Bundesweiter Warntag Hochkonjunktur für WarnApp

Ob Hochwasser, Bombenfund oder Amoklauf – wenn eine akute Gefahr droht, muss schnell gewarnt werden. Früher heulten Sirenen auf den Dächern – heute gibt es auch die Sirene für unterwegs – als WarnApp. Doch was kann sie?

Warn App NINA
NINA ist eine offizielle App des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Bildrechte: imago images / Marius Schwarz

Nach dem Ende des Kalten Krieges 1990 wurden Sirenen an vielen Orten in Deutschland abgebaut. Doch mit den Terroranschlägen 2001 und dem Elbehochwasser 2002 setzte ein Umdenken ein. Es wurde deutlich, wie wichtig ein bundesweites Warnsystem ist, das so viele Menschen wie möglich alarmieren und im Ernstfall sogar wecken kann - auf allen Wegen von Sirenen auf dem Dach bis hin zum Smartphone in der Hosentasche.

Die Warnapp NINA

NINA steht für die Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes. Die Anwendung warnt vor verschiedenen aktuten Gefahren: Vor Bränden und Stromausfällen aber auch vor Naturgefahren, wie Überschwemmungen, Stürmen oder Erdbeben. Das Spektrum der Warnungen reicht bis zum Austreten radioaktiver Strahlung, Bombenfunden oder gar einem Raketeneinschlag.

Starker Anstieg der Nutzerzahlen durch Coronakrise

Das Interesse an Warn-Apps steigt momentan deutlich. Rund acht Millionen Menschen nutzen die App NINA inzwischen. Fast zwei Millionen mehr als noch vor Beginn der Coronakrise im März. Deshalb wurde das Warnsystem schneller als geplant technisch optimiert. Das Ziel: "Noch mehr Menschen gleichzeitig und unmittelbar zu warnen und durch den neuen Corona-Bereich jeden über das Smartphone zu informieren", verspricht der Präsident des BBK, Christoph Unger. Mit der neuesten verfügbaren Version könnten theoretisch bis zu 40 Millionen Menschengleichzeitig über ihr Smartphone gewarnt werden.

Achtung: Die App NINA ist nicht zu verwechseln mit der "Corona-Warn-App" der Bundesregierung, die Nutzer über Kontakte zu Corona-Infizierten informieren soll.

Aus welchen Quellen stammen die Warn-Meldungen?

Als offizielle App des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) versorgt NINA ihre Nutzer mit Infos aus behördlichen Quellen. Das heißt, sie streut keine Social-Media-Gerüchte sondern fußt auf Infos aus erster Hand.

Ein weiterer Vorteil: Die WarnApp bündelt Informationen verschiedener Warnketten. So erhält der Nutzer Wetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) und Hochwasserinformationen direkt aus dem gemeinsamen Portal der Bundesländer. Hinzu kommen behördliche Warnmeldungen über das Modulare Warn-System des Bundes MoWaS. Dieses System ist in 350 Orten in Deutschland verfügbar. Es ermöglicht Einsatzleitern in den regionalen Leitstellen, eingehende Gefahrenmeldungen über das System NINA zu verteilen.

Gut zu wissen NINA führt auch Meldungen aus anderen Warn-Systemen zusammen, wie KATWARN, das vom Fraunhofer-Institut  entwickelt wurde, und der Bürgerinfo- und WarnApp BIWAPP. 

Grafik  zu den Quellen der Warn-App NINA
Welche Quellen bei NINA zusammenlaufen, zeigt diese Grafik. Bildrechte: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe

Welche Informationen liefert die WarnApp?

NINA weist akustisch und visuell auf akute Gefahrensituationen hin. Das ist ihre wichtigste Funktion. Doch die Warn-App soll nicht nur vor akuten Gefahren warnen, sondern auch wichtige Ratschläge und konkrete Handlungsempfehlungen für den jeweiligen Notfall geben. Sie funktioniert wie ein Nachschlagewerk, das nach besonderen Gefahrensituationen geordnet ist – z.B. Stromausfall, Feuer oder Unwetter. Wie verhält man sich in so einer Notlage? Und welche Vorkehrungen kann man im Vorfeld treffen? Auch Checklisten für Notvorräte sind direkt in der App abrufbar.

