Ein Smartphone, auf dem zahlreiche Fotos zu sehen sind, wird vor das Logo des Apple-Dienstes iCloud gehalten.
In der iCloud können u.a. Bilder, Videos und Dokumente gespeichert und von jedem Apple-Gerät aus abgerufen werden. Bildrechte: dpa

Urteil Apple muss Erben Zugang zu iCloud gewähren

Ein Smartphone, auf dem zahlreiche Fotos zu sehen sind, wird vor das Logo des Apple-Dienstes iCloud gehalten.
In der iCloud können u.a. Bilder, Videos und Dokumente gespeichert und von jedem Apple-Gerät aus abgerufen werden. Bildrechte: dpa

Der Technologieriese Apple muss den Erben eines gestorbenen Familienvaters Zugang zu dessen iCloud-Service gewähren. Das hat das Landgericht Münster entschieden. In der iCloud können Fotos, E-Mails und andere Dokumente gespeichert werden.

Erben hoffen auf Hinweise zu Todesursache

Nach Angaben der Rechtsanwaltskanzlei, die die Erben vor Gericht vertrat, starb der Familienvater während einer Reise im Ausland. Die Erben erhoffen sich von den in der iCloud gespeicherten Daten Erkenntnisse über die Gründe, die zum Tod des Mannes geführt haben. Apple hatte den Wunsch der Angehörigen, Zugang zu den Daten zu erhalten, aber außergerichtlich abgelehnt. Daraufhin klagte die Familie.

Apple inkonsequent bei Freigabe

Rechtsexperten zufolge hatte Apple zuvor in ähnlichen Fällen Erben den Zugang zu iCloud-Daten ermöglicht - entweder nur gegen Vorlage des Erbscheins oder nach Gerichtsbeschlüssen. Zum Fall des Familienvaters aus Münster wollte sich der Konzern nicht äußern.

Grundsatzurteil des BGH 2018

Im vergangenen Juli hatte der Bundesgerichtshof (BGH) grundsätzlich entschieden, dass auch persönliche Inhalte im Netz grundsätzlich an die Erben fallen. Es gebe keinen Grund, digitale Inhalte anders zu behandeln als Briefe oder Tagebücher (Az. III ZR 183/17).

In dem Fall ging es um das Facebook-Konto einer 15-Jährigen, die Ende 2012 in Berlin vor eine U-Bahn gestürzt war. Die Eltern wollten mit Hilfe der Facebook-Daten klären, ob ihre Tochter Selbstmord begangen hat oder verunglückt ist.

Mit dem Urteil des Landgerichts Münster wird die BGH-Entscheidung auch auf andere Onlinedienste übertragen.

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Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 24. April 2019 | 10:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. April 2019, 10:29 Uhr

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1 Kommentar

24.04.2019 13:02 BSTU 1

Da hat es aber der NSA und andere Geheimdienste leichter,
um an den Inhalt der iCloud zu kommen.