In Zeiten von Apple Pay und Co. Warum Bargeld so beliebt ist

Immer mehr Deutsche zahlen mit dem Smartphone. Doch das mobile Bezahlen bleibt weiterhin die Ausnahme. Deutschland hängt am Bargeld. Warum das so ist und was Bargeld kostet, erklärt Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen.

Eine Frau hält eine Geldbörse mit zahlreichen Banknoten und Bankkarten in der Hand
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In Deutschland ist das Zahlen mit Bargeld nach wie vor weit verbreitet und populärer als im Rest Europas. Mehr als 9.000 Menschen haben im vergangenen Jahr auf eine entsprechende Befragung bei Finanztip.de geantwortet.

Die Möglichkeiten, anders als bar zu bezahlen, nehmen allerdings deutlich zu.

  • Zahlen mit der Girocard
  • Zahlen mit der Kreditkarte
  • Online bezahlen per Überweisung
  • Überweisung in der Filiale
  • Zahlen mit neuen Dienstleistern wie Paypal
  • Zahlen mit dem Smartphone

Und das Ganze geht unter anderem mit Chip und Geheimzahl, mit PIN und TAN, mit Gesichtserkennung oder kontaktlos mobil:

Am Ende aber stellen sich für jeden Kunden drei Fragen.

  • Wie bequem ist die jeweilige Bezahlweise?
  • Wie teuer ist die jeweilige Bezahlweise?
  • Und wie sicher ist die Bezahlweise?

Dabei geht es sowohl um die Frage, kann mein Geld wegkommen als auch um die Frage des Datenschutzes. Am bequemsten ist individuell natürlich immer die Zahlweise, die ich oft und einfach nutzen kann, ohne zusätzliche Voraussetzungen erfüllen zu müssen.

Smartphone

Deshalb ist das Smartphone als neues Portemonnaie, das ich als Telefon und Bordcomputer ohnehin ständig mit mir führe, stark im Kommen.

Karte

Einfach sind aber immer auch Girocards und Kreditkarten, die ich im alten Portemonnaie mit mir führe und die ich neuerdings auch kontaktlos überall einsetzen kann.

Bargeld

Und einfach ist für den Besitzer eines traditionellen Portemonnaies natürlich Bargeld, das ich aber leider irgendwo abholen muss. Dabei entsteht Aufwand bei mir zum Extra-Abholen, Aufwand bei der Bank, die das Geld dort hinschaffen muss. Zunehmend wird mir dieser Aufwand auch berechnet. Schon lange, wenn ich Geld vom Schalter hole, immer häufiger, wenn ich Bargeld am Automaten irgendwo ziehe. Dazu kommt Sicherheitsaufwand bei mir und Aufwand beim Einzelhändler.

Warum Bargeld (noch) das kostengünstigste Zahlungsmittel ist

Kosten betrachten wir jetzt mal nur aus Sicht der Kunden. Solange das Abheben von Bargeld an vielen Stellen möglich ist und nichts oder nicht viel kostet, ist das eine preiswerte Variante des Bezahlens. Noch attraktiver wird die Variante, wenn es für die Barzahlung womöglich Preisvorteile gibt, egal warum der Einzelhändler die zum Beispiel gewährt.

Wird die Zahl der Abholstellen für Bargeld geringer und muss ich dort regelmäßig Gebühren bezahlen, wird das Bargeld weniger attraktiv. Wenn also Filialbanken in der Fläche Gebühren fürs Geld abheben verlangen und dies nicht durch Supermärkte kompensiert wird, die kostenlos und gern Bargeld abgeben, weil es ihre Kosten verringert, wird die Popularität von Bargeld abnehmen.

So haben sich die Kosten entwickelt

Wie sehr Kosten eine entscheidende Größe für Bezahlsysteme sind, konnte man in den vergangenen 10 Jahren gut beobachten. Kunden in Deutschland liebten ihre Girokarte, früher EC-Karte, mit der sie ohne weitere Kosten überall bezahlen und an zahllosen Geldautomatern ohne weitere Kosten Geld abheben konnten. Kreditkarten waren deutlich weniger populär.

Wie Paypal von der Kreditkarte profitierte

Manchmal sollte das Zahlen mit der Kreditkarte sogar den Kunden selbst etwas kosten, zumeist aber kassierten die Kreditkartenfirmen bei Einzelhändlern oder Taxifahrern hohe Gebühren, was die dazu brachte, Kreditkartenzahlung gar nicht oder nur bei höheren Summen oder einer zusätzlichen Gebühr zu akzeptieren.

