Soziale Medien und Co. Digitaler Nachlass: Das sollten Sie wissen

Quicktipp: Digitales Erbe 1 min
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MDR FERNSEHEN Di 21.08.2018 10:29Uhr 01:21 min

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Wer stirbt, hinterlässt seinen Erben im Idealfall Haus, Geld und persönliche Dinge. Immer öfter bleibt aber auch ein digitaler Nachlass. Accounts für den Onlinehandel, E-Mail-Postfächer oder Profile in sozialen Netzwerken - die Spuren im Internet können vielfältig sein. Die zu löschen oder so zu bearbeiten, dass keine rechtlichen und finanziellen Probleme entstehen, ist nicht einfach, gehört aber zu den Pflichten der Erben. Wir erklären, wie Sie Ihr digitales Leben so organisieren und dokumentieren, dass Ihre Erben im traurigen Ernstfall nicht auch noch viel Mühe und Ärger haben. 

Es bleiben jede Menge Daten

zahllose Fotos auf einem Bildschirm
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Fast 90 Prozent aller Deutschen, die älter als zehn Jahre sind, sollen online sein. Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und ähnliche machen dabei nur einen Teil aus. Fast jeder hat eine E-Mail-Adresse. Hinzu kommen Konten bei Online-Händlern, Abos bei Musik- und Filmanbietern oder auch Bankgeschäfte, die Sie online erledigen. Und selbst klassische Verträge für Versicherung, Strom- oder Wasserversorgung werden immer öfter online geschlossen und betreut. Für fast jeden dieser Dienste legen Sie einen Zugang an, inklusive möglichst sicherem Passwort. Und immer mehr Daten, die früher auf privatem USB-Stick oder der Festplatte gespeichert wurden, liegen jetzt für den leichteren Zugriff in einer Cloud. Mit der Einführung von Smart-Homesystemen wird die Datenmenge noch größer. 

So verwalten Sie Ihre Daten richtig

Damit die zukünftigen Erben schnell und unkompliziert in Ihrer digitalen Welt agieren können, sollten Sie vorsorgen und alle Informationen immer auf dem aktuellsten Stand halten:  

  • Schreiben Sie von jedem Zugang und Konto die aktuellen Zugangsdaten und Passwörter auf. Vermerken Sie Laufzeiten und spezielle Konditionen von Verträgen. Drucken Sie diese Daten aus. Speichern Sie sie zusätzlich auf USB-Stick oder Festplatte. Hinterlegen Sie die Daten an einem sicheren Ort. Nochmal und wichtig: Immer aktuell halten!
  • Löschen Sie Daten, die niemand bekommen soll, regelmäßig. Dazu zählen Fotos, E-Mails und auch Chats.
  • Halten Sie Ihre Verträge immer auf dem aktuellsten Stand, kündigen Sie, was Sie nicht brauchen. Blockieren Sie, wenn möglich, automatische Verlängerungen.
  • Nutzen Sie sogenannte Passwortmanager. Das sind Programme zur Verwaltung und Verschlüsselung von Passwörtern. Die kann man zentral auf einem USB-Stick speichern. Den Generalschlüssel zu allen Daten auf dem Stick können Nutzer bei einer Vertrauensperson hinterlegen oder im Testament festhalten.
  • Legen Sie in einer Vorsorgevollmacht oder dem Testament fest, wer sich um Ihren digitalen Nachlass kümmern und was mit den Daten nach Ihrem Tod geschehen soll. Wichtig:  Die Vollmacht müssen Sie handschriftlich verfassen, mit einem Datum versehen und unterschreiben. Und sie muss wortwörtlich "über den Tod hinaus" gelten.
  • Informieren Sie diese Personen schon zu Lebzeiten über alle Verträge und Aktivitäten und erklären Sie, worauf bei speziellen Daten geachtet werden muss. So können Abos und andere Verträge schnell und problemlos gekündigt werden. In einer handschriftlich verfassten Vollmacht können Sie den digitalen Nachlassverwalter bestimmten. Dann muss nach Ihrem Tod nicht erst eine Testamentseröffnung abgewartet werden.
  • Geben Sie nicht vorzeitig und unnütz Passwörter und Zugänge an andere Personen heraus.
  • Halten Sie den Kreis der Informierten möglichst klein. 
  • Nutzen Sie bei allen Anbietern eventuell vorhandene Einstellungen zum Zugriff auf ihre Daten durch eine Vertrauensperson. 

