Elektromobilität Für wen lohnt sich ein E-Auto?

Extra Innenstadtparkplätze, Steuervergünstigungen und diverse Sonderrechte – Elektroautos haben viele Vorteile. Doch die Preise sind immer noch hoch. Welche Besonderheiten beim E-Auto wichtig sind und ob sich ein Kauf lohnt, weiß Kurt Sigl, Präsident vom Bundesverband eMobilität.

Für wen es sich lohnt, ein Elektroauto zu kaufen

Die Zukunft der individuellen Mobilität hängt eng mit dem Elektroauto zusammen, das im Augenblick als Nachfolger des konventionellen Autos mit Verbrennungsmotor favorisiert wird. Gute Gründe für die Ablösung des Verbrennungsmotors durch Elektromaschinen gibt es viele.

Sie laufen sehr leise, fast geräuschlos und sie brauchen kein Getriebe. Bedingt durch die Konstruktion der Elektromaschine kann ein Elektroauto aus dem Stand bis zur Höchstgeschwindigkeit einfach mit dem "Gaspedal" gesteuert werden.

Der Nachteil der geringen Reichweite durch zu geringe Kapazität der Batterie, die fehlende Ladeinfrastruktur und der hohe Preis eines Elektrofahrzeuges sind die Hauptargumente auf der Negativseite.

Wie sparsam ist ein E-Auto in der Praxis?

Der Bordcomputer eines Testwagens zeigte nach einer 85 km langen Testfahrt einen Durchschnittsverbrauch von 17,4 kWh/100 km, was einem Benzinverbrauch von etwa 2 l/100 km entspricht.

Dieser Fabelwert ist zum einen durch den leichten Gasfuß des Fahrers, den wesentlich besseren Wirkungsgrad des Elektromotors (ca. 0,96) im Vergleich mit einem Benzinmotor (0,35) und zum anderen durch das Fehlen eines kräftezehrenden Getriebes zu erklären.

Wer das als alleinigen Maßstab für die Umweltfreundlichkeit eines Elektroautos versteht, vergisst den CO2-Ausstoß, der in Deutschland bei der Energie-Erzeugung anfällt: Im Schnitt entstehen hier etwa 500 g CO2 pro erzeugter kWh. Umgerechnet auf den Strom-Verbrauch bekommt man einen CO2-Ausstoß in Höhe von 88 Gramm pro km. Es gibt Autos mit Verbrennungsmotor, die sauberer sind.

Elektroauto von A bis Z – ein paar Beispiele

A wie Aufladen

Ladestationen sind mittlerweile an immer mehr Standorten verfügbar. Hier besteht allerdings immer noch Verbesserungsbedarf. Längere Strecken sollten immer gut vorher geplant werden. Beim Aufladen gibt es drei Möglichkeiten:

Kostenloses Aufladen

Einige Supermärkte bieten ein Aufladen des E-Autos für die Dauer des Einkaufs kostenlos an. Eine vollständige Ladung ist aber aufgrund der begrenzten Zeit meist nicht möglich. Auch manche öffentlichen Parkplätze bieten das kostenlose Laden an.

Kostenpflichtiges Aufladen

Viele Kommunen stellen kostenpflichtige Ladestationen zur Verfügung. Diese werden durch den Energieversorger gespeist. Bezahlt wird mit unterschiedlichen Systemen, zum Beispiel per App oder mit EC-Karte.

Zuhause aufladen

Grundsätzlich kann man sein Elektromobil auch Zuhause aufladen. Hierfür ist allerdings nicht jede private Steckdose geeignet. Beachten Sie: Sie sollten sich auf jeden Fall ein Angebot für eine eigene Ladesäule einholen. Diese kann auch platzsparend an der Wand installiert werden.

E wie Emissionen

Reine E-Autos stoßen keine Abgase aus. Wie bei anderen Autos bleiben aber Reifen- und Bremsabrieb. Wird die Batterie unter schlechten ökologischen Bedingungen produziert, trübt das die Umweltbilanz des Stromers.

F wie Feuer

Elektroautos stehen buchstäblich unter Strom. Und deshalb wird an vielen Feuerwachen-Schulen verstärkt der Ernstfall geübt.

Wenn Retter die Karosserie aufschneiden müssen, um eingeklemmte Insassen zu befreien, ist der Blick auf die Schaltpläne, die Rettungskarte, lebenswichtig – die elektrischen Kabel dürfen nicht durchtrennt werden.

Kompliziert wird es, wenn ein solches Fahrzeug in Brand gerät. Die Energie der E-Autos steckt in einem Akku im Unterbau des Fahrzeugs. Wenn der bei einem Unfall Feuer fängt, stehen die Rettungskräfte vor einem großen Problem, der Akku setzt unheimlich viel Energie frei.

Die Flammen zu löschen ist dann sehr schwierig. "Eigentlich kann man es nicht löschen", sagt Andreas Ruhs, Brandschutzexperte der Frankfurter Feuerwehr. "Es muss kontrolliert abbrennen oder ausbrennen." Und zwar zwei bis drei Tage lang. Erst dann sei sicher, dass in keiner der Akkuzellen noch ein Brand schwele.