Erst mit einer Neuregelung der EU, die die Gebühren der Kreditkartenfirmen drastisch begrenzte, hielt die Kreditkarten Einzug in den Zahlungsverkehr auch bei Aldi oder Lidl. Die hohen Kreditkartengebühren waren übrigens die wesentliche Chance, die Paypal in den USA und später auch in Europa nutzte, um in den Zahlungsmarkt vorzustoßen.

Warum Online-Konten immer beliebter werden

Die Gebührenhöhe ist auch die Antwort auf die Frage, warum Online-Konten immer beliebter werden. Sie sind deutlich preiswert, oftmals mehr als 100 Euro preiswerter als klassische Konten. Und das bringt die Kunden zum Wechsel.

Die neuen mobilen Bezahlmöglichkeiten bieten aktuell vor allem einen Bequemlichkeitsvorteil, noch keinen Preisvorteil. Aber auch das kann kommen, wenn Einzelhändler für bestimmte Zahlvarianten mit besonderen Preisvorteilen werben.

Wie sicher neue Bezahlsysteme sind

Sicherheit ist eigentlich nicht das große Problem der Bezahlsysteme. Geld kommt in keinem der Systeme oft weg, allerdings gibt es unterschiedliche Risiken.

Das erste Risiko ist immer der physische Verlust, egal ob das Portemonnaie verloren geht oder geklaut wird, egal ob das Bargeld selbst oder die Karten verschwinden. Auch beim Smartphone, das physisch verloren geht, liegt hier ein Risiko.

Das zweite Risiko ist der "elektronische Verlust", wenn also in den neuen Systemen Geld verloren geht, ohne dass der Besitzer es zunächst bemerkt. Wer einmal mit seiner Bank über eine Abhebung diskutieren musste, die man selbst nicht vorgenommen hat, weiß wie schwierig das Problem werden kann. Inzwischen sind aber die gesetzlichen Regeln auch durch den europäischen Rahmen so, dass hier die Risiken insgesamt kleiner geworden sind.

Bleibt das dritte Risiko, dass bei den elektronischen Geschäften Kunden über den Tisch gezogen werden, weil es den unmittelbaren physischen Austausch von Geld und Waren nicht mehr gibt und die elektronisch routiniertere Seite bei solchen Geschäften klar im Vorteil ist.

Und dann bleibt natürlich das Datenschutzrisiko. Genau wie jeder elektronische Betrug eine Datenspur hinterlässt, hinterlässt auch jedes Geschäft eine Spur, die im Prinzip zurückverfolgt werden kann.

Nur Bargeld bietet beim Bezahlen Datenschutz. Das ist eine Weisheit, die auch Ganoven wohl vertraut ist, weshalb bei vielen Einbrüchen oft nur das Bargeld mitgenommen wird und auch so manches geklaute Portemonnaie wiederauftaucht – allein es fehlt das Bargeld.

Was Sie jetzt tun sollten

Eine ältere Frau zählt Geld.
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Sie brauchen Bargeld und einen günstigen Weg, um an neues Bargeld zu kommen. Sei es über eine Kreditkarte, die das einfach erlaubt oder Ihre Girokarte Ihrer Bankkette mit hinreichend vielen Automaten und Ihrem Lieblingssupermarkt, der auch abends spät noch auf hat.

Sie sollten ein Girokonto unterhalten, das nichts, oder doch möglichst wenig kostet, zu dem eine Girocard und eine Kreditkarte gehören, die möglichst per se auch nichts kosten.

Die Kreditkarte kann auch separiert sein vom Konto, sollte dann aber ganz besonders preiswert sein und mindestens im Euro-Raum auch kostenloses Abheben ermöglichen. Noch besser ist es, wenn sie mit einer Karte weltweit abheben können.

Ihren Computer sollten Sie so einrichten und mit Virenschutzsoftware sichern, dass Sie einfach mit ihm Bankgeschäfte machen können und dass Sie so die besonders günstigen Kontomodelle Ihrer Lieblings- oder Hausbank nutzen können.

Und schließlich können Sie auch Ihr Handy sicherheitstechnisch so aufrüsten, dass sie mit dem Handy bezahlen können. Vergessen sie aber nicht: Wenn Sie aus Ihrem Handy Ihr Portemonnaie machen, sollten Sie auch genauso darauf achtgeben wie sie traditionell auf Ihr Portemonnaie achtgegeben haben.

Und wenn Sie nicht möchten, dass irgendjemand fremdes erfährt, wo Sie welches Weihnachtsgeschenk gekauft haben, dann bezahlen sie in bar. Das Geschäft bleibt dann in Wesentlichen zwischen Ihnen und dem Verkäufer.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 17. Dezember 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Dezember 2019, 19:35 Uhr