Der der Jaguar I-Pace
Beim Genfer Auto-Salon wurde der Jaguar I-Pace zum Car of the Year 2019 gekürt - ein Elektroauto! Bildrechte: dpa

Die Trends der Automobilbranche Genfer Salon 2019: Elektromobilität im Fokus der Messe

Auf dem Genfer Autosalon, der ersten europäischen Automesse des Jahres, werden zahlreiche Neuheiten und Modelle der Automobilbranche vorgestellt. Experte Andreas Keßler kennt Trends und Entwicklungen.

Der der Jaguar I-Pace
Beim Genfer Auto-Salon wurde der Jaguar I-Pace zum Car of the Year 2019 gekürt - ein Elektroauto! Bildrechte: dpa

Vorwärts in die automobile Zukunft will so ziemlich jeder Aussteller einer Automesse. Das galt 2009 auch (neben einigen anderen) für die Marke Opel, die vor zehn Jahren noch zu General Motors gehörte. Auf dem Stand der Rüsselsheimer in Genf stand damals während des Autosalons der ziemlich revolutionäre Opel Ampera, ein Elektroauto mit "Range-Extender“. Er hatte im Gegensatz zu den E-Autos des Wettbewerbs nicht nur die geringe Batterie-Reichweite, sondern einen vom Fahrzeug-Verbrennungsmotor getriebenen Generator, der für elektrische Energie für die Weiterfahrt sorgte, wenn der Akku leer war. Das Auto war dann von 2011 bis 2014 in Deutschland zu haben, bis der Import aus den USA wegen zu geringer Verkäufe eingestellt wurde. Das geringe Interesse an Elektroautos hält eigentlich bis heute an, die Wende hin zur Elektromobilität hat man auf dem Genfer Salon 2019 nun aber eingeläutet.

Autoexperte Andreas Kessler 18 min
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Das sind die Gründe für "echte" e-Mobilität:

Eine Hallenübersicht, aufgenommen am zweiten Pressetag.
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  • Die Diskussion um den Diesel (und bald auch um den Verbrennungsmotor) wird uns wohl nicht mehr verlassen.
  • Immer mehr Städten drohen Verkehrsbeschränkungen aus Umweltschutzgründen. Elektrofahrzeuge kommen in Verbotsszenarien bislang nicht vor.
  • Die Ladeinfrastruktur hat sich in den letzten zehn Jahren explosionsartig verbessert. Sie ist zwar keineswegs perfekt, aber man kann in den Ballungsräumen damit leben.
  • Die Autohersteller haben bereits oder wollen ihre Produktion auf die massenhafte Herstellung von Elektrofahrzeugen "umkrempeln". Das führt zu Synergien aus dem Zuliefererbereich, Standardisierungen und damit zu sinkenden Preisen.
  • Akkukapazitäten und damit die Reichweiten von Elektroautos sind inzwischen dort angekommen, wo der Autofahrer sie mindestens gerne hätte.
  • Bezahlbare Autos mit Verbrennungsmotor sind inzwischen überkomplex und bei aller Raffinesse optisch verwechselbar. Man könnte auch sagen: Autos sind nicht mehr sexy!

E-Auto-Euphorie

Endlich gibt es ein nennenswertes Angebot für potentielle E-Autofahrer! Die Preise beginnen zu sinken, der "fun-factor" könnte sich Raum greifen. Also, alles gut? Eine Tatsache darf man nicht vergessen, das Elektroauto ist kein Wundermittel gegen die negativen Auswirkungen des Individualverkehrs! Zwar landet jeder Politiker beim Thema "Mobilitätswende" spätestens nach drei Sätzen beim Elektroauto, das ist aber eine Sackgasse! Wenn alle Verbrenner durch E-Autos ersetzt würden, hätte sich an der Blechlawine nichts verändert, und die Ladeinfrastruktur hielte damit ohnehin nicht Schritt. Zum anderen kann die Politik, genau wie aktuell bei Autos mit Dieselmotor, für "politischen Verschleiß" sorgen, was den Normalbürger erneut auf die Palme brächte. Solange es nicht zu einem gedeihlichen Nebeneinander und idealerweise einer intelligenten Vernetzung der existierenden Mobilitätsformate kommt, taugt der ganze e-Mobility-hype nichts!

Dieses Thema im Programm: MDR um 4 | 20. März 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. März 2019, 20:09 Uhr