Umschau-Quicktipp Probe-Abos im Netz: Das müssen Sie wissen

Teure Fallen

Immer wieder werden Verbraucher unabsichtlich Kunden eines Unternehmens, wenn aus Probe-Abos ein richtiges Abonnement wird. Nicht immer sind daran die Kunden selbst schuld, weil sie etwa nicht zeitig genug oder gar nicht kündigen.

ILLUSTRATION - Ein junger Mann lässt sich eine Seite von Videostreaming von einem Laptop auf einem Fernsehbildschirm zeigen.
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Bei Verbraucherzentralen landen aktuell Beschwerden über unseriöse Praktiken etwa bei Test-Abos von Streamingdiensten. "Angeboten wird eine fünftägige Testphase und Nutzer müssen sich dafür auf einem Portal registrieren. Dann können sie allerdings oft die Angebote gar nicht mal in Anspruch nehmen, bekommen aber eine fragwürdige Rechnung per Mail über 359 Euro zugesendet", sagt Stefanie Siegert von der Verbraucherzentrale Sachsen. Auch vermeintliche Zeitschriften-Probe-Abos sorgten immer wieder für Ärger. "Da werden Verbraucher gefragt, ob sie eine kostenlose Zeitschriften zugeschickt haben wollen und wenn die das mit einem eindeutigen Ja beantworten, dann sollen sie auf einmal gleich ein Abo mit einer langen Laufzeit abgeschlossen haben", sagt die Verbraucherschützerin. Beschwerden über Probe-Abos bei Singlebörsen gebe es auch immer wieder. "Da soll man eine Probemitgliedschaft für ein Premium-Abo für einen Euro abschließen und wenn man das Kleingedruckte nicht liest, verlängern sich diese Mitgliedschaften und werden mit bis zu sechzig Euro im Monat recht teuer", sagt Stefanie Siegert.

Sonderfall: Versteckte Abos

Auch wer auf dem Smartphone Werbebanner anklickt, kann sich schon ein teures Abo einhandeln. Beim so genannten "Clickjacking" verstecken unseriöse Anbieter vereinfacht gesagt einen "Kaufen"-Knopf hinter einem Werbebanner. Weil sich das Handy beim mobilen Surfen beim Betreiber der Internetseite anmeldet, können unseriöse Anbieter dann auch die Handynummer erfahren und ihre Kosten beim Netzbetreiber einfordern. Dabei dürften sie das gar nicht: Nach geltendem Recht müssen Handynutzer deutlich darauf hingewiesen werden, dass sie etwas Kostenpflichtiges buchen. Trotzdem wird offenbar immer wieder versucht, Handynutzern mit der Masche Geld aus der Tasche zu ziehen. Das sollten diese schnell stoppen. Gegen solche Abzock-Versuche hilft generell eine Drittanbieter-Sperre. Die kann man mit einem Anruf beim Mobilfunkanbieter beantragen. "Zusätzlich sollte ich natürlich auch schnell das Abo stoppen. Das geht, denn die Anbieter sind verpflichtet, eine Telefonnummer oder eine E-Mail-Adresse zu hinterlegen, damit ich im Kontakt zu dem Drittanbieter aufnehmen kann", sagt die Verbraucherschützerin. Hier sei schnelles Handeln wichtig, um weiteren Schaden zu vermeiden: Einmal mit der Telefonrechnung bezahltes Geld könnten Handykunden nur schwer zurückholen. "Da argumentieren die Handyanbieter oft, dass sie nur eine Art Inkasso vornehmen und schon bei diesem Drittanbieter in Vorleistung gegangen sind", sagt Stefanie Siegert.