Tipps zum Einrichten der WarnApp

NINA funktioniert mit den Betriebssystemen Android und  iOS. Sie kann auf Smartphones oder Tabletts genutzt werden und ist kostenfrei erhältlich über den iTunes App Store oder den Google Playstore.

Wer Warnmeldungen aus bestimmten Regionen erhalten möchte, kann die Namen mehrerer Standorte auswählen und festlegen. Die Anzahl dieser Orte ist unbegrenzt. Alternativ kann über eine Kartenansicht in einzelne Bereiche hineingezoomt werden. Wer möchte, kann unter "Einstellungen" auch Push-Benachrichtigungen für seinen aktuellen Standort aktivieren. Dabei wählt man aus, vor welchen Bedrohungen man gewarnt werden möchte, z.B. Hochwasser, Unwetter oder Bevölkerungsschutzwarnungen. Der Nutzer kann auch festlegen, ab welcher Warnstufe er informiert werden soll und welche Warntöne er bevorzugt.

Als Reaktion auf Wünsche der App-Nutzer wurde die Regionalisierung der App weiter spezifiziert, so dass in der neusten Version nicht nur Infos auf Kreisebene zu finden sind sondern die Auswahl sogar auf einzelne Gemeinden begrenzt werden kann.

Hilfe-Telefon für Nutzerfragen

Wer Probleme beim Einrichten der WarnApp hat, kann sich an den NINA Help Desk wenden. Dort helfen Mitarbeiter des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) weiter, wenn z.B. Karten abstürzen oder Push-Benachrichtigungen nicht funktionieren. Die Mitarbeiter sind zu folgenden Zeiten erreichbar: Montag bis Donnerstag  8-16.30 Uhr und Freitag 8-15.00 Uhr.

Was passiert mit meinen Daten?

Laut Bundesinnenministerium erhebt die WarnApp NINA keine personenbezogenen Daten. Sie wertet auch den Standort ihrer Nutzerinnen und Nutzer nicht aus. Falls User Warnmeldungen für ihren aktuellen Aufenthaltsort aktivieren, "werden keine Standortdaten an das BBK übermittelt, sondern das Smartphone ermittelt, wo sie sich aufhalten und aktiviert dann die Daten für Ihren jeweiligen Aufenthaltsort", erklärt Hendrik Roggendorf, Referatsleiter im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK).

App ist nicht zwingend nötig Wer nicht über ein Smartphone oder Tablet verfügt oder sich die App nicht herunterladen möchte, kann sich auch auf der Website des Bundes über die aktuelle Gefahrenlage informieren.

Kritik an Fehlalarm

In den vergangenen Jahren wurde über Fehlalarme von WarnApps berichtet. So sollen Nutzer in München versehentlich geweckt worden sein, als in Düsseldorf eine Bombe entschärft wurde. Die Warnung vor dem Amoklauf 2016 in einem Einkaufszentrum in München sei hingegen erst verspätet per App gemeldet worden, weil Server überlastet gewesen seien. Wie stabil die Systeme aktuell laufen, kann am bundesweiten Warntag getestet werden.

Bundesweiter Warntag als Härtefall-Test

Am 10.9.2020 wird zum ersten Mal seit der Wiedervereinigung ein Probealarm über alle Multiplikatoren verbreitet - von altbekannten Sirenen über TV- und Radiosender bis hin zur Warnung per App. Bundesweit wird 11 Uhr die Alarmtechnik getestet. Für die neueste Version der Warn-App NINA bedeutet das in erster Linie einen Stabilitätstest. "Am Warntag gehen wir bewusst an die Belastungsgrenzen der Warnungssysteme", kündigte BBK-Präsident Christoph Unger an. Künftig soll der Warntag regelmäßig stattfinden: Jedes Jahr am zweiten Donnerstag im September.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 08. September 2020 | 20:15 Uhr