Umschau-Quicktipp Wie teuer ist eine gute Actioncam?

Action Cam am Lenker eines Mountainbikes 1 min
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Für Modelle vom Marktführer GoPro und anderen namhaften Herstellern kann man 400 Euro und mehr ausgeben. Es gibt aber auch Actioncams von unbekannteren Anbietern, die für deutlich unter 100 Euro schon Filme in Full HD-Auflösung machen. Wir geben einen Überblick, in welchen Bereichen günstige Modelle an die Flaggschiffe rankommen und wo Nutzer Abstriche machen müssen.

Deutlich bessere Bilder bei den Top-Modellen

Den größten Unterschied zwischen teuren Actioncams und günstigen Modellen gibt es aus Sicht von Christoph de Leuw von Computerbild bei der Bildqualität. In Tests stellten günstige Kameras Farben lange nicht so exakt und natürlich dar wie höherpreisige Geräte. Das falle schon dann auf, wenn fürs Ansehen von Fotos und Videos das Smartphone genutzt werde. "Außerdem schaffen die teureren Cams eine höhere Bildrate von 60 Bildern pro Sekunde. Bei den günstigen sind es nur 30 pro Sekunde", sagt unser Experte.

Ein Mädchen auf einem Snowboard trägt einem Helm mit einer Kamera.
Bildrechte: Colourbox.de

Je mehr Bilder pro Sekunde aufgenommen werden, desto flüssiger wirkt die Aufnahme selbst auf kleinen Bildschirmen. "Die teureren Modelle wie die von GoPro bieten zudem eine 4K-Auflösung, also viermal die Bildschärfe von Full HD", sagt Christoph de Leuw. Die Unterschiede bei der Auflösung sehe man nicht immer auf Anhieb. Die 4K-Auflösung biete aber mehr Möglichkeiten, wenn Filme nachbearbeitet werden sollen. "Da kann ich dann etwa einen Ausschnitt aus dem Bild heraus vergrößern und das Ergebnis ist dann immer noch Full HD", sagt der Experte.

Bei Bildstabilisatoren liegen teure Modelle ebenfalls vorn

Viele filmen mit den leichten und kleinen Actioncams einfach aus der Hand oder montieren diese auf den Fahrradlenker oder den Skihelm. Daher sollte die Kamera möglichst Wackler gut ausgleichen können, damit die Filme nahezu flüssig aussehen. Inzwischen bieten auch günstigere Modelle Bildstabilisatoren, die aber schnell an ihre Grenzen stoßen. "Das sind meist elektronische Stabilisatoren, die einen Ausschnitt vom Bild nehmen und den dann wieder auf Linie bringen und zurechtschieben. Das führt aber zu sehr unschönen Nebeneffekten", sagt Christoph de Leuw. Das Bild wirke bei Wacklern so, als habe man durch Gelee hindurchgefilmt und verliere Schärfe und Auflösung. Teure Modelle können Wackler mit digitalen Bildstabilisatoren besser und weniger auffällig ausgleichen. Dafür nehmen die Kameras mehr Bild auf als nötig und nutzen davon nur den inneren Ausschnitt.

Wackelfreie Kamerafahrten?

Den Nachteil bei den Bildstabilisatoren können Besitzer von günstigen Kameras mit Gimbals zumindest etwas ausgleichen. Das sind vereinfacht gesagt Griffe oder auch Halterungen für Actioncams, die die Kamera mit Hilfe von kleinen Motoren immer in Waage halten. Im Ergebnis wirkt dann selbst die Joggingrunde mit Actioncam fast wie eine Kamerafahrt auf Schienen. Wer einen Gimbal für die Hand nutzt, muss aber zusätzliches Gewicht tragen. Bei einigen Sportarten ist das schlecht möglich. Bei starkem Wind oder unter Wasser können die Stabilisatoren zudem meist nicht eingesetzt werden. Gimbals gibt es aktuell ab etwa 70 Euro aufwärts.

Teure Modelle mit Vorteilen bei Einsatz in Schlamm und Wasser

Ein Surfer steht auf einem Surfbrett
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Grundsätzlich sind inzwischen auch günstigere Modelle vergleichsweise unempfindlich gegen Schläge und Stürze bei härteren Einsätzen. "Klar, manchmal bricht dann hier und da eine Akkuklappe ab. Aber das kann bei teuren Modellen auch passieren", sagt unser Experte. Teure Modelle hätten dagegen einen wichtigen Vorteil: Einige Modelle sind schon ab Werk wasserdicht und halten damit einen kurzen Einsatz in Schlamm und Wasser ab. Günstigere Modelle brauchen dafür eine Hülle. Die liegt bei vielen Geräten aber schon bei. Allerdings verschlechtert die Zusatzhülle meist die Bedienbarkeit etwas.

