Folgen der Google-Sperre Was der Huawei-Bann für Nutzer bedeutet

Auf Druck der US-Regierung stellt Google seine Beziehungen zu Huawei ein. Es stellt dem chinesischen Smartphonehersteller sein Betriebssystem Android nicht mehr zur Verfügung. Wir erklären Ihnen, welche Folgen das hat.

Der Handelsstreit der USA mit China hat Folgen für Millionen Smartphonenutzer. Wer ein Gerät von Huawei oder der Tochter-Marke Honor besitzt, muss in Zukunft mit Einschränkungen rechnen: Google versorgt diese Smartphones nicht mehr mit seinem Betriebssystem Android und anderer Software.

Was bedeutet das für Nutzer, die schon ein Huawei- oder Honor-Smartphone besitzen?

Das wird sich zeigen müssen. Fest steht schon, dass alle Nutzer mit schon gekauften Geräten und Apps weiterhin Zugang zu Googles App-Plattform Play Store haben werden. Das gilt auch für den Dienst Play Protect, der bösartige Apps heraussiebt. Das sicherte Google zu.

Um den wichtigen Punkt Sicherheit müssen sich heutige Kunden offenbar keine großen Sorgen machen: Huawei versprach, "weiterhin Sicherheitsupdates und Services für alle bestehenden Huawei und Honor Smartphones sowie Tablets zur Verfügung zu stellen". Und zwar für alle Geräte, die schon verkauft wurden oder noch gelagert werden.

Was ist mit den restlichen Google-Apps?

Dazu äußerte sich Google nicht direkt. Das Unternehmen erklärte am Montag nur, man halte sich an die US-Vorschriften und prüfe die Konsequenzen.

Ein Logo des Technologiekonzerns Huawei ist hinter einem Geländer an einem Geschäft angebracht.
Wie übersteht Huawei den Google-Bann? Bildrechte: dpa

Branchenbeobachter gehen aber davon aus, dass Dienste und Apps wie GMail, Maps oder der Google Assistant nicht schnell von bereits gekauften Smartphones verbannt werden.

Bei künftigen Smartphones bedeuten dauerhafte US-Sanktionen allerdings, dass Huawei keine Telefone mehr mit vorinstallierten Google-Apps verkaufen kann und keinen Vorab-Zugang zu neuen Versionen des Android-Systems bekommt.

Aber Android als quelloffene Software ist doch ohnehin für alle da ...

Das stimmt zwar, denn es gibt das Android Open Source Project, bei dem alle Hersteller das System bekommen. Jedoch laufen die weitaus meisten Android-Telefone, die außerhalb Chinas verkauft werden, mit einer Android-Version, die Google-Dienste enthält und für die man beim Internet-Konzern eine Lizenz bekommen muss. Bei den künftigen Smartphones, die Huawei mit der "nackten" Grundversion von Android verkauft, wären also weder die Google-Karten noch der Play Store zum App-Download dabei - und müssten von anderen Anbietern kommen.

Wie sieht es mit Alternativen aus?

Es gibt auch andere Kartendienste wie "Here", der deutschen Autobauern gehört, oder die Open Street Maps. Huawei hat auch schon eine eigene App-Plattform. Ein Vorteil der Google-Dienste ist allerdings, dass sie miteinander verzahnt sind - zum Beispiel, damit zum Termineintrag direkt die Fahrtroute angezeigt werden kann. Das funktioniert im Zusammenspiel verschiedener Anbieter oft nicht ganz so gut.

Wird Huawei jetzt komplett von Android abgeschnitten?

Nein. Wichtig ist unter anderem, dass Sicherheitsupdates ohne Zeitverlust über das Android Open Source Project verfügbar sind. Allerdings bekommen Huawei und Honor die neuen Android-Versionen künftig später als Rivalen wie Samsung zu sehen. Die AOSP-Versionen neuer Android-Systeme wurden zuletzt jeweils im August veröffentlicht, nachdem die Hersteller schon monatelang Zugang dazu hatten und sich darauf vorbereiten konnten.

Außerdem ist es keine Einbahnstraße: So arbeitete Huawei zuletzt mit Google bei der Anpassung von Android für Auffalt-Smartphones zusammen und konnte damit auch die Entwicklung des Systems mitbestimmen. Auch das wäre künftig nicht mehr möglich.

Bekommt man dennoch die nächste Android-Version Q auf seinem Huawei-Smartphone?

Ausgeschlossen ist das nicht, auch wenn das nun länger dauern könnte. Die Entscheidung darüber liegt allein bei Huawei.

Wird Huawei für die Zukunft überhaupt an Android festhalten?

Das ist eine der vielen Fragen, die offen sind. Huawei ließ schon häufiger durchblicken, dass es ein eigenes Betriebssystem in Entwicklung hat. Eine System-Software am Markt zu etablieren, ist zwar eine gewaltige Herausforderung - aber andererseits ist China auch ein Riesen-Markt, in dem man es mit entsprechender staatlicher Rückendeckung schaffen könnte. So sind auch die chinesischen Smartphone-Hersteller zuhause groß geworden, bevor sie zur aggressiven Expansion auf dem Weltmarkt ansetzten. Letztendlich könnten sich die US-Sanktionen daher auch sehr schädlich auf das Geschäft von Google auswirken.

(Quelle: mit Material von dpa)

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 20. Mai 2019 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. Mai 2019, 16:37 Uhr