Glücksspiel App auf einem Smartphone
Glücksspiel am Smartphone - heute kein Problem mehr. Bildrechte: imago images / Panthermedia

Apps, Facebook und Co. Immer mehr junge Menschen spielen Glücksspiele im Internet

Für Glücksspiel muss schon lange niemand mehr ins Casino gehen. Spielen kann man heute auch online, auf Facebook, in Apps oder beim Internet-Poker. Das Online-Glücksspiel spricht besonders junge Leute an. Zurzeit überprüft die Medienanstalt von Nordrhein-Westfalen die App "Coin Master". Durch ihr Prinzip und ihr kindliches Design könnten gerade junge Menschen in die Spielsucht rutschen.

von Fabian Stark, MDR AKTUELL

Glücksspiel App auf einem Smartphone
Glücksspiel am Smartphone - heute kein Problem mehr. Bildrechte: imago images / Panthermedia

Ende Juli erscheint auf Facebook ein Video. Der Sänger Dieter Bohlen sitzt da auf einem Stuhl und fabuliert über die App "Coin Master". "Ich werde ja oft gefragt: Dieter wie beweise ich mein Talent beim 'Coin Master'? Man braucht natürlich auch ein bisschen Glück. Am wichtigsten ist, ruhig zu bleiben, wenn ein Dorf angegriffen wird", wirbt Bohlen auf seinem Kanal. Die App "Coin Master" wurde seitdem millionenfach heruntergeladen.

Was passiert bei "Coin Master"?

Dieter Bohlen
Per Facebook macht Dieter Bohlen Werbung für die App "Coin Master". Bildrechte: imago images / Andre Lenthe

Der Spieler baut ein Dorf - mit Häusern, Feldern, Statuen. All das kostet Spielgeld. Ist das Spielgeld aus, öffnet die App einen Spielautomaten, den man früher "einarmigen Bandit" genannt hätte. Aus dem sprudelt das Spielgeld. Doch die Versuche sind begrenzt.

Und wer mehr Spielgeld will, muss eine Stunde warten oder echtes Geld einsetzen. 5,49 Euro für 80 weitere Versuche. Als Glücksspiel im juristischen Sinne gelten Apps wie "Coin Master" nicht. Schließlich gibt es kein echtes Geld zu gewinnen.

Social Casinos gerade bei jungen Menschen beliebt

Doch als gefährlich gelten die sogenannten "Social Casinos" trotzdem, da sie besonders junge Menschen früh ans Spielen heranführen. Angelina Krüger leitet das Präventionsprojekt Glücksspiel in Berlin. Vor allem für junge Menschen sei Glücksspiel reizvoll, sagt sie: "Das ist die Welt, in der die Erwachsenen unterwegs sind." Außerdem gebe es auch sehr viele Idole, die Glücksspiel-Angebote sehr stark bewerben würden.

Krüger zufolge steigen junge Leute oft durch Sportwetten und Online-Angebote ins Glücksspiel ein.

Früher mussten dann Jugendliche, wenn sie in diese Welt eintauchen wollten, erst mal das Haus verlassen. Sie mussten eventuell die Eltern um Geld fragen, sie mussten auch noch einen passenden Ausweis parat haben, in dem hoffentlich die Volljährigkeit stand.

Angelina Krüger Präventionsprojekt Glücksspiel Berlin
Sportwetten App auf einem Smartphone
Viele junge Menschen gelangen durch Sportwetten zum Glücksspiel. Bildrechte: imago images / AAP

Heutzutage, mit Smartphone und falscher Alterseingabe, sei das leichter. Die App "Coin Master" fragt gar nicht erst nach dem Alter. "Diese soziale Kontrolle, die vielleicht durch Eltern oder Freunde früher noch stattgefunden hat, die fällt bei diesen Spielen einfach komplett weg," erklärt Angelina Krüger.

Ob auf Apps oder auf Facebook: Krüger meint, Online-Spiele könne man gar nicht so einfach unterteilen in unverfänglichen Spaß und Glücksspiel, das süchtig mache. Letztlich könne man kein Spiel verteufeln. Man müsse aber damit umgehen können.

Glücksspielelemente in vielen Online-Spielen

Doch gibt es in vielen Spielen Mechanismen, die denen von Glücksspielen ähneln. Zum Beispiel sogenannte Lootboxen. Das sind virtuelle Kisten, die Waffen enthalten oder andere Gegenstände, die zum Sieg verhelfen. Und für diese Kisten muss man zahlen.

Angelina Krüger vom Präventionsprojekt Glücksspiel weist auf andere Mechanismen hin. Zum Beispiel, wenn man in solchen Apps durch Glücksspielelemente Level überspringen oder Prozesse beschleunigen könne. Darauf setzt auch die App "Coin Master": Warten oder zahlen und gleich weiterspielen.

Krüger: Staatliche Kontrolle zu lasch

Gesetzlich wird Glücksspiel durch einen Staatsvertrag geregelt. Für Minderjährige ist es verboten. Doch kontrolliert wird nicht nur online wenig, sondern auch an Spielautomaten und in Sportwettbüros.

Der Glücksspiel-Staatsvertrag verbietet außerdem Werbung, die zu hohe Gewinnchancen verspricht oder sich an Minderjährige richtet. Laut Krüger wird dieses Gesetz zu lasch durchgesetzt. Ob bei Sportwetten oder bei "Social Casinos" wie "Coin Master".

Es muss meiner Meinung nach nicht sein, dass ein Herr Schweinsteiger und ein Herr Bohlen für Glücksspiele werben, obwohl damit einhergehend Risiken zu nennen sind, die man an der Stelle verschweigt.

Angelina Krüger Präventionsprojekt Glücksspiel Berlin

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 16. August 2019 | 09:27 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. August 2019, 05:00 Uhr

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4 Kommentare

17.08.2019 10:30 Papst 4

Die Politik wollte es so. Anstatt das stationäre Spiel zu stärken haben die es zu tote reguliert. Jetzt kann die Politik voller stolz verkünden , dass immer mehr Spielhallen schließen. Deshalb hat keiner aufgehöht zu spielen! Im Gegenteil im Internet ist alles erlaubt auch wenn es offiziell verboten ist. 24 Std 7 Tage der Woche ohne jeglichen Verbraucherschutz, etc. . Wenn jetzt jemand behauptet, dass würde man auch in Griff kriegen, dann lügt er sich selbst und uns an! Wie denn?!!! Siehe Kinderpornographie, Waffenhandel, etc.

16.08.2019 15:05 Fragender Rentner 3

Freue mich immer auf die News beim Handy, sind auch sehr lehrreich.

16.08.2019 12:06 FA 2

Diese Glücksspiele sind das reinste Gift. Aber sie werden ja pausenlos im TV beworben, hauptsächlich bei Sportübertragungen. Die gehen mir sowas am Allerwertesten vorbei ... Ich dachte mal, solche Werbung wäre verboten? Mein Bruder und mein Cousin haben in den 90ern jeweils 30.000,- Miese gemacht, war eine schlimme Zeit, bis sie wieder clean waren.

16.08.2019 11:01 optinator 1

Es ist halt die Generation, die noch nicht begriffen hat, das der Kapitalismus nichts verschenkt.

Werbung :
"Bei einem Einsatz von 10 € schenken wir dir am Anfang 50 €"

und dann ?

Es heißt nun mal GLÜCKSSPIEL !