E-Scooter auf einem Gehsteig
Mit einem E-Scooter dürfen Sie bald auch in Deutschland auf die Straße - nicht aber auf die Gehwege. Bildrechte: imago images / Viennareport

Verkehrsmittel Das müssen Sie über Elektroroller wissen

E-Scooter haben europäische Großstädte wie Paris, Kopenhagen oder auch Wien im Sturm erobert. Jetzt kommen sie auch zu uns. Rechtslage, Versicherung, Helmpflicht: Wir sagen, was Sie auf deutschen Straßen beachten müssen.

E-Scooter auf einem Gehsteig
Mit einem E-Scooter dürfen Sie bald auch in Deutschland auf die Straße - nicht aber auf die Gehwege. Bildrechte: imago images / Viennareport

Früher war fast jedes Kind damit unterwegs – heute bewegen sich auch Erwachse gerne auf Rollern fort. Im schicken Design und mit Elektroantrieb haben E-Scooter bereits viele Städte erobert. Nun dürfen Sie damit auch in Deutschland bald auf die Straße.

Das sind E-Scooter

E-Scooter kommen aus Amerika und haben längst europäische Großstädte wie Paris, Kopenhagen oder auch Wien erobert. Elektrisch angetriebene Roller sind die moderne Form von Rollern, verhältnismäßig klein, leicht und teilweise zusammenklappbar und ohne permanentes Treten zu fahren. Ausgestattet mit einem Elektroakku, sind sie offiziell bis zu 25 km/h schnell. Die Akkus können zudem an der heimischen Steckdose geladen werden. In europäischen Großstädten nutzen viele Berufstätige und Studenten die Geräte, um den sogenannten letzten Kilometer in der Innenstadt von Bus und Bahn hin zu Arbeitsplatz und Uni zurückzulegen.

Ausstattung von E-Scootern

Ausgestattet sind die E-Scooter mit verschiedenen Motoren: zum Beispiel mit einem Motor mit 300 Watt und 24 Volt. Es geht aber auch deutlich kräftiger. Welchen Sie wählen sollten, hängt ganz von der geplanten Fahrstrecke ab. Wird es hügelig und sollen täglich mehrere Kilometer zurückgelegt werden, zahlen Sie lieber ein paar Euro mehr für ein stärkeres Antriebsaggregat.

Die Akkus für die Stromversorgung werden per Ladebuchse und Ladegerät an die Steckdose angeschlossen. Abnehmbare Akkus, die sich zum Beispiel im Büro laden lassen, gibt es auch, allerdings müssen Sie für entsprechende Scooter deutlich mehr ausgeben. Drei bis vier Stunden kann ein Ladevorgang dauern, dann können Sie wieder rund 20 Kilometer weit damit fahren.

E-Scooter-Test 7 min
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Viele Modelle verfügen über Scheibenbremsen, die kräftiger zupacken als Trommelbremsen. Die Räder- und Reifengröße richtet sich nach dem Modell. Selten ist der Duchmesser größer als 28 Zentimeter. Kleinere Reifen lassen sich auf Kopfsteinpflaster schlechter fahren. Viel Roller besitzen keine Tachos. Das wiederum bedeutet in der Praxis, dass die Fahrer immer nur schätzen können, ob sie noch nicht zu schnell sind. Insgesamt ist die Produkt und Ausstattungspalette sehr groß.

Ab rund 200 Euro bekommen Sie ein halbwegs ordentliches Gefährt. Die Kapazität der Akkus in dieser Preisklasse reicht allerdings oft nur bis 20 Kilometer. Bei kaltem Wetter, schwerer Fracht und bergauf machen sie noch eher schlapp. Wenn Sie wirklich täglich von der Bahn ein paar Kilometer zur Arbeit und zurück fahren möchten, sollten Sie mindestens 500 Euro investieren. 

E-Scooter im Straßenverkehr

E-Roller dürfen ab 15. Juni 2019 maximal 20 Kilometer pro Stunde schnell sein. Eine Fahrerlaubnis ist für die Benutzung im Straßenverkehr nicht notwendig. Es gibt aber das Mindestalter von 14 Jahren, ab dem mit einem E-Roller gefahren werden darf. Das gilt auch für langsamere Modelle, die maximal zwölf Kilometer pro Stunde schaffen. Ursprünglich sollten sie bereits ab zwölf Jahren erlaubt sein, doch dies sieht das Gesetz nicht mehr vor.

