Finanzen Geld sparen und anlegen in der Corona-Krise

Das Coronavirus macht sich nicht nur an die Menschen heran, sondern auch an ihr Geld. Denn die Finanzen an den Börsen hat es in den vergangenen Tagen ganz schön durchgeschüttelt. Wie Sparen und Anlegen jetzt richtig geht, erklärt Experte Hermann-Josef Tenhagen.

Illustration - Corona - Börse - Aktien
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Wie halten wir die wirtschaftlichen Folgen von Corona im Griff?

Beim Blick auf die wirtschaftlichen Folgen von Corona geht es vor allem um zwei Fragen. Wie erhalte ich meinen Job oder meine Firma?

Hunderttausende Selbstständige haben Angst um ihre Existenz. Die Bundesregierung hat zwar ein 500 Milliarden Euro schweres Corona-Programm mit Kreditzusagen für kleine, mittlere und große Unternehmen auf den Weg gebracht. Etliche Bundesländer haben zusätzlich direkte Hilfen vor allem für kleine Unternehmen und Solo-Selbstständige angekündigt. Aber das Geld ist noch nicht da. Selbstständige sollten ganz unabhängig von den angekündigten Hilfen Kontakt mit Ihrem Steuerberater aufnehmen, damit der beim Finanzamt die Steuervorauszahlungen senken hilft und etwaige Steuerschulden bis zum Jahresende gestundet werden.

Kurzarbeitergeld beantragen

Arbeitnehmer können zum einen vom Kurzarbeitergeld profitieren, wenn ihr Unternehmen das beantragt. Sie können auch von den Hilfen nach §56 des Bundesinfektionsschutzgesetzes direkt profitieren, wenn das über den Chef nicht klappt.

Mit dem Betriebsrat oder wenn es den nicht gibt mit den Mitarbeitern selbst, die Möglichkeiten von Kurzarbeit klären und dann Kurzarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit vereinbaren. 60 Prozent des Nettolohns erhalten die Mitarbeiter dann von der Arbeitsagentur. Die zahlt auch die Sozialversicherungsbeiträge, die das Unternehmen zahlen müsste, so dass die Mitarbeiter dann die Firma erstmal nichts mehr kosten. Wenn das Unternehmen direkt von Corona-Fällen und Schließungen durch das Gesundheitsamt betroffen ist, Zahlungen nach §56 des Bundesinfektionsschutzgesetzes beantragen.

Wenn das Betriebsgebäude gemietet ist, mit dem Vermieter Kontakt aufnehmen, um Mietminderungen oder Stundungen zu erreichen.  

Hilfsprogramme für Unternehmen und Selbständige

Mit der Bank Kontakt aufnehmen, um Erleichterungen bei Kreditzahlungen oder neue Kreditmöglichkeiten zu besprechen, damit man früh am Start ist, wenn die Kreditgarantien und Rahmen von KfW und Bürgschaftsbanken kommen.

Sachsen, Bayern, Berlin, Hamburg, und NRW haben direkte Hilfsprogramme für Kleinunternehmen auf den Weg gebracht. Bayern ist vorne und zahlt schon aus: Die Corona-Soforthilfe dort ist gestaffelt und startet bei 5.000 Euro für Kleinunternehmen.

Außerdem will die Bundesregierung noch in dieser Woche eine Novelle des Mietrechts auf den Weg bringen und wenn es geht vom Bundestag verabschieden lassen, nach der niemand wegen Mietrückständen seine Wohnung verlieren darf, wenn die Mietrückstände Folge der Corona-Krise sind.

Gekniffen sind bislang in vielen Ländern nur die Solo-Selbstständigen, wenn in den Bundesländern keine schnellen Programme zur Hilfe aufgelegt werden. Und die 450 Euro-Kräfte, für die es, nach Lage des Gesetzes, kein Kurzarbeitergeld gibt.

Beide Gruppen haben bislang nur Ansprüche, wenn ihre Arbeit durch direkte Schließungen der Gesundheitsämter unmöglich gemacht wird. Dann gilt der §56 des Bundesinfektionsschutzgesetzes für sie auch.

Und was tun mit dem angelegten Geld?

Weltweit sind die Börsen in den vergangenen vier Wochen so schnell gefallen wie seit Jahrzehnten nicht. Der DAX war in der vergangenen Woche zeitweise bei einem Minus von 40 Prozent und auch der MSCI World Index, das wichtigste Börsenbarometer für den internationalen Aktienmarkt lag bei minus 30 Prozent.

Tipps für Anleger und Sparer

Besitzen Sie breitgestreut Aktien oder einen breitgestreuten Aktienfonds, zum Beispiel einen ETF und brauchen vorläufig das Geld nicht, bleiben Sie ruhig und sitzen Sie die Krise aus. Anders sieht die Lage aus, wenn Ihr Aktiendepot nicht breit gestreut ist oder Sie dringend Geld brauchen, dann sollten Sie einen Verkauf mindestens prüfen.

Sparguthaben bei Ihrer Bank oder Ihren Banken sind sicher. 100.000 Euro pro Person und Bank sind gesetzlich abgesichert. Banken und Sparkassen in Deutschland sprechen darüber hinaus weitergehende Garantien aus. Wie belastbar diese Garantien sind, müsste man im Krisenfall sehen. Allerdings hat die Bundesregierung Kreditgarantien in hohen Volumen und die EZB weiteres Geld zur Verfügung gestellt.

Ist Gold ein sicherer Hafen?

Gold gilt als Krisenklassiker, unterliegt aber in der aktuellen Corona-Krise großen Schwankungen. Die Experten von Finanztip haben sich die Kursbewegungen von Gold in den vergangenen Jahrzehnten angeschaut und festgestellt, dass die Volatilität von Gold sogar eher höher ist als die eines breitgestreuten Aktiendepots. Dafür die die Rendite dann ganz langfristig geringer gewesen. In den Jahren 2005 bis 2020 lagen Goldrenditen wegen der großen Finanzkrisen aber öfter über denen der Aktien.

Für die Altersvorsorge droht trotz der Corona-Krise keine unmittelbare Gefahr. Tatsächlich soll die gesetzliche Rente im Juli im Osten sogar noch einmal um 4,2 Prozent steigen, im Westen um 3,45 Prozent.

Sinken darf die gesetzliche Rente nicht. Allerdings ist damit zu rechnen, dass sie in den kommenden Jahren nach einer möglichen Wirtschaftskrise nicht steigt.

Riester-Renten müssen mindestens die Einzahlungen der Sparer garantieren, Garantien gibt es auch bei Betriebsrenten. Klassische Lebens- und Rentenversicherungen sind sicher, aber renditearm. Fondsgestützte Policen allerdings haben ein erhebliches Börsenrisiko. Hier können Sparer, wenn die Verträge in Kürze ausgezahlt werden müssen, erhebliche Verluste erleiden.  

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 24. März 2020 | 17:00 Uhr