J wie Jahreszeit

Scheibenwischer verschmieren Schnee auf Windschutzscheibe
Bildrechte: imago images / Waldmüller

Im Winter benötigt die Heizung viel Strom und lässt die Reichweite sinken. Werden zum Beispiel bei einer Außentemperatur von 2 Grad Celsius die normale Heizung, die Sitzheizung und das Radio angeschaltet, kann die Leistungskraft unter Umständen um ein Drittel sinken. Das gleiche gilt für die Klimaanlage im Sommer.

K wie Kosten

Im Vergleich zu Autos mit Verbrennungsmotor sind Elektroautos im Durchschnitt immer noch teurer. Ein normaler Kleinwagen kann bis zu 34.000 Euro kosten.

Und die Batterie kann der Besitzer entweder dazu kaufen oder auch mieten. Der Kauf eines E-Autos wird vom Bund und den Herstellern bezuschusst.

P wie "Plug-in-Hybride"

Einen etwas anderen Weg der Elektromobilität beschreiten "Plug-in-Hybride".
Der Begriff kennzeichnet die Kombination eines Elektro- mit einem Verbrennungsmotor, der das Auto auch rein elektrisch fahren lässt (wenn die Batterie genug geladen ist, z.B. durch Ladung an der Steckdose vor der Fahrt. "Plug-in" = Einstöpseln).

Die Idee hinter dem "Plug-in"-Konzept ist ein Studienergebnis, nach dem die Mehrzahl der Durchschnittsautofahrer in Deutschland täglich weniger als 60 km fährt. Warum also Batterieblöcke für 250 km ins Auto packen, die allein durch ihr Gewicht für Mehrverbrauch sorgen? Ein "Plug-in-Hybrid" schafft mit voller Batterie etwa 40 km, erst dann springt der Verbrenner an.

Der Wochenendtrip zu Oma oder zur Ostsee ist also ohne Nachladen möglich, kostet aber Benzin. Der tägliche Shuttle ins Büro läuft batterieelektrisch ab, über Nacht beziehungsweise während der Arbeitszeit wird dann nachgeladen. Dieses Konzept besticht und funktioniert auch praktisch, wenn die dazu nötigen Steckdosen in der Nähe des Parkplatzes vorhanden sind.

R wie Reichweite

Wie weit man mit einer vollen Ladung kommt, ist ganz unterschiedlich. Faktoren wie die Größe des Wagens und auch der Fahrstil spielen hier eine große Rolle. Mittlerweile schaffen die E-Autos durchschnittlich 300 bis 400 km. Um die Reichweitenleistung nicht allzu sehr zu senken, sind viele Fahrzeuge bei einer Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h abgeriegelt.

Z wie Zeitdauer

Wie lange es dauert, bis der Akku des E-Mobil vollgeladen ist, hängt von vielen Faktoren ab: Zum Beispiel von der Ladeleistung. Am Haushalts-Stromnetz beträgt die Zeit für eine Vollladung laut ADAC in der Regel sechs bis zwölf Stunden. Mit einer Schnellladung verkürzen sich die Wartezeiten stark.

Elektroauto: Was sind Vor- und Nachteile?

Vorteile

 Nachteile

  • Kaufpreis vergleichsweise hoch
  • Stellplatz mit Ladeanschluss erforderlich (Zusatzkosten)
  • Netz der Ladestationen noch nicht überall gut ausgebaut
  • verschiedene Tarife bei öffentlichen Ladestationen - wenig verbraucherfreundlich
  • Reichweite von reinen Elektroautos gering
  • Herstellung der Elektrobatterien ressourcenintensiv

Die Crux liegt in der Zielgruppe

 Mann betankt seinen Tesla mit Strom
Bildrechte: imago images/Geisser

Der ideale Fahrer eines Elektroautos muss nicht nur aus gut informierten Kreisen kommen (Konzept und Funktion verlangen dem Käufer/Fahrer schon einiges an technischem Verständnis ab), er sollte zugleich auch finanziell eher sorgenfrei gestellt sein (weil der Preis eines praxistauglichen Elektroautos selbst den Preis einer E-Klasse hinter sich lassen kann).

Schön wäre ein Grundstück mit Haus, an dessen Wand eine Lademöglichkeit für das Auto hängt. Öffentliche Säulen wird es vor der Haustür nicht geben. Wenn er Familie hat, bräuchte er auch noch ein "richtiges" Auto, das immer fährt. Auch das kostet bekanntlich Geld, vernünftigerweise spart man das Elektromobil also gleich ganz ein. Große Stückzahlen sind so nicht abzusetzen.

Unser Experte

Kurt Sigl, Präsident Bundesverband eMobilität e.V.
Bildrechte: Bundesverband eMobilität e.V.

Kurt Sigl

Kurt Sigl

Kurt Sigl ist seit 2009 Präsident des Bundesverbands für eMobilität mit Sitz in Berlin.

Foto: Bundesverband eMobilität e.V.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 19. Februar 2020 | 17:00 Uhr