E-Roller dürfen nicht auf Gehwegen gefahren werden, es sei denn, es wird ausdrücklich erlaubt. Genau wie Fahrradfahrer müssen E-Roller-Fahrer Radwege beziehungsweise Radstreifen benutzen. Sind diese nicht vorhanden, dürfen sie auf die Straße ausweichen.

Nur versichert fahren

Mit einem E-Roller darf nur fahren, wenn das Gefährt auch versichert ist. Dazu ist ähnlich wie bei Mofas eine Plakette vorgesehen. Eine Helmpflicht ist nicht vorgesehen.

Unfallgefahren im Alltag

E-Scooter auf einem Gehsteig 1 min
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Auch wenn es theoretisch gut gedacht ist, für kleine Strecken, kleine mobile Gefährte einzusetzen, haben Verkehrsfachleute wie Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC Sachsen, Zweifel an der praktischen Umsetzung: "Auf Fußwegen würde ich so ein Gefährt völlig ausschließen. Dort gehören auch Fahrräder eigentlich nicht hin. Die Geschwindigkeitsunterschiede und damit die Unfallgefahren sind einfach viel zu groß. Auch wenn Sie solch einen E-Scooter auf dem Radweg haben, die ja bei uns eh schon oft voll ausgelastet sind und der fährt dann da mit 12 Kilometer pro Stunde rum, dann ist das zu dem normalen Fahrradtempo schon ein Unterschied. Und so ein Geschwindigkeitsunterschied bedeutet eben immer Unfallgefahr."

Sicherheitsprobleme

Kind mit Fahrradhelm
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Fahren ohne Helm mit bis zu Tempo 20 in der Fußgängerzone wird genauso gefährlich werden, wie Radfahren ohne Helm. Bei Stürzen verletzen sich laut einer groß angelegten Studie nach dem amerikanischen Fachblatt Jama Network Open vor allem die Fahrer selbst. Knochenbrüche, Platzwunden und schwere Kopfverletzungen waren danach keine Seltenheit, vor allem weil der Großteil der Fahrer eben keinen Helm getragen hatte. Hinzu kommen technische Schwierigkeiten bei Billiggeräten. Die Akkus können beim Laden stark überhitzen, das kann bis zum Brand führen. In den USA wurden in den letzten Monaten rund 500.000 E-Scooter deshalb von den Herstellern zurückgerufen.

Ökologisch sinnvoll?

Auf den ersten Blick scheint es energiesparend zu sein, das Auto ein Stück weit ab von Beruf oder Schule zu parken und den Rest mit dem E-Scooter zu fahren. Dementgegen stehen aber der Stromverbrauch des Akkus für einen Vergleichsweise kurzen Weg, der ökologische Fußabdruck bei der Herstellung des Akkus selbst und die vergleichsweise kurze Lebenszeit solcher kleinen Akkus. Manche verlieren schon nach einem halben Jahr ihre volle Leistungsfähigkeit. Werden Sie oft in Kälte eingesetzt, kann es noch schneller gehen. Eine Alternative sieht Konrad Krause vom ADFC: "Unmotorisierte Roller sind da sehr spannend, mit denen kann man sich den Gegebenheiten besser anpassen und für den letzten Kilometer rund um den Bahnhof sind die durchaus eine Überlegung wert."

Fazit

E-Scooter sind nach Ansicht des Verkehrsministeriums eine ideale Ergänzung zu Entwicklung und Ausbau der E-Mobilität. Verkehrs- und Sicherheitsexperten haben an der praktischen Umsetzung Zweifel. Auch der gesellschaftliche Sinn wird hinterfragt: "Ich kann nicht nachvollziehen, dass wir einerseits über zu dicke Kinder klagen,  ihnen dann aber auch noch den Roller elektrisieren um ein paar hundert Meter weit zu kommen", gibt Konrad Krause vom ADFC zu bedenken.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 21. Mai 2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Mai 2019, 12:30 Uhr