Hinzuverdienst Mehr Geld für Frührentner auch 2021

Auch im Jahr 2021 dürfen Frührentner zu ihrer gesetzlichen Rente deutlich mehr hinzuverdienen. Das erlaubt ihnen spürbar höhere Einkommen. Die neue gesetzliche Regelung hat am Freitag den Bundesrat passiert.

Stempel mit der Aufschrift 'Frührente' auf Geldscheinen
Seit dem Sozialschutzpaket zur Linderung der Corona-Folgen gibt es neue Hinzuverdienstgrenzen. Sie ermöglichen Frührenterinnen und -rentnern höhere Einkommen. 2021 werden die Grenzen noch einmal angehoben. Bildrechte: imago images / Steinach

Worum geht es?

Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat, kann zusätzlich zur gesetzlichen Rente unbegrenzt hinzuverdienen. Aber: Viele Rentner, die vor der Regelaltersgrenze in Rente gegangen sind, dürfen das nicht. Diese Senioren, die erst 63, 64 oder 65 Jahre alt sind, wünschen sich oft einen gleitenden Übergang in den Ruhestand. Sie würden gern ihre Rente genießen, aber zugleich auch etwas arbeiten. Dieses Modell von vorgezogener Rente (bei gleichzeitiger Arbeit) nennt man auch Flexirente. Dieses Modell lohnte sich früher nur sehr begrenzt. Wer vor der Regelaltersgrenze in Rente geht durfte früher nur 6.300 Euro im Jahr hinzuverdienen (also ca. 525 Euro im Monat), ohne dass die Rente gekürzt wurde. Bei höheren Verdiensten erfolgte eine Verrechnung mit der Rente – die Rente wurde also gekürzt.

Neuregelungen durch Sozialschutzpaket

Wegen der Corona-Pandemie trat am 29. März 2020 ein Sozialschutzpaket zur Linderung der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise in Kraft. Dieses Paket regelte u.a. die Zahlung von Kurzarbeitergeld, den vereinfachten Zugang zur Grundsicherung und zum Kinderzuschlag oder um Lohnersatzleistungen im Zusammenhang mit Kita-Schließungen. Eine Neuregelung betraf aber auch Rentner: Für sie galt im Jahr 2020 eine erhöhte Hinzuverdienstgrenze. Statt 6.300 Euro im Jahr durften Flexirentner nun 44.590 Euro im Jahr verdienen.

Ziel war es, bereits in Rente befindliche Fachkräfte, vor allem in systemrelevanten Berufen, leichter rekrutieren zu können. Die höhere Hinzuverdienstgrenze galt aber nicht nur für Berufe wie Pflegepersonal oder Fachkräfte im Handel. Sie erlaubte auch vielen anderen Rentnern ungeahnte Einkommensmöglichkeiten. Wer im Jahr 2020 in seinen alten Job zurückkehrte oder anderswo arbeiten konnte, der  konnte einerseits bis zu 44.590 Euro im Jahr oder 3.715 Euro brutto im Monat verdienen und zugleich weiter die volle Rente beziehen.

Nun ermöglicht der Gesetzgeber auch für das Jahr 2021 einen höheren Hinzuverdienst. Wer eine vorgezogene Altersrente bezieht und arbeitet, kann im Kalenderjahr 2021 bis zu 46.060 Euro dazu verdienen, ohne dass die Rente gekürzt wird. Das entspricht einem Monatsverdienst von 3.838,33 Euro brutto. Der entsprechenden Änderung im Sozialgesetzbuch VI hat der Bundesrat am Freitag zugestimmt. "Wir hatten im Vorfeld gefordert, diese Regelung auf das Jahr 2021 auszuweiten und freuen uns, dass diese Entscheidung nun so gekommen ist", sagt Anke Voss, Präsidentin des Bundesverbandes der Rentenberater e.V.

Wer profitiert?

Zunächst alle Frührentner, die aktuell einer Erwerbstätigkeit nachgehen! Wer also schon im Jahr 2020 als Flexirentner berufstätig war, darf im Jahr 2021 46.060 Euro hinzuverdienen und behält dennoch die volle Rente. Wer mehr verdient, muss zwar mit einer Kürzung der Rente rechnen, diese fällt in der Regel so aus, so dass sich das Modell Flexirente und Arbeit dennoch rechnet. 

Von der Regelung profitieren auch ältere Arbeitnehmer, die noch gar nicht in Rente sind. Sie gehen weiterhin ihrer beruflichen Tätigkeit nach, können aber gleichzeitig ihre Rente beantragen und erhalten dann beides: Arbeitslohn und Rente.

Frührente 2021: Ein Rechenbeispiel

Eine Altenpflegerin steht kurz vor der Rente. Ihre Regelaltersrente würde im Januar 2022 beginnen. Sie hat aber so viele Versicherungsjahre zusammen, so dass sie schon Anfang Januar 2021 abschlagfrei in Rente gehen könnte. Eine schöne Aussicht. Allerdings: Sie kann mit gerade 1.000 Euro Rente rechnen, was ziemlich wenig ist. Deshalb möchte sie lieber noch ein Jahr arbeiten gehen und ihr höheres Arbeitseinkommen von 2.500 Euro brutto beziehen.

Dank der ab Januar 2021 geltenden Hinzuverdienstgrenze ist nun folgendes möglich: Die Altenpflegerin beantragt ihre Rente und bezieht ab Januar ihre Rente von 1.000 Euro im Monat. Gleichzeitig arbeitet sie wie ursprünglich geplant in ihrem alten Job als Altenpflegerin weiter und verdient 2.500 Euro im Monat. Die Rente wird also nicht gekürzt. Sie bezieht Lohn  (2.500 Euro brutto) plus volle Rente (1.000 Euro), also 3.500 Euro im Monat. Im Vergleich zu ihrer ursprünglichen Planung bezieht sie im Jahr 2021 12.000 Euro mehr!

Worauf muss man achten?

Wer noch keine Rente beantragt hat, sollte z.B. schauen, wie lange er rentenversichert war. Bei 45 Versicherungsjahren fallen bei frühzeitigem Rentenbeginn keine Abschläge an, bei weniger als 45 Jahren durchaus – die dann auch noch für die gesamte Rentenlaufzeit gelten.

Auf die höheren Einkünfte, nämlich Rente plus Arbeitseinkommen, sind in jedem Fall Krankenkassenbeiträge fällig. Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung fallen nur auf das Arbeitseinkommen an. Betroffene sollten sich vorab beraten lassen, bei Gewerkschaften, Sozialverbänden oder auch bei den zugelassenen Rentenberatern.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 01. Juli 2020 | 20:15 Uhr