Altersvorsorge Lohnt sich die Betriebsrente?

Immer mehr Firmen bieten einen Zuschuss zur Altersvorsorge an. Doch manche Arbeitnehmer wissen gar nichts davon. Gibt es einen gesetzlichen Anspruch oder sind das freiwillige Leistungen? Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen erklärt, für wen sich die betriebliche Altersvorsorge lohnt.

Symbolbild Erben
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Betriebsrenten sind auf den ersten Blick ein guter Weg, zusätzlich fürs Alter vorzusorgen. Erstens gibt der Chef bzw. die Firma häufig Geld dazu. Und mit geschenktem Geld lässt sich deutlich besser zusätzlich vorsorgen.

Zweitens sorgt der gemeinsame Abschluss vieler Angestellter in der Firma dafür, dass die Abschluss- und Vertriebskosten der betrieblichen Altersvorsorge niedriger sind als bei der zusätzlichen privaten Vorsorge. Doch die Bedingungen sind je nach Art der Betriebsrente unterschiedlich.

Kompliziert & variantenreich

Inzwischen gibt es mehrere Varianten, um betrieblich für das Alter vorzusorgen. Arbeitnehmer, die den Job wechseln, haben in ihrem Arbeitsleben womöglich mit mehreren unterschiedlichen Systemen und noch mehr unterschiedlichen Verträgen zu tun. Den Vertrag schließt jeweils der Arbeitgeber ab. Im Fachjargon heißen die Systeme „Durchführungswege“.

Jeder Chef muss den Mitarbeitern schon seit 2002 eine Möglichkeit der betrieblichen Altersvorsorge anbieten, wenn sie danach fragen.

Wer als Chef betrieblich für seine Mitarbeiter vorsorgen möchte, hat mehrere Möglichkeiten, die Altersvorsorge im Unternehmen zu organisieren. Die klassischen Wege sind:

Direktzusage

Die Betriebsrente kommt direkt aus dem Betriebsvermögen. Bei einem Jobwechsel besteht kein Anspruch auf die Mitnahme zum nächsten Arbeitgeber.

Unterstützungskasse

Sie sind arbeitgebereigene Einrichtungen. Es besteht kein Anspruch auf Mitnahme zum nächsten Arbeitgeber.

Pensionsfonds

Aktien Wertpapiere
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Arbeitnehmer beteiligen sich an Chancen und Risiken der Börse. Das bietet die Möglichkeit auf höhere Renditen, birgt aber auch die Gefahr von Verlusten. Das eingezahlte Kapital bleibt zum Rentenbeginn garantiert.

Direktversicherung

Sie ist eine Lebensversicherung, die der Arbeitgeber für einen Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin abschließt. In der Regel zahlen Beschäftigte über Beiträge aus dem unversteuerten Bruttoeinkommen ein. Seit 2019 muss der Chef 15 Prozent des umgewandelten Entgelts dazu geben.

Pensionskasse

Sie sind rechtlich selbstständige Versorgungsträger, die wie ein Versicherungsunternehmen geführt werden. In der Regel zahlen Beschäftigte über Beiträge aus dem unversteuerten Bruttoeinkommen ein. Seit 2019 muss der Chef 15 Prozent des umgewandelten Entgelts dazu geben.

Für die meisten dieser Durchführungswege gibt es zahlreiche Service-Unternehmen, die sich um die Betriebsrenten kümmern und die Abwicklung für ihren eigenen Firmenchef anbieten.

Der Chef muss zahlen

Ein Mann um die 60 sitzt vor einem Ordner mit Kontoauszügen und tippt auf seinem Taschenrechner.
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Spätestens ab 2022 muss Ihr Chef auch in jedem Fall etwas dazugeben, wenn Sie für die Betriebsrente etwas vom Bruttogehalt abzweigen. Das war bislang nicht verpflichtend, obwohl der Arbeitgeber damit Lohnnebenkosten spart. Künftig muss er die Rente jedoch mit mindestens 15 Prozent bezuschussen. Allerdings sind das noch immer weniger als die 19 Prozent, die er in der Regel spart.

Damit es sich lohnt: Nachrechnen

Finanziert Ihr Chef Ihre Betriebsrente komplett oder zu mindestens drei Vierteln, lohnt sich das. Sie bekommen später eine Rente, ohne dafür groß eingezahlt zu haben. Verlangen Sie daher in der Verhandlung im Vorgriff auf das Gesetz mindestens 15 Prozent Zuschuss. Am besten aber 25 Prozent.

Gibt Ihr Arbeitgeber nur wenig zur Betriebsrente hinzu, lohnt sich ein Abschluss nur bei niedrigen Vertragskosten. Die Faustregel lautet: Nach Abzug aller Kosten sollte ein guter Vertrag eine jährliche Rendite von 2 Prozent erreichen (Nettorendite).

Krankenkassenbeiträge bedenken

Betriebsrentner müssen seit 15 Jahren mehr Krankenkassenbeiträge für ihre Betriebsrente zahlen als für andere Formen der Vorsorge. Seit Anfang 2020 gelten dafür aber Erleichterungen. Bis zu einer Höhe von 159 Euro gibt es einen Freibetrag, auf den keine Kassenbeiträge fällig werden.

Der Kassenbeitrag von 14,6 Prozent gilt dann erst für die Summe, die über dem Freibetrag liegt – beispielsweise bei 169 Euro Betriebsrente nur für zehn Euro. Der Freibetrag soll sich jährlich entsprechend der Lohnentwicklung verändern.

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Dieses Thema im Programm: MDR um 4 | 21. April 2020 | 17:00 Uhr