Eine Seniorin hält einen 10-Euro-Schein in der Hand
Auch mit kleinem Einkommen lässt sich für das Alter vorsorgen. Bildrechte: imago/Joko

Altersarmut Warum Frauen sich selbst um ihr Geld kümmern sollten

In manchen Dingen hat sich leider nicht viel geändert, wie bei den persönlichen Finanzen. Denn ob Altersvorsorge oder Geldanlage – viele Frauen überlassen das Finanzielle den Männern. Welche fatalen Folgen das haben kann, zeigen Prognosen über drohende Altersarmut vor allem bei Frauen. Expertin Sara Zinnecker zeigt, dass es auch anders gehen kann.

Eine Seniorin hält einen 10-Euro-Schein in der Hand
Auch mit kleinem Einkommen lässt sich für das Alter vorsorgen. Bildrechte: imago/Joko

Selbst ist die Frau: Wie Ihnen mehr Geld übrig bleibt

Alle vier Jahre blickt das Statistische Bundesamt auf die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen. Nun kam heraus: Über alle Qualifikationen und Branchen hinweg verdienen Frauen für gleiche Arbeit gut 20 Prozent weniger. In den vergangenen Jahren hat sich hier nur wenig getan. Weil Frauen zudem – häufig der Familie zuliebe – in Teilzeit arbeiten, bekommen sie im Alter gleich doppelt weniger Rente. Frauen, die sich trennen, Mütter, die Kinder allein großziehen, sind am stärksten betroffen.

Umso wichtiger, dass Frauen sich früh über Finanzielles Gedanken machen und sich selbst ein Stück mehr finanzielle Freiheit schaffen. Dazu muss das Thema Finanzen und Vorsorge auf den Tisch: In welche Verträge spare ich an? Wie viel Rente kann ich erwarten? Wie viel Geld steht mir im Falle einer Trennung zu? Laufen Verträge auf meinen Namen? Aber auch: Was kann ich vielleicht vom Chef zusätzlich verlangen? Wo bekomme ich noch etwas vom Staat dazu?

Expertin im Studio 15 min
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1. Riester-Rente

Modellfiguren, die eine junge Familie darstellen auf einem Münzenstapel vor Geldscheinen.
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Die Riester-Rente ist eine Vorsorgeform fürs Alter, die der Staat bezuschusst. Bis zu vier Prozent des Bruttogehalts kann jährlich einzahlen, wer abhängig beschäftigt ist. Der Staat gibt 175 Euro dazu – und für jedes Kind, das nach 2008 geboren ist, noch einmal 300 Euro. Je mehr Zulagen, desto weniger müssen Sparer selbst einzahlen. So lohnt sich Riester besonders für Sparer mit einem geringen Verdienst und mehreren Kindern, zum Beispiel Alleinerziehende im Teilzeitjob.

2018 hat der Gesetzgeber außerdem die Rahmenbedingungen verändert: Wer im Alter staatliche Grundsicherung bezieht, muss nicht länger fürchten, dass die Riester-Rente angerechnet wird. Bis 100 Euro monatliche Rente dürfen Sparer auf jeden Fall behalten – und nach einem bestimmten Schlüssel sogar mehr. Wie bei allen privaten Vorsorgeverträgen gilt auch bei Riester-Verträgen: Die Kosten müssen stimmen.

2. Betriebliche Altersvorsorge

Wer damit plant, länger im gleichen Job zu arbeiten, sollte sich die betriebliche Altersvorsorge genauer anschauen. Betriebliche Altersvorsorge bedeutet: Der Chef hilft mit, dass Angestellte Geld fürs Alter zurückliegen. Meist bietet er eine Lebensversicherung (sog. Direktversicherung) an, in die die Mitarbeiter Teile ihres Bruttogehalts einzahlen können. Auf diese Beiträge aus dem Brutto zahlen Sparer dann weder Sozialabgaben – also Kranken- und Rentenversicherungsbeiträge – noch Steuern. Wie bei Riester werden auch Betriebsrenten seit 2018 nicht länger auf die Grundsicherung im Alter angerechnet.

