

Gelbes Käfercabrio in einer Garage
Bildrechte: imago images / imagebroker

Wer rastet, sollte nicht rosten!

Trotz Klimawandel sind wir in Deutschland weit vom kalifornischen Wetter entfernt: Im Herbst und im Winter ist es bei uns deutlich nasser als im Sommer. Bei Schnee und Eis werden Tonnen von Streusalz auf die Straßen gekippt, welches in Verbindung mit Wasser Autos regelrecht zerfrisst. Was liegt also näher, als die Liebhaberstücke mit vier Rädern in dieser Zeit still zu legen? Einfach in die Garage? Abschließen und auf besseres Wetter warten? Das geht bei einigen unverwüstlichen Fahrzeugen gut, etwas Vorbereitung ist aber unbedingt empfehlenswert!

Die 10 Gebote der Winterpause

  1. Auto innen und außen sorgfältig reinigen! Vogelkot kann sich in wenigen Wochen bis zum Blech durchätzen, und Brotkrümel unter dem Sitz sind Schimmelquellen.
  2. Gut belüfteten, aber sicheren Abstellort wählen. Eine geheizte Garage ist nicht immer empfehlenswert.
  3. Batterie an ein Ladungserhaltungs-Gerät anschließen. Entweder im Auto, wenn ein Stromanschluss in der Nähe ist, oder an die ausgebaute Batterie.
  4. Vor dem Abstellen des Fahrzeugs das Motoröl und den Ölfilter erneuern.
  5. Bei Cabrios mit Stoffdach (nicht Vinyldach!) die Verdeckverriegelung entspannen.
  6. Die Reifen mit um 0,5 bis 1 Bar erhöhtem Luftdruck oder durch den Einsatz von "Reifenwiegen" vor Standplatten schützen.
  7. Im Autoinnenraum ein Körbchen mit Luftentfeuchter platzieren, um Feuchtigkeit zu eliminieren und Schimmel zu vermeiden.
  8. Das Fahrzeug mit einem leichten Baumwolltuch (altes Bettlaken o.ä.) als Schutz vor Staub und Tieren abdecken.
  9. Vor dem "Einwintern" nochmal fahren! Ideal ist eine längere Ausfahrt, um das Fahrzeug und seine Bauteile richtig durchzuwärmen. Startversuche während der Stilllegungszeit sind Gift für den Motor!
  10. Bei einem Saisonkennzeichen darf das Fahrzeug im Stilllegungszeitraum nicht auf öffentlichem Straßenland bewegt werden!

Was passiert mit dem Kraftstoff?

Alte Fahrensleute empfehlen immer noch, den Tank vor der Winterpause bis zum Anschlag zu füllen, "... um Kondenswasser Bildung und Rost zu vermeiden ...". Zusätzlich sollte ein Schluck Spiritus in den Tank, weil "... der Wasser im Benzin bindet ...". Grundsätzlich ist das richtig, aber die Zeiten haben sich geändert. Das betrifft nicht nur den Kraftstoff selbst, sondern auch das Material der Tanks. Seit mindestens drei Dekaden gibt es keine Blechtanks mehr, also auch keinen Rost. Außerdem hat der Kraftstoff inzwischen einen Anteil von Ethanol, was chemisch Spiritus entspricht.

Blick auf einen Zapfhahn mit Bio-Kraftstoff E10.
Bio-Kraftstoff E10 enthält Ethanol Bildrechte: imago/Gerhard Leber

Wer also E10 tankt, hat schon 10 Prozent Spiritus im Tank. Die Sache mit dem Kondenswasser ist also erledigt! Nicht erledigt ist eine unangenehme Eigenschaft moderner Kraftstoffe, nämlich deren geringe Langzeitstabilität. Wenn der Frühling naht und der Bolide wieder an die Sonne will, könnte die Zündwilligkeit des goldenen Saftes im Tank gelitten haben.

Tipp: Vor der Winterpause keinen Spiritus, sondern "Benzinstabilisator" in den Sprit geben.

Wintervorbereitungstipps für alle Autofahrer

Verkehrsschild Schnee- oder Eisglätte
Bildrechte: imago/Gerhard Leber

Der Gesetzgeber hat schon vor einiger Zeit das "Winterreifengesetz" erlassen. Gemeint ist mit dieser Vorschrift, dass Autos im Winter "witterungsentsprechend" ausgerüstet sein müssen. Zu dieser Ausrüstung gehören neben den Winterreifen vor allem eine funktionsfähige und frostsichere Scheibenwaschanlage. Überprüft werden sollten auch noch die Scheibenwischerblätter, das Gebläse und die Frischluftzufuhr der Heizung.