Nutzen Sie die Angebote der Anbieter

Kaum ein digitaler Vertrag erlischt von selbst. Kein Anbieter forscht nach, ob seine Mitglieder noch am Leben sind. Bei einigen Firmen, wie zum Beispiel Google gibt es aber Einstellungen, die bei langer Inaktivität des Nutzers aufmerksam werden. Beim sogenannten  Kontoinaktivitätsmanager können Sie bis zu zehn Personen benennen, die benachrichtigt werden, wenn er auf das Konto in einem selbst bestimmten Zeitraum zwischen 3 und 18 Monaten nicht zugegriffen hat. Diese Personen haben dann drei Monate Zeit, wichtige Inhalte herunter­zuladen. Nutzen Sie solche Einstellungen schon beim Anlegen ihres Accounts und aktualisieren Sie sie regelmäßig. Das macht es Ihren Erben später leichter, Zugriff auf Daten und Account zu bekommen. 

Vorsicht mit Ihren Daten

Digitale Nachlassverwalter bieten Ihnen die Betreuung Ihrer Daten an. Dazu legen Sie in einer digitalen Nachlassverfügung fest, was nach ihrem Tod mit Ihren Daten geschehen soll, wer informiert wird und Zugriff erhält. Im Fall ihres Todes werden dann sämtliche festgelegten Firmen und Anbieter informiert. Andere Anbieter analysieren die Computer und Festplatten der Verstorbenen und ermitteln über die dortigen Aktivitäten digitale Spuren. Schlussendlich können Sie bei bestimmten Serviceunternehmen ein digitales Testament hinterlegen. Darin werden alle Aktivitäten inklusive Zugangscodes und Passörtern vermerkt. Von solchen Unternehmen raten Verbraucherschützer aber eher ab. Ihre Sicherheit und damit die Vertrauenswürdigkeit lassen sich nur schwer beurteilen. In keinem Fall sollten Sie einem Unternehmen Passwörter anvertrauen.

Die Probleme der Erben

Das größte Problem neben dem Zugriff ist, zu erfahren, welche Konten und Verträge überhaupt vorhanden sind. Bei automatischen Verlängerungen von Verträgen und nur jährlicher Zahlweise drohen sonst unangenehme Überraschungen. Und selbst, wenn Sie als Erbe von Accounts wissen und ein Recht auf den Zugriff haben, müssen Sie das erstmal bei dem jeweiligen Anbieter durchsetzen. Dazu brauchen Sie mindestens eine Sterbeurkunde, meistens aber noch einen Erbschein. Die Sterbeurkunde kostet nur wenige Euro. Der Erbschein wird vom Nachlassgericht ausgestellt und kann teuer werden. Sein Preis richtet sich nach der Menge, die Sie geerbt haben. Mehrere hundert Euro sind schnell möglich. Dann kann es bei einigen Firmen, besonders wenn es vor amerikanische Gerichte geht, Zeit und Nerven kosten.

Hilfe für die Erben

Immer mehr Bestattungsdienste helfen Ihnen neuerdings bei der digitalen Suche. Mit speziellen Softwareprogrammen forsten Sie alle bekannten Portale, Banken und andere mögliche Vertragspartner nach digitalen Spuren des Verstorbenen durch. Als Erbe selbst können Sie sich in den E-Mail-Accounts der Verstorbenen auf die Suche nach Kontakten und Vertragsverhältnissen machen. Und auch Kontoauszüge können Hinweise auf Vertragsverhältnisse geben.

Viele Anbieter, viele Wege

Es gibt keine einheitlichen Regelungen für den digitalen Nachlass. Jeder Anbieter verlangt von den Hinterbliebenen andere Daten und Nachweise. Was sie bei welchem Anbieter brauchen, erfahren Sie auf Ratgeberseiten wie www.machts-gut.de. Hier finden Sie ganz am Ende der Startseite PDF-Dateien mit entsprechenden Tipps. 

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 24. August 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. April 2019, 15:51 Uhr

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