Private Lebensversicherungen ohne Förderung lohnen heute eigentlich kaum mehr. Anders ist es, wenn die Beiträge abgaben- und steuerfrei in den Vertrag fließen und der Chef zusätzlich noch Geld obendrauf legt. Seit 2018 ist für neue Verträge Pflicht, dass der Chef 15 Prozent zum Beitrag dazu gibt. Und: Mitarbeiter haben ein Recht darauf, dass der Chef ihnen eine solche betriebliche Vorsorge anbietet. Wer in einem nicht tarifgebundenen Unternehmen arbeitet – dort sind die Vorsorgepläne meist inbegriffen – sollte auf den Arbeitgeber zugehen. Verhandeln ist dabei nicht verboten. Manche Chefs bezuschussen die Sparraten ihrer Mitarbeiter auch mit deutlich mehr als 15 Prozent.

3. Sparpläne mit günstigen Aktienfonds

Mit der geförderten Altersvorsorge lässt sich die spätere Rente etwas aufbessern. Sie ist wichtig für alle, die wenig gesetzliche Rente erwarten. Daneben gibt es aber die Möglichkeit, ohne staatliche Unterstützung mit regelmäßigen kleinen Raten ab 25 oder 50 Euro im Monat in weltweit günstige Aktienfonds anzusparen und so Stück für Stück Vermögen aufzubauen.

Traditionell schreckt der Begriff Aktien viele ab. Doch solange man in genügend viele international tätige Unternehmen investiert und 15 Jahre oder länger dabeibleibt, gleichen sich Schwankungen an der Börse aus und das Risiko, Verlust zu machen, lässt sich minimieren. Wer etwa 2002 angefangen hat, 50 Euro monatlich weltweit in Aktien zu sparen, hatte 2017 rund 17.900 Euro zusammen. Der Gewinn lag bei 8.900 Euro, obwohl zwischendrin die Weltwirtschaft eine heftige Finanzkrise durchmachte.

Für einen langfristigen Aktiensparplan braucht es übrigens keinen Bankberater. Ein Konto für den Sparplan, ein sogenanntes Depot, gibt es kostenlos bei vielen Onlinebanken. Geeignete günstige Aktienfonds finden sich dort auch. Wer einen Teil seines Geldes in näherer Zukunft braucht, kann sich auch nach Banken mit guten Konditionen beim Festgeld umsehen.

4. Risikolebensversicherung

Ob verheiratet oder nicht – wer in einem Haushalt als Familie zusammenlebt, teilt sich Aufgaben und finanzielle Lasten. Über Schicksalsschläge möchte man da eigentlich gar nicht nachdenken. Doch gerade bei einer Familie ist es wichtig zu überlegen, wie sie finanziell abgesichert ist, sollte ein Partner frühzeitig versterben.

Es lohnt oft, eine sogenannte Risikolebensversicherung abzuschließen. Die Versicherung zahlt im Todesfall eine vorher vereinbarte Summe an die Hinterbliebenen aus. Mit dem Geld kann eine Familie zum Beispiel einen Immobilienkredit tilgen oder die Kinder finanzieren, bis sie ins Berufsleben starten.

Verheiratete Paare sollten sich beraten lassen, ob eher eine sogenannte verbundene Risikolebensversicherung infrage kommt oder jeder Partner einzeln einen Vertrag abschließt. Die erste Variante ist in der Regel günstiger, aber weniger flexibel. Die versicherte Summe reicht außerdem im Zweifel nicht aus, sollten beide Partner ums Leben kommen.

Nicht verheiratete Paare sollten immer zwei getrennte Versicherungen abschließen. Der Grund: die Erbschaftsteuer, die auf die Auszahlung im Todesfall anfällt: Während Ehepartner einen hohen Freibetrag von 500.000 Euro haben, auf den die Auszahlung angerechnet wird, beträgt er bei Unverheirateten gerade mal 20.000 Euro.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 21. Mai 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Mai 2019, 15:57 Uhr