Ganz auf Nummer sicher gehen

Die Verbraucherschützerin rät, auch bei Probe-Abos ganz genau hinzuschauen und schon bei kleinsten Hinweisen auf einen unseriösen Anbieter lieber ganz zu verzichten. "Wenn das kein großer, bekannter Anbieter ist, dann würde ich erstmal schauen, was es zu dem an Bewertungen gibt und ob sich in Foren schon Verbraucher etwa über die Probe-Abos beschweren", sagt die Expertin. Die Kündigungsbedingungen für das Test-Abonnement sollten deutlich sichtbar auf der Internetseite dargestellt sein. Wer hier etwas versteckt, ist auch nicht vertrauenswürdig. "Auch bei einem Probe-Abo bitte ins Kleingedruckte schauen: Was steht da zum Widerrufsrecht, zu Kündigungsfristen", sagt Stefanie Siegert. Sie rät zudem, den Abschluss des Probe-Abos mit Screenshots am Computer oder am Smartphone zu dokumentieren. Das helfe, wenn später bei Ärger Aussage gegen Aussage steht.

Sofort kündigen

Ein Smartphone mit geöffneter Kalender-App lehnt an einem Stapel Karten, auf dem eine Brille liegt.
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Nur bei seriösen Anbietern Probe-Abos nutzen und immer gleich die Kündigung mit hinterher schicken: Mit dieser Variante wird aus einem Testlauf kein Vertrag. "Es gibt ja keine Frist, wann genau ich ein Probe-Abo kündigen muss. Die Kündigung kann ich ja gleich auch direkt machen", sagt Stefanie Siegert. Alternativ können Kunden im Handy-Kalender eine Erinnerung eintragen, dass ihr Probe-Abo bis zu einem bestimmten Termin gekündigt werden muss. Die Kündigung sollte man sich sicherheitshalber immer bestätigen lassen oder das Ganze gleich selbst schriftlich mit Einschreiben machen. Das klingt zwar bei einem online abgeschlossenen Probe-Abo etwas übertrieben, bietet aber maximale Sicherheit.

Raus aus dem Abo trotz Vergesslichkeit

Selbst wer die Kündigung im Probezeitraum vergisst, kommt manchmal noch aus dem "richtigen" Abonnement raus. Dafür gibt es zwei Wege. "In der Regel habe ich ja bei digitalen Inhalten ein 14tägiges Widerrufsrecht, und das kann ich dann noch nutzen", sagt Stefanie Siegert. Dafür sollten Verbraucher aber im Kleingedruckten des Vertrags nachlesen: Bei manchen Probeabos stimmen Verbraucher zu, dass ihr Widerrufsrecht erlischt, weil mit der Vertragserfüllung gleich begonnen wird. Das ist rechtlich erlaubt. Wer darüber also nicht mehr aus dem Abo kommt, hat eine zweite Möglichkeit: "Da sollte ich schauen: Ist mein Vertrag wirksam zustande gekommen? Also gab es da einen Button, wo ich auf 'kostenpflichtig bestellen' drücken musste", sagt die Verbraucherschützerin. Wer sich dagegen einfach nur bei dem Anbieter registriert hat, habe auch keinen Vertrag abgeschlossen. "Da würde ich auf jeden Fall in Widerspruch gehen, wenn ich dort eine Rechnung bekomme", sagt Stefanie Siegert. Hier sei der Anbieter in der Pflicht: Der muss nachweisen, dass wirklich ein Vertrag zustande gekommen ist.

Nicht mehr ganz so teuer

Verbraucherschützer und Verbraucherschutzministerin Christine Lambrecht wollen Kunden vor teurem Ärger etwa bei Probe-Abos schützen. So sollen Verträge, die zum Beispiel auch durch eine vergessene Kündigung zustande kommen, nur noch maximal 12 Monate gültig sein. Wer in diesem Zeitraum die Kündigung verpasst, darf nur weitere drei Monate gebunden werden. Darüber soll im Herbst zunächst im Kabinett abgestimmt werden. Ein tatsächliches Verbot von Abos dagegen, die nach einer kurzen Probezeit zu teuren und langen Verträgen werden, wird wohl nicht kommen. "Die Variante: kostenlose Probezeit und nach deren Ende kommt kein Vertrag – die wäre natürlich wünschenswert", sagt Stefanie Siegert. In der Praxis sei so etwas aber nur schwer durchsetzbar.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 10. September 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. September 2019, 00:10 Uhr