Finanzen Wie Sie Ihre Einnahmen im Corona-Jahr noch aufbessern

Es war wohl eines der verrücktesten Jahre auch für die eigene Geldanlage. Was kann man aus den Corona-Turbulenzen lernen? Welche steuerlichen Besonderheiten gelten, wenn man von zu Hause aus gearbeitet oder Kurzarbeitergeld bekommen hat? Was sollte man im kommenden Jahr ändern und was sollte jeder Einzelne für seine privaten Finanzen aus dem Krisenjahr mitnehmen? Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen gibt wertvolle Tipps.

Eine Frau hält eine Geldbörse mit zahlreichen Banknoten und Bankkarten in der Hand
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So füllt sich Ihr Geldbeutel schneller, als er sich leert

In diesem Dezember können Sie noch richtig was tun für Ihr Vermögen. "Schuld daran" ist auch die Corona-Pandemie. Und mit einem volleren Geldbeutel im Dezember haben Sie die Möglichkeit, auch langfristig etwas für die Haushaltskasse zu tun.

Preisgünstig shoppen im Netz

Einkaufen im Netz zu Weihnachten
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Ab dieser Woche können Sie nicht mehr so einfach einkaufen gehen. Nehmen Sie es gelassen und besorgen Sie sich Weihnachtsgeschenkideen, die noch dringend notwendig sind, im Netz. Nutzen Sie dabei Preissuchmaschinen wie Idealo.de oder billiger.de. Und – wenn Sie wollen – konfrontieren Sie ihren örtlichen Einzelhändler online mit dem günstigen Preis. Lokal liefern und trotzdem den lokalen Einzelhandel fördern, der günstige Preise bietet, das geht auch in Zeiten der Pandemie.

Corona und die Steuererklärung 2021

Sie haben das Jahr über durcharbeiten können, vielleicht sogar besonders hart wegen Corona. Ihr Arbeitgeber kann Ihnen bis zu 1.500 Euro Prämie steuer- und sozialabgabenfrei als Corona-Prämie auszahlen. Fragen Sie ruhig nach.

Sie haben während der Corona-Zeit am heimischen Schreibtisch gelitten oder sich über Ihren alten Rechner oder Bildschirm geärgert. Kaufen Sie einen Neuen. Bei Preisen bis zu 800 Euro netto, also plus Mehrwertsteuer, können Sie das Arbeitsgerät noch für 2020 von der Steuer absetzen und bei der Steuererklärung im kommenden Frühjahr gleich geltend machen.

Sie haben 2016 gar keine Steuererklärung abgegeben? Wenn Sie zwischen den Jahren die freiwillige Einkommenssteuererklärung noch fertig bekommen, holen Sie sich häufig nicht nur die Erstattung für 2016. Sie bekommen auch die seit 2018 mit 6 Prozent im Jahr verzinst. Aus 1.000 Euro Erstattung – so viel gab es im Durchschnitt – wären mittlerweile über 1.100 Euro geworden.
Warum ich so sicher bin, dass sich das lohnt? Wenn der Staat meinen würde, Sie schulden ihm noch Steuern, würde er von sich aus auf eine Steuererklärung drängen. Wenn der Staat denkt: im Prinzip könnte dieser Bürger Steuern zurück bekommen, drängt Sie das Finanzamt nicht.

Ausnahme: Rentner, die schon eine Steuererklärung abgeben müssten, sich aber gedrückt haben. Witwen sind hier besonders gefährdet, sie bekommen schließlich zwei Renten für eine Person.  

Kleine Maßnahmen, große Wirkung

Füllen Sie jetzt noch den Tank, den fürs Heizöl und den für Flüssiggas. Im kommenden Jahr wird auf Brennstoff eine CO2 Abgabe fällig und die Mehrwertsteuer steigt wieder. Pro Liter macht das schnell 10 Cent Unterschied. Rufen Sie Ihren Heizölhändler an, aber vorher vergleichen Sie den Preis mit Easyoil oder heizöl24.de.

Sie haben den Handwerker im Haus? Bitten Sie um eine Abschlagsrechnung für 2020. Dann wird für diesen Teil der Gesamtrechnung nur eine Mehrwertsteuer von 16 Prozent fällig – und nicht von 19 Prozent. Und Steuern sparen können Sie für Arbeits- und Wegekosten womöglich auch noch.

Kosten für die Gesundheit inklusive Brillen und Zahnarztrechnungen können 2021 Steuern sparen helfen. Diese außergewöhnlichen Belastungen müssen einen bestimmten Grenzwert überschreiten, dann gibt es Geld zurück vom Finanzamt. Wenn Sie es schaffen, vieles davon in einem Jahr zu bestellen, dann können Sie damit sparen. Wie Sie rechnen, finden Sie bei Finanztip.

Finanzplanung 2021

Im kommenden Jahr sieht manches bei den Finanzen anders aus. Die meisten Arbeitnehmer müssen keinen Soli mehr zahlen. Bei gleichem Einkommen sind auch ohne Soli weniger Steuern fällig. Füllen Sie Ihr Tagesgeldkonto – und wenn da schon 10.000 Euro drauf sind, prüfen sie eine Anlage in ETF.

Eigentlich ist es bei Ihnen immer finanziell eng? Wohngeldempfänger bekommen mehr Wohngeld, die Kinderzulage steigt um bis zu 20 Euro. Und Grundrentner bekommen ohne weiteres Zutun oft deutlich mehr Rente.

Beginnen Sie mit einem Haushaltsbuch mittels einer entsprechenden App, um Ihre Finanzen besser in den Griff zu bekommen. Sie haben noch keinen Wohngeldantrag gestellt, tun Sie es endlich.

Wenn Sie absehen können, dass Sie in Kurzarbeit müssen oder es ohnehin finanziell eng wird, sprechen Sie mit Ihren Vereinen und Kirchengemeinden, ob Sie dort nicht eine Aufgabe für kleines Entgelt übernehmen können. Bis zu 720 Euro im Jahr sind als Ehrenamtspauschale steuerfrei. Sie werden auch nicht auf Hartz IV oder Grundsicherung angerechnet.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 15. Dezember 2020 | 17:00 Uhr