Reifendruck Luftdruck im Autoreifen lieber häufiger prüfen

Laut ADAC sterben in Deutschland pro Jahr 27 Menschen wegen technischer Mängel an den Reifen. Mehr als 1.700 werden verletzt. "Bereits bei einem halben Bar zu wenig ändern sich die Fahreigenschaften des Autos. Es liegt schlechter in den Kurven, der Bremsweg kann länger werden und bei höheren Geschwindigkeiten besteht die Gefahr, dass die Reifen platzen", sagt Johannes Boos vom ADAC. Auch der Verbrauch steigt spürbar: Ein halbes Bar (0,5 bar) zu wenig Reifendruck treibt den Spritverbrauch um 0,3 Liter auf 100 Kilometern nach oben. Bei zu viel Luft in den Reifen wiederum wird der Fahrkomfort des Autos schlechter und die Reifen werden ungleich abgefahren. "Die Hersteller geben aus Komfortgründen immer den Mindestdruck an. 0,2 bar mehr an Reifendruck sind aber meist okay. Das senkt den Verbrauch, beim Komfort spürt man da kaum was", sagt Johannes Boos.

Am besten mit dem eigenen Reifenprüfer checken

Johannes Boos vom ADAC
Johannes Boos vom ADAC Bildrechte: ADAC

In der Bedienungsanleitung, im Tankdeckel, an der B-Säule der Fahrertür: Dort stehen in der Regel die Werte für den richtigen Reifendruck. Die sind für Sommer- und Winterreifen leicht verschieden und auch abhängig von der Beladung. Manchmal kann der Autohersteller auch für höhere Geschwindigkeiten einen anderen Wert empfehlen. "In der Regel sollte man aller zwei Wochen checken, ob dem Reifen nicht die Luft ausgeht oder zu viel drin ist. Aller vier Wochen reicht auch noch", empfiehlt Johannes Boos. Den Reifendruck sollte man vor der Fahrt, also mit "kalten" Reifen überprüfen.

Mann prüft mit einem Luftdruckmesser den Druck auf einen Reifen
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"Dafür ist der einfache Prüfer aus dem Baumarkt zu empfehlen. Damit kann man nicht viel falsch machen und kann auch die Werte vergleichen, weil man ja immer den gleichen Prüfer nutzt", sagt Johannes Boos. Moderne Messgeräte an den Tankstellen würden auch zuverlässig funktionieren. "Die sind aber teilweise recht komplex in der Bedienung. Sie rechnen dann zum Beispiel auch die Temperatur des Reifens mit ein. Da muss man wirklich genau hingucken, wie man die Geräte richtig bedient und das ist so ein bisschen die Krux", sagt unser Experte. Die seit 2014 für Neuwagen vorgeschriebenen Reifendruckkontrollsysteme mit Sensoren könnten den regelmäßigen Check nicht ersetzen. Die warnen vor einem Druckverlust während der Fahrt. Sie zeigen aber nicht an, ob der Reifendruck den Herstellerempfehlungen entspricht.

Extra Reifengas ist unnötig

Autowerkstätten und Reifenhändler werben für eine Füllung der Pneus mit Stickstoff oder auch "Reifengas". Die kostet für vier Räder ab zehn Euro aufwärts. Die spezielle Reifenfüllung soll dann dafür sorgen, dass die Reifen weniger Luft verlieren und damit Verschleiß und Spritverbrauch senken. "Das lohnt sich nicht, wenn man die Reifen regelmäßig prüft. Ein intakter Reifen verliert auch kaum Luft. Als Anhaltswert gelten 0,1 bar Druckverlust über drei Monate", sagt Johannes Boos.

Extra Grip im Winter

Profiltiefen-Messer für Autoreifen
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In vielen Internetforen wird immer wieder darauf hingewiesen: Wer im Winter etwas Luft aus den Reifen lässt, ist auf Schnee sicherer unterwegs. So werde die Auflagefläche vergrößert und die Traktion verbessert. "Das kann durchaus helfen. Aber man sollte höchstens 0,1 bis 0,2 bar ablassen. Alles andere geht auf Kosten der Sicherheit", rät Johannes Boos. Sinnvoll sei das Luftablassen aber wirklich nur bei viel Schnee auf der Fahrbahn. Auch dann gilt: Die Reifen sollten ausreichend Profil haben. Der ADAC empfiehlt für den Winter mindestens vier Millimeter.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 16. Januar 2020 | 10:45 Uhr