Umschau-Quicktipp Unseriöse Produkttests im Internet

Wer über die Anschaffung eines neuen Fernsehers oder einer Waschmaschine nachdenkt, macht sich heutzutage zuerst im Internet über verschiedene Modelle schlau, vergleicht Preise und liest Testberichte. Und genau an diesem Punkt wird es problematisch, denn immer mehr Webseiten werben mit Tests, die nie stattgefunden gemacht haben und nur dazu dienen, Käufer anzulocken. Manche Tests im Internet sind täuschend echt, andere lassen sich leicht als falsch entlarven. Um unseriöse Testseiten erkennen zu können, muss man wissen, wie sie funktionieren und was dahintersteckt.

Wie Fake-Test-Portale im Netz Kasse machen

Als Fake (englisch für Fälschung, Schwindel) entpuppen sich viele Testseiten im Internet. Sie haben vorgeblich einen beratenden Charakter, wollen aber in Wahrheit nur eines: Geld verdienen. Auf diesen Seiten finden sich neben den angeblich getesteten Produkten die mit Links unterlegten Logos von großen Onlinehändlern. Wenn der Besucher des Fake-Test-Portals dann darauf klickt und das Produkt über den Onlinehändler kauft, erhält der Betreiber des Testportals eine Provision. Er agiert also ähnlich wie ein Makler. Hinter diesem Geschäftsmodell steckt ein System, das Affiliate-Marketing (englisch für verbundene Vermarktung). Zwei Unternehmer, hier das vermeintliche Testportal und der Onlinehändler, schließen einen Vertrag, indem für die Weiterleitung von Kunden Provisionen vereinbart werden. Für die Onlinehändler, unter denen sich viele große Ketten und namhafte Marken aller Warenbereiche, aber auch Auktionshäuser befinden, scheint dabei nicht relevant zu sein, wie seriös die weiterleitenden Portale sind.

Die Fake-Test-Portale verdienen mit dem Affiliate-Marketing viel, denn die Händler zahlen bis zu 15 Prozent des Nettowertes eines gekauften Produktes als Provision. Und es gibt sogar Provision, wenn der weitergeleitete Kunde nicht das ursprünglich auf dem Portal bewertete Produkt, sondern ein anderes kauft, denn über den Code eines Links ist nachvollziehbar, von welcher Webseite der Kunde ursprünglich kam.

Testsuche im Internet

Wer Produkttests im Internet sucht, findet ganz oben in der Regel beworbene Links zu fragwürdigen Portalen. Die seriösen Tests professioneller Anbieter landen manchmal auch erst auf Seite zwei der Suchergebnisse. Das liegt daran, dass die Betreiber von Fake-Test-Portalen ihre Websites so fachmännisch optimieren, dass zum Beispiel die Algorithmen von Google sie in den Suchergebnissen nach oben setzen. Und da man ein Fake-Test-Portal inzwischen mit wenigen, auch im Netz zu findenden Bausteinen, leicht erstellen kann, finden sich immer mehr davon.

Gefälschte Testergebnisse

Logo "Stiftung Warentest"
Bildrechte: dpa

Oft werden auf vermeintlichen Testportalen auch die Logos von Deutschlands angesehensten Testern, der Stiftung Warentest und Ökotest, verwendet. Produkte werden dann mit deren Logos und hohen Noten bewertet. Die dafür notwendigen Tests haben aber in Wahrheit so nie stattgefunden. Rein rechtlich bewegen sich deshalb solche vermeintlichen Testportale am Rande der Illegalität. Oft gestaltet sich die Haftbarmachung allerdings schwierig, da die Portale kein Impressum haben oder auch dort die Angaben falsch sind. Wird ein Portal auch öffentlich stark kritisiert, lässt es sich einfach schließen und unter anderem Namen wieder ins Netz stellen.

