Onlinehandel Günstig-Händler aus China

Sie werben mit unschlagbar günstigen Preisen für Elektronik, Kleidung und viele, viele andere Sachen. Kopfhörer für einen Euro, Smartwatches für unter zwanzig. Preise, die deutlich unter den deutschen Einzelhandelspreisen liegen. AliExpress, Wish oder Joom sind Online-Plattformen, die Produkte von Verkäufern aus Fernost vermitteln. Kaum ein Schnäppchenjäger kommt daran vorbei. Doch Vorsicht: Online-Bestellungen in China haben ihre Tücken und am Ende können die günstigen Angebote Käufer teuer zu stehen kommen.

Wer steckt dahinter?

Viele Plattformen, die mit Angeboten zu Schnäppchenpreisen werben, sind keine klassischen Onlineshops. Sie verkaufen nicht selbst, sondern vermitteln lediglich, ähnlich Amazon-Marketplace oder Ebay. Die Verkäufer sitzen dabei meist in China oder anderswo in Fernost. Für Käufer ist der genaue Name des Verkäufers und damit auch des Vertragspartners nicht immer transparent. Das erschwert Rückfragen zum Produkt oder zur Vertragsabwicklung.

Bestellabwicklung, Versandkosten, Lieferzeiten

Website des chinesischen Onlinehändlers Wish
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Das Angebot auf den Plattformen ist riesig. Viele Anbieter buhlen mit ähnlichen Produkten und unterschiedlichsten Preisen um die Gunst der Kunden. Sich dann schließlich für ein konkretes Produkt zu entscheiden, kann einige Zeit in Anspruch nehmen. Zudem könnten sich sprachliche Hindernisse auftun, denn manchmal sind Produktbeschreibungen nur auf Englisch oder schlecht ins Deutsche übersetzt.

Je nach Plattform werden die Preise in Euro oder US-Dollar angegeben. Bei letzterem müssen die Preise noch umgerechnet werden. Der Umgang der Händler mit den Versandkosten ist sehr verschieden. Bei sehr niedrigen Produktpreisen sind hin und wieder sehr hohe Versandkosten angegeben. Werden mehrere Teile bestellt, müssen oft auch mehrmals Versandkosten gezahlt werden. Achten Sie deshalb auf die Gesamtkosten! Wird die Ware aus China versandt, kann es zu sehr langen Lieferzeiten kommen. Mehrere Wochen oder Monate sind keine Seltenheit.

Zollgebühren und Steuern

Bis zu einem Einkaufswerte von 22 Euro inclusive Versandkosten müssen keine zusätzlichen Steuern und Zollgebühren gezahlt werden. Wird diese Grenze überschritten, sind Einfuhrumsatz- und gegebenenfalls Verbrauchsteuer fällig. Ab einem Bestellwert von 150 Euro müssen Zollgebühren gezahlt werden. Die Höhe hängt von der Art des Produktes ab. Der Zoll überprüft dabei stichprobenhaft Pakete auf korrekte Zollinhaltserklärungen. Diese müssen vom Verkäufer ausgefüllt werden. Bei Problemen ist der Käufer in der Pflicht und muss gegebenenfalls beim Zoll vorstellig werden.

Zahlung

Symbolbild: Online-Shopping bei einem chinesischen Händler
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Bezahlt werden können die Waren in den meisten Shops mittels Kreditkarte, Sofort-Überweisung, GiroPay oder per PayPal. AliExpress arbeitet nicht mit PayPal zusammen, bietet aber ein eigenes Käuferschutzprogramm. Bei Wish kann auch per Rechnung gezahlt werden. Diese bekommen die Käufer dann allerdings nicht von Wish sondern vom Rechnungsdienstleister Klarna mit einer Fälligkeit von meist 14 Tagen. Wer dann aufgrund der langen Lieferzeiten noch keine Ware hat, sollte die Rechnung nicht ignorieren sondern mit Klarna Kontakt aufnehmen. Ansonsten drohen Mahnschreiben und gegebenenfalls Kosten für einen Inkassodienstleister.

Qualität der Waren

Die Verbraucherzentralen erreichen immer wieder Beschwerden zur minderwertigen Qualität der Waren, schlechten Verarbeitung oder Beschädigungen. Kleidung fällt für europäische Verhältnisse wohl oft zu klein aus. Glaubt man Internet-Foren, gibt es aber auch zahlreiche Kunden, die mit den Lieferungen zufrieden sind. Bei unverhältnismäßig günstiger Markenware sollte man jedoch vorsichtig sein, denn es werden auch immer wieder Fälschungen angeboten. Wird bei einer Zollprüfung eine Produktfälschung entdeckt, kann der Zoll die Ware vernichten oder zurücksenden. Das ist auch der Fall, wenn bei elektronischen Produkten die CE-Kennzeichnung fehlt. Die CE-Kennzeichnung gibt an, dass das Produkt die europäischen Sicherheitsanforderungen erfüllt. Das Problem jedoch: Diese Kennzeichnung ist kein Prüfzeichen, die Hersteller selbst drucken es auf ihre Produkte. Mit dem Sicherheitsrisiko muss langfristig der Kunde leben, denn die gesetzlich vorgeschriebene Gewährleistungsfrist von zwei Jahren greift bei Einkäufen in Fernost nicht. Die Anbieter haben oft nur eine Reklamationsfrist von 30 Tagen. Und auch mit der Versicherung kann es im Schadenfall Probleme geben, wenn ein Produkt keine CE-Kennzeichnung vorweist.

Rücksendungen

Widerruft der Kunde den Kaufvertrag oder erhält er schlimmstenfalls die Ware gar nicht, muss er sich an den Händler wenden und um die Rückabwicklung kümmern. Deshalb sollte schon vor dem Kauf geprüft werden, ob sich für solche Fälle ein konkreter Ansprechpartner findet. Gefällt einem die Ware nicht oder muss aus anderen Gründen zurückgeschickt werden, muss diese Kosten der Kunde meist selbst übernehmen. Porto- und Zollgebühren für ein Paket nach China können dann ziemlich teuer werden: Für ein unversichertes Päckchen bis 2 kg zahlt man bei der Deutschen Post zum Beispiel 16 Euro. Ein bis 500 Euro versichertes Paket kostet ab 43,99 Euro (Stand: März 2019). Hinzu kommt, dass nach Angaben der Verbraucherschützer bei Wish zum Beispiel Steuern und Zollgebühren der ursprünglichen Lieferung nicht erstattet werden, wenn die Ware zurückgegeben wird. Ein vermeintliches Schnäppchen kann dann ziemlich teuer werden.

Fazit

Die Produktpreise in den China-Shops sind sehr verlockend. Viele Elektronikprodukte, Kleidung, Schmuck und vieles mehr gibt es für kleines Geld. Doch Vorsicht: Derart günstige Produkte können schlecht verarbeitet sein, billigste Komponenten enthalten und europäische Produktsicherheitsstandards nicht erfüllen. Verbraucher, die sich dennoch für einen Kauf entscheiden, sollten sich dessen bewusst sein. Wer seine Erwartungen allerdings an die Preise anpasst, kann bei Händlern aus Fernost durchaus Schnäppchen machen.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 09. April 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. April 2019, 00:10 Uhr