Diesel-Fahrzeuge stehen im März 2018 auf dem Hof eines Autohändlers
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Autokauf Diesel kaufen – lohnt sich das noch?

Lohnt es sich in Zeiten von drohenden Fahrverboten überhaupt noch, ein Diesel-Fahrzeug zu kaufen? Das fragen sich derzeit viele Autofahrer. Antworten auf diese und weitere Diesel-Fragen hat Autopapast Andreas Keßler.

Diesel-Fahrzeuge stehen im März 2018 auf dem Hof eines Autohändlers
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Nachruf auf den Diesel-Motor?

Die am häufigsten gestellte Frage ist die: "Kann ich mir überhaupt noch ein Auto mit Dieselmotor kaufen?" Und die Antwort darauf ist kurz und bündig: "Ja!" Der Grund dafür sind die nach wie vor in Deutschland geltenden Zulassungs- und Abgabenbestimmungen, die den Diesel immer noch zu einem sehr wirtschaftlichen Antrieb machen. Eine zu starke Umweltbelastung eines ganz neuen Diesel-Autos mit aktueller Schadstoffreinigung und -norm ist deshalb auch zu verneinen. Nicht umsonst kaufen die Manager von großen Autoflotten nach wie vor Autos mit Dieselmotor, wenn sie ihre Mitarbeiter zum Kunden schicken.

René Kindermann und Auto-Experte Andreas Keßler in der MDR-Autowerkstadt 18 min
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Gebrauchtwagenkäufer sollten im Augenblick nur dann ein älteres Diesel-Auto kaufen, wenn sie künftige Fahrverbote in stark verkehrsbelasteten Metropolen entweder umfahren können oder mit den Alternativen zum Auto zum Ziel kommen. Wer ländlich wohnt und dort viel fahren muss, ist mit einem alten und deshalb billigen Dieselauto immer noch legal unterwegs und muss sich keine Sorgen machen.

Würde der Diesel als Automotor verboten, bekämen die deutschen Umweltpolitiker und Klimaschützer ein "Ersatzproblem": Die Stickoxid-Belastung der Luft in Ballungsräumen würde sinken, dafür aber der CO2-Ausstoß ansteigen. Die Messwerte zeigen diese Tendenz für den Autoverkehr seit dem Beginn der "Dieselkrise" sehr schön an.

Das sind die "Diesel-Fakten"

  • Grundsätzlich sind alle in Deutschland zugelassenen Autos mit Diesel-Motor legal unterwegs. Die Betriebserlaubnis erlischt nicht, nur weil in den Medien davon die Rede ist.
  • Sollte es einen vom Kraftfahrbundesamt angeordneten Rückruf geben, um ein Update der Motor- und Schadstoffreinigungs-Software vornehmen zu lassen, muss man diesem folgen. Tut man das nicht, kann die Behörde dem Auto die Betriebserlaubnis entziehen.
  • Freiwillige Verbesserungen der Software oder der Schadstoffreinigungsanlage durch den Fahrzeughalter sind im Augenblick nicht möglich und auch nicht empfehlenswert, weil damit die Betriebserlaubnis erlöschen würde. Der Versicherungsschutz des Autos wäre damit ebenfalls beendet. Software-Updates dürfen ausschließlich durch den Fahrzeughersteller vorgenommen werden, der dafür die erforderlichen Genehmigungen hat und für die neue Software Gewährleistung geben muss.
  • Eine "blaue Plakette", von der immer wieder die Rede ist, gibt es (noch) nicht. Ob sie jemals eingeführt wird, steht in den Sternen. Nötig wäre dazu ein Bundesgesetz. Sollten einzelnen Bundesländer eigenen Plaketten einführen, wäre das ein Rückfall in die Kleinstaaterei von vor 200 Jahren. Anderseits sind Fahrverbote ohne eine leicht erkennbare Kennzeichnung eines Autos nicht kontrollierbar.
  • Das Schadstoffproblem in den Ballungsräumen wird sich nach einiger Zeit von selbst lösen, weil es zum einen immer mehr saubere Dieselmotoren gibt und die Verkehrspolitik (hoffentlich) ideologische und finanzielle Zwänge hinter sich lässt. Das könnte das Auto in Metropolenregionen langfristig ersetzen.

Sind "Hardware-Nachrüstungen" der Stein der Weisen?

Ein KFZ-Servicetechniker hält die Abdeckung vor einem vom Abgas-Skandal betroffenen 2.0l TDI Dieselmotor vom Typ EA189 in der Hand
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Wenn ein älteres Auto mit Dieselmotor sauberer werden soll, braucht es mehr und modernere Komponenten für die Abgasnachbehandlung und entsprechend angepasste Einspritzsteuerungen. Das ist zwar technisch komplex, aber nicht unmöglich. Einzelne Zulieferer haben bereits Nachrüstsätze vorgestellt, die das beweisen. Allerdings sind die Prototypen Nutzfahrzeuge oder große Pkw, bei denen eine Nachrüstung der nötigen Bauteile einigermaßen einfach möglich und finanziell darstellbar war.

Um jedes Auto aufrüsten zu können, müssten individuelle Bausätze konfiguriert, getestet und vom Kraftfahrzeugs Bundesamt mit einer Betriebserlaubnis versehen werden. Das würde durch die Vielzahl auf deutschen Straßen fahrenden Automodelle sehr lange dauern, wahrscheinlich zu lange! Denn: Je später es einen Umrüstsatz für ein Auto gibt, desto weniger ist dieses Auto noch wert. Und wenn die Kosten für die Nachrüstung den Zeitwert erreichen, wird das Thema für den, der das bezahlen soll, uninteressant.

Dieses Thema im Programm: MDR um 4 | 12. September 2018 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 13. September 2018, 09:18 Uhr