Gefährlichkeit falscher Tests

Werden Tests nicht nach wissenschaftlichen Kriterien durchgeführt, sondern die Produkte in der Bewertungsliste einfach nur aus monetären Gründen nach oben gestellt, kann das für den Verbraucher sogar gefährlich sein. So können zum Beispiel vermutlich krebserregende Stoffe in Produkten für Kinder bei unseriösen Tests "durchrutschen" und der Verbraucher kauft ein vermeintlich für Kinder geeignetes und ungefährliches Produkt.

Vergleichsportale

Neben Fake-Test-Portalen gibt es im Netz auch immer mehr Webseiten mit Links zu Onlinehändlern, die ihre Produktauswertungen nicht "Test", sondern "Vergleich" nennen. Hier werden Produkte von Redakteuren ausprobiert und rein subjektiv bewertet, oder man wertet Kundenrezensionen aus Verkaufsportalen und andere Informationen zu Produkten einer Kategorie aus und erstellt dann Bestenlisten, ohne die Produkte selbst ausprobiert zu haben. Informationen wer das Produkt bezahlt hat beziehungsweise nach welchen Kriterien die Bewertung erfolgt und an wen die Einnahmen aus den Affiliate-Links fließen, fehlen auf diesen Seiten meist.

Seriöse Tests erkennen

Die Grenzen zwischen seriösen und unseriösen Inhalten sind im Internet oft fließend. Schaut man sich Produkttest-Seiten jedoch etwas genauer an, lässt sich anhand einiger Punkte schnell feststellen, ob und wie seriös für die Ergebnisse getestet wurde.

Fehlende Testbeschreibung
Werden Tests wissenschaftlich durchgeführt, ist es auch kein Problem, sämtliche Testkriterien und deren Gewichtung für das Gesamtergebnis zu veröffentlichen. Seriöse Anbieter tun das. Außerdem legen sie auch offen, dass sie die Produkte selbst gekauft haben und nicht zum Test zur Verfügung gestellt bekamen.

Fotos
Sind Produktfotos auf Testseiten identisch mit denen aus der Werbung oder von den Herstellern der Produkte, sollte man stutzig werden. Ob das der Fall ist, lässt sich mit einer Fotosuche im Netz leicht prüfen. Echte Tests sind mit Fotos von Produkten in Testsituationen illustriert.

Schild: Unser Tipp
Bildrechte: imago/Panthermedia

Testergebnisse
Bei Fake-Test-Seiten gibt es in der Regel keine Produkte, die schlecht abschneiden, denn dann würde ja niemand mehr die Affiliate-Links anklicken und es würde keine Einnahmen für den Webseiten-Betreiber generiert. Auch dubiose Anbieter verwenden den Begriff "Testsieger", obwohl das rein rechtlich nur darf, wer auch nachvollziehbar getestet hat. Fake-Test-Portale agieren deshalb meist mit Umschreibungen für die Sieger ihrer vermeintlichen Tests. Links zu Onlinehändlern findet man auf seriösen Portalen nicht.

Impressum
Ein Impressum ist in Deutschland auf Webseiten Pflicht. Das schafft unter anderem die Möglichkeit, weitere Informationen über den Anbieter einer Seite einzuholen. Fehlt ein Impressum oder hat der Anbieter einer deutschsprachigen Seite seinen Sitz im Ausland, sollte man mindestens hellhörig werden. Auch eine Datenschutzerklärung sucht man auf dubiosen Testportalen meist vergeblich.

Fazit

Professionelle Tests werden nach offengelegten und nachvollziehbaren Kriterien und mit wissenschaftlichen Methoden durchgeführt. Deshalb sind sie teuer und meist nicht kostenlos abrufbar, ihre Ergebnisse aber verlässlich und belastbar. Vor einer Kaufentscheidung lohnt es sich, verschiedene Tests zu vergleichen. Dabei sollte man immer darauf achten, dass diese Tests sowohl seriös als auch aktuell sind.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 29. Oktober 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Oktober 2019, 00:10 Uhr