Umschau-Quicktipp | 07.05.2019 Was taugen Premiumkraftstoffe?

Fürs Auto ist vielen Deutschen das Beste gerade gut genug. Das wissen auch die Mineralölkonzerne und bieten neben den normalen auch sogenannte Premium-Kraftstoffe an. Die kosten pro Liter gut 20 Cent mehr und sollen wahre Wunder im Motor bewirken. Ob dieses "Beste" aber wirklich gut ist, haben wir mit Autopapst Andreas Keßler geklärt.

Was bei Kraftstoffen wichtig ist

Autoexperte Andreas Keßler
Autoexperte Andreas Keßler Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ob Diesel oder Benzin: jeder Automotor arbeitet optimal, wenn der Kraftstoff zum richtigen Zeitpunkt mit der richtigen Temperatur verbrannt wird. Damit das so ist, wird beim Benzin auf eine bestimmte Oktanzahl geachtet. Je höher die ist, desto kontrollierter erfolgt die Zündung und desto unwahrscheinlicher ist es, dass das Benzin vorzeitig zündet und der Motor klopft. Deshalb wird die Oktanzahl auch gern Klopfzahl genannt. Normale Benzinmotoren laufen hervorragend mit Superbenzin mit 95 Oktan. Das reicht für jedes normale Auto. 98 Oktan gehen auch – nötig sind sie aber nicht.

Beim selbstzündenden Dieselmotor ist die sogenannte Cetanzahl wichtig. Auch hier gilt: Je höher sie ist, desto leichter zündet der Diesel. Im Normalfall bekommen Sie an der Tankstelle Diesel mit einer Cetanzahl von 51 bis 54. Das reicht auch für alle gängigen Diesel-Automotoren aus. Das heißt, alle normalen Kraftstoffe, die Sie bei uns an der Tankstelle bekommen, sind für normale Autos ideal. "Prinzipiell sind alle Kraftstoffe genormt. Das heißt, qualitativ sind die alle gleich. Und das müssen sie auch sein, weil die Ingenieure, welche Motoren entwerfen, sich an diese Normen halten. Der Sprit muss zum Motor passen, sonst geht da ganz schnell etwas kaputt", erklärt der Autoexperte.

Besonderheit Premiumkraftstoffe

Tankstelle bei Nacht
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Unter Bezeichnungen wie zum Beispiel Aral Ultimate Diesel, Total Excellium Diesel, Shell V-Power Racing oder auch BP Ultimate Super vertreiben Mineralölhändler Kraftstoffe mit höheren Oktan- beziehungsweise Cetanzahlen. Beim Benzin geht es bis zu 102 Oktan rauf, beim Diesel bis zu 60 Cetan. "Die Hersteller setzen dann dort auch noch unterschiedliche Additive zu. Das merken Sie als normaler Fahrer aber nicht", sagt Andreas Keßler.

Was Hersteller versprechen

Diese Additive sind Zusätze, die die Eigenschaften des Kraftstoffs verbessern sollen. Die Hersteller versprechen beim Tanken der Premiumkraftstoffe deshalb nachhaltige Wirkungen auf den Motor: Eine bessere Schmierung, weniger Reibung, mehr Leistung, weniger Absetzen von Ruß und Schmutzpartikeln. Durch höhere Oktanzahlen soll desweiteren die Klopffestigkeit der Motoren verbessert und somit eine höhere Lebensdauer erzielt werden. Außerdem soll ein schon verschmutzter Motor mit ein bis zwei Tankfüllungen des Premiumkraftstoffes wieder sauber werden. Das zumindest behaupten einige Hersteller. Reichen diese Gründe, um 20 Cent pro Liter oder bis zu 10 Euro pro Tankfüllung mehr zu zahlen?  

