Faktencheck Hilft es, Straßenbäume zu gießen?

Um das Stadtgrün auch während der anhaltenden Trockenheit grün zu halten, bitten Stadtverwaltungen die Bürger um Hilfe, beispielsweise in Halle, Leipzig und Dresden. Und einige von ihnen greifen tatsächlich zur Gießkanne und bewässern die Bäume. Doch immer wieder gibt es Streit darüber, wie sinnvoll es überhaupt ist, die Straßenbäume zu gießen.

Eim Mann bewässert einen Straßenbaum mit einem Gartenschlauch.
Ein Mann bewässert den Baum vor seinem Haus, damit dieser die anhaltende Trockenheit gut übersteht. Bildrechte: dpa

Oft ist es für einen selbst schwer zu erkennen, ab wann der Baum vor der Haustür Wasser braucht oder nicht. Der Biogeochemiker Henrik Hartmann vom Max-Planck-Institut Jena erklärt, dass schon ein genauerer Blick helfen würde: "Zum Beispiel Blätterrollen, welke Blätter und absterbende Äste sind immer ein Zeichen dafür, dass zu wenig Wasser da ist."

Jede Baumart hat andere Ansprüche

Dabei ist die Not bei Trockenheit auch von Baumart zu Baumart verschieden. Tiefwurzler, wie Eichen und Kastanien zum Beispiel, kommen länger mit Hitze und Trockenheit klar als Flachwurzler wie Birken oder manche Nadelbäume.

Wenn allerdings der Grundwasserspiegel gesunken ist, brauchen auch die Tiefwurzler Gießwasser. Hartmann verweist auf eine Idealsituation, in der man schon bei der Bepflanzung ein Bewässerungssystem mitinstalliere, das dann die Versorgung des Wurzelwerks sicherstelle, indem das Wasser darüber aufgenommen wird.

Bewässerungssysteme sollen helfen

Bei neueren Pflanzungen ist ein entsprechendes Rohr, das direkt in den Wurzelbereich führt, oft schon mitinstalliert. Dort Wasser hineinzugießen, ist sicher am wirkungsvollsten.

Schwieriger wird es hingegen bei Straßenbäumen, die nur eine kleine Baumscheibe haben, drumherum ist aber alles versiegelt. Hier kommt das Gießwasser nur schwer in den Außenbereich des Wurzelwerks, also dahin, wo die Bäume am besten Wasser aufnehmen können.

Zur Veranschaulichung erklärt Hartmann eine Faustregel, wonach das Ausmaß des Wurzelsystems eines Baums in etwa der Baumkrone entspricht.

Boden auflockern, damit Wasser einsickern kann

Gibt es also tatsächlich nur ein, zwei Quadratmeter offen liegenden Boden rund um den Stamm sei es mit einem Eimer Wasser kaum getan, sagt Felix Ekart vom BUND Sachsen. Aber: "Generell sind einige Eimer pro Baum allerdings sinnvoll und nötig."

Damit das Wasser auch wirklich in den Boden eindringen und sich dort verteilen kann, empfiehlt der BUND, den Boden mit einer Hacke aufzulockern oder einen sogenannten Gießwall anzuhäufeln, in dem das Wasser dann Zeit bekommt zu versickern.

Man kann nicht zu viel gießen

Durch die extreme Trockenheit, die derzeit in Deutschland vorherrsche, könne man davon ausgehen, dass alle Straßenbäume Wasser gebrauchen können, sagt Ekart. Daher bestehe auch nicht die Möglichkeit, dass Anwohner zu viel gießen könnten.

Wenn man dem Straßenbaum vor dem eigenen Haus also ansieht, dass er Wasser braucht, dann sieht man auch, dass es ihm wieder besser geht, wenn man den Baum eine Weile gegossen hat.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 30. Juli 2019 | 05:00 Uhr

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14 Kommentare

01.08.2019 02:05 part 14

Manche Bäume sind einfach nur überflüssig, weil einst Parklplätze für sie weichen mussten, die Rasenflächen wurden dagegen erweitert, denn die städtischen Ämter möchten ja ihre Existenzberechtigung sichern, dafür werden dann massenhaft natürlich gewachsene Bäume abgeholzt, so wie in Erfurt. Mit Abholzung und Neupflanzung darf eben heute jeder kleine kommunale Fürst mit Gefolge sei Auskommen über Jahre sichern, wobei der Bürger sich bei den Mondwasserpreisen noch beteiligen soll, wenn mal die Blätter etwas früher abfallen. Für manche Bäume in manchen Straßen würde ein zusätzlicher Guß im Minimalformat nur eine zusätzlich Nitratbelastung bedeutung bei den Würsten und Haufen, die seine Umgebung zieren. Dann doch besser der Tankwagen mit Wasser aus dem Baggersee, gern aus öffentlichen Mitteln und kein Trinkwasser. Ich Hege und Pflege dafür lieber meine eigenen Bäume, obwohl das bei Flachwurzlern schon mal schief gehen kann, denn Klimanotstände über dem Mittel fordern nun mal ihre Opfer.