Sind Winterreifen in Deutschland Pflicht?

Es gibt in Deutschland  lediglich eine situative Winterreifenpflicht, d. h. Autofahrer dürfen bei "Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte" (§ 2 Absatz 3a der Straßenverkehrsordnung) nur Kraftfahrzeuge führen, die auch mit entsprechenden Winterreifen ausgerüstet sind. Der Merkspruch "von O bis O" dient als eine gute Orientierung und allgemeine Empfehlung.

Woran können Sie Winterreifen erkennen?

Wintertaugliche Reifen, die nach dem 31.12.2017 hergestellt wurden, müssen mit dem Alpine-Symbol ausgestattet sein. Die M+S-Kennzeichnung genügt nicht mehr. Für ältere Reifen gilt eine Übergangsfrist bis zum 30.09. 2024.

Offizielles Alpine-Symbol mit dem dreigezackten Berg und der Schneeflocke
Offizielles Alpine-Symbol mit dem dreigezackten Berg und der Schneeflocke Bildrechte: BMVI

Frostschutz für die Scheibenwaschanlage – was ist zu beachten?

Ein Mann trägt eine Votratsflasche mit Frostschutz-Konzentrat für die Scheibenwaschanlage des Autos.
Bildrechte: dpa

Der Frostschutz für die Scheibenwaschanlage kommt aus dem Kanister, und der steht meistens im Supermarkt-Regal. Man könnte sich bei der Auswahl nur nach dem Preis richten; es gibt aber noch andere Qualitätskriterien. Wichtig ist z.B. die Konzentration: Wenn der Kanister mit einer "vorgemischten" Flüssigkeit gefüllt ist, kann diese direkt in den Vorratsbehälter gegossen werden. Wenn im Kanister "Reiniger-Konzentrat" schwappt, kann und sollte verdünnt werden. In unseren Breiten reicht in der Regel eine Frostfestigkeit bis zu -25°C.

Wichtig ist noch die Verträglichkeit des Waschwasserzusatzes mit Kunststoff-Streuscheiben. Einige Autos besitzen eine Scheinwerferreinigungsanlage. Kunststoffstreuscheiben können bei Behandlung mit dem falschen Reinigungsmittel "verspröden" und reißen. Wer unsicher ist, sollte bei den Reinigungs- und Frostschutzzusätzen für die Scheibenwaschanlage nur zu den bekannten Marken greifen.

Frostschutz im Kühlmittel?

Frostschutz gehört auch in das Kühlmittel. Normalerweise ist im Kühlmittel genügend Frost- und Korrosionsschutz. Wenn im Sommer aber mit Wasser nachgefüllt wurde, kann sich die Konzentration des Kühlerfrostschutzes gefährlich verringert haben. Um sicher zu gehen, muss "gespindelt" werden. So nennt man den Vorgang der Messung mit einem Frostschutzprüfer. Erhältlich im Autozubehörladen für 3 bis 5 Euro. Ideal ist eine Mischung aus Wasser und Frostschutz, die das Kühlmittel bis etwa -25°C flüssig hält.

Tipp: Wenn der Kühlwasserstand im Kühler zu niedrig ist, reicht es, wenn mit reinem Frostschutz aufgefüllt wird.

Motorölvorbereitung auf den Winter

Ölwechsel in der Autowerkstatt
Bildrechte: colourbox

Eine weitere "winterrelevante" Flüssigkeit ist das Motoröl. Zu altes Öl mit der falschen Viskosität kann einen kältesteifen Motor im Winter nachhaltig ausbremsen. Ein dünnflüssiges Öl, z. B. 0-W30, kommt in die Ölwanne. Das schmiert den Motor auch bei - 25°C ab den ersten Umdrehungen.

Auf welche Vorbereitung vor dem Winter kommt es noch an?

Verrußte Zündkerze in der Hand eines Technikers, daneben Werkzeug und Spraydose
Bildrechte: Colourbox.de

Startprobleme resultieren meistens aus ungepflegten Zündanlagen. Als Winterinspektion empfiehlt sich daher vor der großen Kälte ein Test der Lichtmaschine, die mindestens 14 Volt Ladespannung abgeben muss. Flankierend müssen dann neue Zündkerzen und Zündkabel ins Auto. 

Mehr Autotipps:

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 14. Oktober 2020 | 17:00 Uhr