Was Premiumkraftstoffe wirklich können

Zapfpistole steckt im Tankstutzen eines Autos
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Ein letzter aufwendiger Test der Premiumkraftstoffe wurde vom ADAC durchgeführt und liegt über zehn Jahre zurück. Damals wurde festgestellt: Die Premiumkraftstoffe können tatsächlich die Leistung steigern und zu einer besseren Verbrennung führen. Allerdings liegen die Steigerungen gegenüber den normalen Kraftstoffen im niedrigen einstelligen Bereich. Sie sind so gering, dass es sich dabei auch um Messtoleranzen handeln könnte. Die Aussage damals: Normalen Autofahrern bringen die Premiumkraftstoffe nichts.

Beim Benzinmotor

Das liegt unter anderem daran, dass ein normaler Motor mit dem teuren Sprit nichts anfangen kann, wie der Experte erklärt: "Beim Benzin bringen Ihnen die Premium-Varianten im normalen Auto gar nichts. Da reicht ein Sprit mit 95 Oktan vollkommen aus. Alles was drüber ist, verpufft. Nur bei Super-Sportwagen können sich die zusätzlichen Oktan wirklich auf die Leistung auswirken."

Beim Dieselmotor

Auch beim Diesel haben Sie nichts vom teuren Kraftstoff, es sei denn, Sie wohnen in einer extrem kalten Gegend, wie Andreas Keßler weiß: "Premium-Diesel bringt normalen Motoren auch keine spürbare Leistungssteigerung. Allerdings sorgen hier die Additive dafür, dass der Diesel auch bei Minus 30 Grad noch fließfähig ist. Deshalb wird er auch als 'Polardiesel' bezeichnet. Normaler Diesel bekommt bei solchen Temperaturen Probleme."

Bei Ausnahmemotoren

Bei Supersportlern mit extrem hochgezüchteten Motoren kann Benzin mit hohen Oktanzahlen die Leistung deutlicher beeinflussen. Der Motor und besonders die Motorsteuerung muss mit dem Kraftstoff aber auch etwas anfangen können.  

Warum der Motor nicht gereinigt wird

Tanköffnung mit offenem Deckel
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Das Versprechen, dass mit ein oder zwei Tankfüllungen Premium-Kraftstoff auch ein verdreckter Motor wieder sauber wird, hält unser Experte für überzogen: "Zum Reinigen des Motors oder zum Abbau von Schlacken und ähnlichen Dingen sind diese Kraftstoffe überhaupt nicht geeignet. Dazu bräuchten Sie eine höhere Verbrennungstemperatur und müssten die Schlacken lösen. Das gehört also in den Bereich der Märchen. Da könnten Sie eher E10 tanken, dort ist Ethyl-Alkohol drin und das könnte unter Umständen in geringen Maßen für eine Säuberung sorgen. Aber da müssen Sie sicher sein, dass Ihr Motor das auch verträgt."

Welchen Kraftstoff Sie tanken sollten

Fahren Sie ein normales Auto, können Sie an heimischen Tankstellen jedes Benzin mit 95 oder 98 Oktan tanken. Premium-Sprit geht auch, bringt Ihnen aber nichts. In Ihrer Betriebserlaubnis oder/und auf der Innenseite des Tankdeckels finden Sie auch Angaben, welcher Kraftstoff getankt werden darf. Dieselfahrzeuge können ganz normalen Diesel tanken. Wird es kalt, bieten alle Händler in Deutschland zum Normalpreis wintertauglichen Diesel an. Bei Temperaturen bis zu minus 25 Grad Celsius sollten Sie damit keine Probleme bekommen. Erst darunter könnte der spezielle Premium-Winter-Diesel besser sein. Es gibt auch Additive, die Sie Ihrem Kraftstoff selber beimischen können. Andreas Keßler gibt dabei zu bedenken: "Es kann passieren, dass Sie bei einem Motorschaden Ihre Garantie verlieren, weil die Hersteller mitbekommen, dass Sie eben nicht nur normalen, also genormten Kraftstoff für den Betrieb Ihres Motors verwendet haben." Additive sollten Sie also nur dann beimischen, wenn Sie sich wirklich gut mit der Materie auskennen.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 07. Mai 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Mai 2019, 00:10 Uhr