Eine Frau unterschreibt einen Vertrag.
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Gewährleistung und Garantie Autokauf: Diese Leistungen sind wirklich garantiert

Einen Neuwagen kaufen und dann sorgenfrei fahren. Das ist einfach, so lange sich der Wagen in der Garantiezeit befindet. Doch was, wenn der Motor streikt, die Elektrik spinnt und der Lack abblättert? Ist in jedem Fall Garantie garantiert? Autoexperte Andreas Keßler klärt auf.

Eine Frau unterschreibt einen Vertrag.
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Seit dem 1. Januar 2002 sind Autokäufer durch die gesetzliche Sachmängelhaftung gegen teure Reinfälle geschützt. In der Praxis bedeutet das: Der Verkäufer muss zwei Jahre lang die Mängelfreiheit des gekauften Autos gewährleisten.

Fast ohne Einschränkungen gilt das aber nur bei Neufahrzeugen, die über die gesetzlichen Vorgaben hinaus in der Regel über eine Garantie des Herstellers verfügen. Wenn der Neuwagenkäufer immer pünktlich zur Inspektion beim Vertragshändler erscheint – und die Rechnung dafür bezahlt, werden Mängel und Defekte tatsächlich auf Garantie repariert und bezahlt.

Gewährleistung beim Gebrauchtwagenkauf

Bei Gebrauchtwagen wird die gesetzlich ebenfalls zweijährige Gewährleistung in der Regel vom Verkäufer auf ein Jahr begrenzt, was der Gesetzgeber auch zulässt. Die Rechtsprechung geht in den ersten sechs Monaten nach dem Kauf beim Auftreten eines Mangels davon aus, dass dieser schon zum Zeitpunkt des Erwerbs "angelegt" war. In diesen Fällen ist der Käufer fein raus und der Verkäufer muss zahlen. Ab dem sechsten Monat nach dem Kauf muss der Käufer des gebrauchten Autos beweisen, dass der Mangel schon beim Kauf vorlag, was in der Regel schwierig ist und teure Gutachten erfordert.

Ein Mann hält einen Autoschlüssel.
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Diese Theorie wird in der Praxis des Gebrauchtwagenhandels von Zustandsgutachten und Gebrauchtwagengarantien flankiert, deren Kosten in den Preis eines zu verkaufenden Autos einkalkuliert werden. Wer sich also ein gebrauchtes Auto von einem Händler kauft, muss nur im Gebrauchtwagengutachten nachlesen, um alle Mängel des Autos zu ergründen. Für den Wahrheitsgehalt dieses Gutachtens steht der gute Name der ausstellenden Institution: TÜV, DEKRA, GTÜ und einige andere werden darin kaum die Unwahrheit festhalten, weil das Firmenimage darunter nachdrücklich leiden würde.

Vorsicht, Falle!

Die dunkle Seite dieser Geschichte sind sogenannte Kommisionsangebote. Hier bewerben Gebrauchtwagenhändler Autos mit sehr günstigen Preisen, die sie im Auftrag des Eigentümers aus ihren Geschäftsträumen heraus verkaufen. Da sie nicht für sich selbst handeln, müssen sie für das Auto auch keine Gewährleistung geben. Der private Eigentümer muss das auch nicht, im Defektfall geht der Käufer also leer aus. Die "im Auftrag"-Geschäfte sind oft nicht eindeutig bezeichnet. So passiert es, dass der Autokäufer im guten Glauben von einem Händler ein Auto kauft und glaubt, die gesetzliche Gewährleistung zu erhalten – stattdessen läuft er in eine Falle.

Wer sein Auto bei einem seriösen Händler kauft, ist also auf der sicheren Seite. Allerdings muss er diese Sicherheit auch bezahlen. Ein Gebrauchtwagen-Gutachten, die Prämien für die Garantieversicherung (die der Händler zur eigenen Risikominimierung abschließt) und der Aufwand für die Präsentation des Autos in den Räumen des Händlers wollen bezahlt sein. Der Preis des Autos ist in der Regel also deutlich höher als vergleichbare Angebote auf dem privaten Automarkt.

Fazit: Garantie kostet

Beim Autokauf sollte also das Kleingedruckte im Kaufvertrag genau studiert werden, um auch wirklich in den Genuss der verbraucherfreundlichen Gesetze zur Sachmängelhaftung zu kommen. Eins steht dabei fest: Billiger wird ein Auto mit Garantie oder Gewährleistung nicht! Unterm Strich werden die Kosten, die der Hersteller durch seine Garantiezusage und der Verkäufer durch die Sachmängelhaftung hat, durch die hohe Nachfrage nach "Kaufsicherheit" der Autokäufer nicht nur gegen-, sondern häufig sogar überfinanziert. Die Garantie ist sehr populär und deshalb heute zu einem Marketing- und Arbeitsbeschaffungsinstrument für Vertragswerkstätten verkommen, ohne die Qualität eines Autos positiv zu beeinflussen.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 23. Oktober 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Oktober 2019, 16:19 Uhr