Top-Modelle etwas einfacher bedienbar

Inzwischen haben die gut nutzbaren Touchscreens auch in die Actioncam-Sparte Einzug gehalten. Zumindest werden teure Modelle damit ausgestattet. "Da sind dann auch meistens die Menüs sehr logisch aufgebaut. Zumindest bei den GoPro-Modellen kommt man eigentlich sehr gut klar. Die eine oder andere Sony ist da noch etwas eigenwilliger in der Bedienung", sagt Christoph de Leuw. Bei sehr günstigen Modellen dagegen müssten sich Nutzer oft etwas zeitaufwendiger durch Menüs hangeln, um die Kamera auf den Einsatz einzustellen. Sehr groß seien die Unterschiede bei der Bedienbarkeit zwischen den verschiedenen Preisklassen aber nicht.

Gleichstand bei Akkus

Eine Frau fotografiert mit einer Actioncamera.
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Die Akkus günstiger Actioncams halten im Vergleich manchmal etwas länger durch. Das liegt vor allem daran, dass viele teurere Modelle in 4K aufzeichnen. "Die 4K-Auflösung frisst Strom und dann hält ein Akku bei einer solchen Aufnahme oder wenn die Kamera auf 4K eingestellt ist auch weniger lange. Dann ist oft ein Akku schon nach einer Stunde leer", sagt unser Experte. Werde die Bildqualität auf Full HD herunterregelt, schaffe der Akku auch längere Aufnahmen. "Wenn man bei Full HD die Akkulaufzeiten von günstigen und teureren Modellen vergleicht, halten die Top-Modelle tendenziell etwas länger durch", sagt Christoph de Leuw.

Vorteile für günstigere Kameras beim Zubehör

Laut unserem Experten liegt den preisgünstigeren Actioncams im Vergleich oft mehr Zubehör bei. "Da ist dann schon zum Teil eine Fahrradhalterung dabei und bei der GoPro gibt’s nur ein oder zwei Klebepads". Viele Hersteller auch günstiger Kameras nutzten inzwischen die Mechanik, die auch der Hersteller GoPro für das Befestigen von Zubehör verwendet. Damit können auch Stative, Brustgurte, Helmhalterungen und anderes bei einem Kamerawechsel weiter genutzt werden.

Fazit    
Bei der Bildqualität sind die teuren Kameras sichtbar besser und liefern zudem ab Werk schon wackelfreie und flüssige Aufnahmen. Diese Geräte haben im Vergleich zudem leichte Vorteile bei Robustheit und Bedienbarkeit. Wer auf diese Punkte sehr großen Wert legt und die Kamera auch häufig unter extremeren Bedingungen nutzt, wird mit den Top-Kameras am ehesten glücklich. Die Preisklasse um 200 Euro bietet aus Sicht unseres Experten derzeit das beste Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Kameras sind gut und einfach bedienbar und gut ausgestattet. Für den gelegentlichen Einsatz reichten auch schon günstige Modelle für 100 Euro, die auch brauchbare Aufnahmen liefern. Nachteile wie die schlechten oder fehlenden Bildstabilisatoren können mit extra Zubehör ausgeglichen werden.    
     

Tipp: Auf schnelle Speicherkarte achten

Speicherkarte
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Wer sich zusätzlichen Speicher für die Actioncam kaufen will, sollte auf die Eigenschaften Speicher und Schnelligkeit achten. "Bei 4K-Aufnahmen fallen sehr hohe Datenmengen an - und dementsprechend schnell muss die Speicherkarte die Daten noch speichern können. Da sollte dann UHS1 und auch U3 auf der Karte stehen. Dann kann die mit 30 Megabit pro Sekunde schreiben und das ist schnell genug für 4K-Videos", sagt Christoph de Leuw.

Für Full HD-Aufnahmen reichen Speicherkarten mit der Aufschrift Class10. Langsamere Karten gibt es aktuell in der Regel nicht mehr zu kaufen. Unser Experte rät zudem, beim Speicherplatz der Karten nicht zu sparen. Die Karten im micro SD-Format seien gerade so groß wie ein Fingernagel. Das mache den Wechsel etwas fummelig und im Schlamm finde man eine verlorene Speicherkarte nur mit Glück wieder. Bei 4K-Kameras sei eine 64GB-Karte sinnvoll. Bei Modellen mit Full HD reiche auch eine Karte mit 16 Gigabyte-Speicher.

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Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 21. Mai 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Mai 2019, 00:10 Uhr