Rettungsschwimmer der DLRG an der Blauen Lagune am Berzdorfer See in Sachsen
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Erste Hilfe Badeunfälle: So helfen Sie richtig

Immer wieder ertrinken Menschen in Badeseen und Freibädern. Selbst geübte Schwimmer sind davor nicht gefeit. Auslöser können Erschöpfung oder auch Krämpfe sein. Doch was tun, wenn plötzlich jemand in Not gerät? Und wie geht die Hilfe an Land weiter?

Rettungsschwimmer der DLRG an der Blauen Lagune am Berzdorfer See in Sachsen
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Immer wieder ertrinken Menschen beim Schwimmen. Wadenkrämpfe, Herz-Kreislauf-Versagen, aber auch die oft unterschätzte Kraft des Wassers können hierfür Auslöser sein. Und nicht selten geschieht das Ertrinken völlig unbemerkt, am vollen Badestrand. Denn anders als in Filmen dargestellt, machen Ertrinkende oft nicht durch strampeln oder schreien auf sich aufmerksam, sondern gehen eher lautlos unter. Das Ertrinken hat in den meisten Fällen etwas mit körperlicher Erschöpfung zu tun. Gerade an Badeseen und Stränden, die nicht bewacht sind, ist die Gefahr groß. Kommt es zum Badeunfall, sind viele Menschen hilflos und wissen nicht, was zu tun ist.

Wie Sie im Notfall reagieren sollten

Ein gekenterter aufblasbarer Flamingo
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In Not geratene Schwimmer werden versuchen, den Kopf über Wasser zu halten und dabei ihre Arme seitlich ausstrecken. Dabei befindet sich der Mund nur kurz über der Wasseroberfläche, der Kopf taucht immer wieder ab.

Wer einen in Not geratenen Menschen entdeckt, sollte Hilfe rufen und sich genau merken, wo sich die Person befindet. Für alle, die sich auch die Rettung im Wasser zutrauen, gilt:

  • Der Retter sollte zunächst Ruhe bewahren und sich einen Überblick verschaffen.
  • Wer sich zur Rettung entschließt, sollte einen schwimmfähigen Gegenstand mitnehmen. Sehr gut eignet sich zum Beispiel ein Surfbrett. Es kann auch einfach ein Ast sein. Dem Opfer sollte man niemals die Hand geben. Der Grund: Ein Ertrinkender bekommt in der Regel panische Angst, schlägt unkontrolliert um sich und wird versuchen, sich an jedem Gegenstand festzuhalten, den er greifen kann. Der Retter könnte durch eine panische Umklammerung unter Wasser gezogen werden. Darum sollte man dem Opfer immer einen anderen Gegenstand reichen.
  • Ist kein Gegenstand greifbar, ist Vorsicht geboten. Der Retter sollte das Opfer von Hinten anschwimmen, ansprechen und mit dem sogenannten Achselgriff zum Ufer ziehen. Dabei schiebt er sich unter den Oberkörper, die Arme wandern unter die Achseln des Opfers. Per Beinschlag erfolgt die Schwimmbewegung.
  • Trivial, aber lebenswichtig: Beim Herausziehen darauf achten, dass der Kopf über Wasser bleibt.

Das ist bei der Rettung an Land zu beachten

Rettungsschwimmer des Deutschen Roten Kreuzes
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An Land muss sofort mit den Erste-Hilfe-Maßnahmen begonnen werden! Als erstes sollte die Atmung überprüft werden. Ist keine spürbar, geht man davon aus, dass auch kein Herzschlag vorhanden ist. Dann ist jede Sekunde wichtig und es muss sofort mit der Reanimation begonnen werden.

Bei einer Herzdruckmassage muss dem Patienten mit einer Frequenz von 100 Kompressionen pro Minute mittig auf den Brustkorb gedrückt werden, sodass der Herzmuskel aktiviert wird. Die Drucktiefe beträgt etwa fünf Zentimeter. Ist Wasser in der Lunge, also beispielsweise wenn jemand lange unter Wasser war, sollte mit der Beatmung begonnen werden bevor die Herzdruckmassage durchgeführt wird. Das heißt 30 Mal drücken, zweimal beatmen, dann wieder 30 Mal drücken, zweimal beatmen. Das Ganze so lange wiederholen, bis der Rettungsdienst eingetroffen ist.

Regelmäßige Lehrgänge sind empfehlenswert

Gerade in Notsituationen trauen sich Menschen oft nicht zu, Erste Hilfe zu leisten, aus Angst, etwas falsch zu machen. Auch deshalb ist es wichtig, regelmäßig an Lehrgängen teilzunehmen, um im Notfall Ruhe zu bewahren und schnell richtige Entscheidungen treffen zu können. Das ist natürlich keine Pflicht, aber sehr sinnvoll, denn es geht nicht nur darum, altes Wissen aufzufrischen, das man vom letzten Erste-Hilfe-Kurs vergessen hat. Teilweise ergeben sich neue Standards bei der Rettung. Erste-Hilfe-Kurse werden oft in jeder Stadt und Gemeinde angeboten.

Pflicht zu helfen

Ein Rettungsschwimmer springt von einem Boot aus ins Wasser
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Jeder Mensch ist rechtlich verpflichtet zu helfen, wenn eine andere Person in Gefahr ist. Das steht im sogenannten Hilfeleistungsparagrafen 323 im Strafgesetzbuch. Darin ist festgeschrieben, dass unterlassene Hilfeleistung mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft werden kann, sofern man sich bei der Hilfeleistung nicht selbst in Gefahr bringen würde. Dabei gilt der Grundsatz, dass ein jeder so viel tun muss, wie zumutbar ist.

Der Notruf bei der Polizei, der Feuerwehr oder dem Rettungsdienst ist für alle Pflicht und kann schon die ausreichende lebensrettende Hilfe sein. Auch den Körper einer verletzten Person warm zu halten ist in der Regel zumutbar. Wer allerdings beispielsweise mit einem Baby oder Kleinkind am Strand ist, muss nicht ins Wasser rennen und sein Kind allein zurücklassen. Zudem sollte niemand sich und seine Fähigkeiten überschätzen. Die eigene Sicherheit steht bei jedem Rettungseinsatz grundsätzlich im Vordergrund: Ohne einen gesunden Retter gibt es auch kein gesundes Opfer. Wenn der Helfer sich in Gefahr bringt, ist niemandem geholfen.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 17. Juli 2018 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Juli 2018, 16:27 Uhr