31.07.2019 16:48 rene bertram 13

#9 Jale, für´s Regenwasser, bzw. deren Ableitung bezahlt man doch schon, Dachflächen, gepflasterter Hof usw. So nach dem Motto: Überall wo eine Dachrinne dran ist, oder ein Gulli, Anschluss- und Einleitungspflicht, ausser man legt dazu Widerspruch ein und beweist anderes.
Und für was sollte man dann noch bezahlen ? Auch in dem Trend, Steuern und Abgaben gibt´s noch zu wenig ?

31.07.2019 15:53 rene bertram 12

Gut das der Verfasser differenziert zwischen Tief-/Pfahl- und Flachwurzler. Letztere sind meist an den Strassenrändern angepflanzt worden, und rundherum zugepflastert und betoniert. Da hilft auch kein unmittelbares gießen am Stamm. Lösung: keine
Und bei den Tiefwurzlern, da werden dann, bei dieser recht hohen Trockenheit, Unmengen an Wasser gebraucht das dieses mit der Zeit das Erdreich nach und nach durchfeuchtet. Da reichen keine gelegentlichen 1 -2 Eimer Wasser, da müsste ständig bewässert werden.
Wer sich schlau machen möchte wieviel Wasser die Bäume, je nach Art, Größe jeden Tag verdunsten... ist interessant, das sind bis zu tausenden Litern.
Es ist schwierig Bäume im innerstädtischen Bereich ausreichend zu versorgen, das was manche Städte als Bewässerung machen würde ggf. für ein mittleres Gebüsch ausreichend sein, leider .

31.07.2019 10:15 Hodi 11

Ich begieße die Bäume auch hin und wieder, allerdings nur mit einem winzigen Strahl... grins...
Nee, Spass bei Seite. Sinnvoll wäre es schon, die alten Bäume zu bewässern, zumal sie dann auch resistenter gegen Stürme sind und somit das Holz innen nicht brüchig wird. Außerdem finde ich Alleenstraßen toll und die sollten erhalten bleiben...

30.07.2019 16:38 K. 10

Bei allen sicher gut gemeinten Ratschlägen, hier im Forum, hätte ich eine noch viel effektivere Idee gegen Trockenstress bei Gehölzen. Es wäre doch gut, wenn Greta, Lisa, Robert, Analena und alle anderen Grünen- und Friday for Futurejünger sich mal einen Eimer schnappen und die Bäume giessen. Wäre doch besser als mit Vielfliegerei, Altlantiküberquerung in SegelJacht, SUV Fahren und Klimageschwätzt sinnlos CO2 zu produzieren. Jaja, Deutschland das Land in dem wir gut und gerne schwätzen ohne zu Handeln.

30.07.2019 12:28 Jale 9

Daher sollte jede/r Immobilieneigentümer/gemeinschaft verpflichtet werden, Brauchwasservorratsbehälter auf dem Grundstück (Hof bspw.) aufzustellen, damit vorhandene Grünflächen oder Bäume vom Hausmeisterservice bewässert werden können. Im Winter bezahlen wir die Schneeräumung, im Sommer eben die Pflanzenbewässerung. Und wer keine Grünfläche oder Bepflanzung vorweisen kann (Sache des Eigentümers), zahlt eine Ausgleichsabgabe an die Kommune, damit die mehr Bäume pflanzen können.

30.07.2019 11:59 Sr.Raul 8

Die Bewässerungssysteme mit PVC-Drainagerohr und entsprechender Öffnung, die sind im Artikel sicher gemeint, sind kontraproduktiv. Werden beim Jungbaum um den Wurzelballen gewickelt, das Wasser läuft dabei lediglich am Wurzelballen ab und durch den Einfüllstutzen dringt ganz wunderbar trockene heiße/warme Luft in den Wurzelbereich. Vorteilhafter ist hier die gute alte Giesmulde. Hier sickert Wasser schön direkt auf den Ballen, kann so besser einziehen und preiswerter ist es auch noch. ist eigentlich zum 0-Tarif zu haben.

30.07.2019 11:52 H.E. 7

@ 5 andreas
Wassemanagement wäre das einzig Richtige und kein Trinkwasser.
Und wer bezahlt das Wasser der Bürger, die sog. Baumpaten werden. Bekommen die wenigstens von der Stadt für ihre Steuererklärung eine Steuerbescheinigung für ihre soziale Tat.

30.07.2019 09:49 Fragender Rentner 6

Wenn sie jeden Tag Wasser bekommen, dann geht es auch mal in die Tiefe, dort wo die tieferen Wurzeln ihr Wasser bekommen.

Nur 1x wässern hilft kaum oder eher auch nicht.

30.07.2019 09:40 andreas 5

Trinkwasser zu vergießen, kann nicht der Ausweg sein. Auch nicht, dass nun jeder zu einem Baum rennt...
Städte und Kommunen müssen sich klar darüber sein, dass Bewässerungskosten so zum Leben gehören wie Kosten für Streusalz. Hier muss ein ordentliches "Wassermanagement" her... was Brauchwasser zu den Bäumen bringt.