Erste Bilanz Fehleranzeigen bei Corona-Warn-App sind Kinderkrankheiten

Lydia Jakobi, Autorin und Reporterin
Bildrechte: MDR/Karsten Möbius

Eine Erfolgsgeschichte soll sie sein – die Corona-Warn-App des Bundes. Drei Wochen nach dem Start wurde die App bereits 15 Millionen Mal heruntergeladen. Die anfänglichen Datenschutzbedenken haben sich zerstreut. Andere Länder nehmen sich sogar ein Vorbild an der deutschen Lösung. Allerdings: Zahlreiche Nutzer berichten von Fehleranzeigen.

Fehlermeldung Corona-Warn-App
Beispiel für eine Fehlermitteilung der Corona-Warn-App auf dem Smartphone. Bildrechte: MDR/Ayke Süthoff

Eigentlich soll die Corona-App ja nur eine Warnmeldung schicken, wenn man Kontakt zu einer infizierten Person hatte. Doch die Anwendung warnt ihre Nutzer derzeit noch vor diversen anderen Problemen: Zu wenig Speicherplatz auf dem Handy, Fehler bei der Kommunikation mit Google.

Und dieser Hinweis trat zuletzt auch häufiger auf: "COVID-19-Kontaktmitteilungen werden von 'Corona-Warn' in dieser Region möglicherweise nicht unterstützt." Solche Meldungen verunsicherten manche Nutzer der App, meint Henning Tillmann, Software-Entwickler und Co-Vorsitzender des Digital-Vereins D64.

Das verwirrt natürlich und ist auch nervig und kann dazu führen, dass die Leute das Gefühl haben, sie funktioniert nicht. Dabei kann man diese Regionalmeldung total ignorieren.

Henning Tillmann Digital-Verein D64

Tillmann erklärt, dieser Hinweis liege auch gar nicht an der deutschen App, sondern an Schnittstellen von Apple. Da müsse Apple nachbessern.

Normale Kinderkrankheiten

Der Softwarekonzern SAP sammelt auf der Website "coronawarn.app" häufige Probleme und erklärt mögliche Ursachen und Lösungen. Viele Fehler würden sich mit dem Update der App oder des Betriebssystems erledigen. Drei Wochen nach dem Start sind manche Kinderkrankheiten aus Sicht von Tillmann aber normal.

Man muss sich auch überlegen, dass die ganze Technologie ziemlich neu ist. So etwas gab es noch nicht, und vor allem nicht auf so breiter Basis. Von daher ist das schon ok. Aber: Das heißt nicht, dass man die Fehler nicht angehen muss und das sollte schleunigst passieren.

Henning Tillmann Digital-Verein D64

App funktioniert trotzdem

Auf Nachfrage von MDR AKTUELL erklärt SAP, man arbeite mit Hochdruck an der Beseitigung der Mängel. Allerdings seien an der Warn-App eben verschiedene Akteure beteiligt: SAP, Apple, Google, das Robert Koch-Institut, das Gesundheitsministerium. Da dauere manches länger. In den meisten Fällen gebe es keinen Grund zur Sorge: Die Risikoermittlung laufe trotz Fehleranzeige weiter.

Das betont auch Jeanette Hofmann, Professorin für Internetpolitik an der FU Berlin. Sie sieht allerdings noch Potenzial beim Thema Kommunikation – und nimmt die Medien in die Pflicht: Die Diskussion über Fehler der App und die Fehlerbehebung spiele sich überwiegend auf Umgebungen und auf Websites ab, die sehr technisch ausgerichtet seien.

Hofmann ruft Journalisten auf, sich das anzuschauen und verständlich darüber zu berichten. Denn die Softwareexperten, die sich mit der Fehleridentifikation befassten, seien "vielleicht nicht immer die besten Kommunizierenden". Zugleich räumt sie ein: Kaum eine App bekomme kurz nach ihrem Start derartig viel Aufmerksamkeit. Manches Problem falle dadurch schlichtweg schneller ins Auge.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 08. Juli 2020 | 05:00 Uhr

7 Kommentare

Critica vor 19 Wochen

Liebe Erna,
das Programm hat schon seine Aufgabe. Es passt gut auf sie auf :)
Man hört inzwischen dies und das über dieses "Wunder". Neulich sagte mir eine Bekannte: Ich wollte sie wieder löschen, aber das geht nicht. Was nun?

Erna vor 19 Wochen

Das als "beste Corona-App der Welt" angepriesene Programm zu den wahrscheinlich höchsten Preis der Welt hat also selbst nach Wochen noch "Kinderkrankheiten". Der erste größere Fehler war schon das es nach 14 Tagen den Dienst eingestellt hat. Programmierfehler die man von einem Anfänger erwarten kann aber nicht von Profiprogrammierern einer vergleichsweise kleinen App samt Qualitätssicherung durch den TÜV für viele Millionen Steuergelder.

Ich brauche kein Programm das mich vor infizierten Leuten warnt die min. 15 Minuten direkt mit mir Kontakt hatten. Diese kenne ich im Zweifelsfall alle. Dazu spart die App auch den Gesundheitsämtern Null Arbeit. Also warum sollte ich mein Smartphone damit belasten.

martin vor 19 Wochen

@wolle: Nicht ganz richtig - so trägt auch unterhalb der "Vollverbreitung" dazu bei, dass Verdachtsfällen so zügig nachgegangen werden kann, dass Folgeansteckungen vermieden werden. Die 15 Mill. reichen aus, um schon einen signifikanten Beitrag zu leisten. Klar: Je mehr, desto wirksamer.