Ethische Geldanlage Geld nachhaltig anlegen – so funktioniert es

Nachhaltig, ökologisch und auch noch mit Gewinn – nachhaltige Geldanlagen boomen. Doch was steckt dahinter? Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen erklärt, welche Geldanlagen fürs gute Gewissen sich wirklich lohnen.

Pflanzen wachsen auf gestapelten Satang-Münzen
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Geld mit gutem Gewissen anlegen

Ethische Geldanlage ist als Konzept gar nicht so schwierig. Die Firmen, deren Anteile oder Produkte Sie kaufen wollen, sollen keine Waffen produzieren, nicht an der Atomkraft beteiligt sein, sich von Kinderarbeit fernhalten, das Klima nicht schädigen und trotzdem Geld verdienen. Von Alkohol, Glücksspiel, Pornografie oder grüner Gentechnik ist noch gar nicht die Rede.

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Solche Firmen gibt es nicht, sagen Sie? I wo. Gibt es sehr wohl. Die strenge Umsetzung einer solchen Strategie macht aber unendlich viel Arbeit. Vor allem, weil große Firmen heute in vielen Geschäftsbereichen vertreten sind und ganz schnell auf die eine andere Art und Weise Ihre ethischen Standards verletzen können.

Kein Alkohol – heißt das, alle Winzer scheiden aus, auch die ökologischen? Kein Glücksspiel, heißt das, ein ökologischer Hotelkonzern scheidet aus, wenn in seinen Hotels in Las Vegas auch Casinos betrieben werden? Rüstung – darf dann ein Softwarekonzern, der ans Pentagon liefert, noch dabei sein?

Ökologisch und ethisch streng sein ist bei der Geldanlage tatsächlich sehr aufwendig. Aber es ist vergleichsweise einfach ökologischer und ethischer als der große Rest der Menschheit seine Geldgeschäfte zu betreiben.

Wie Sie ethisch und ökologisch vorsorgen

Kleingeld in einem Glas, darauf wächst eine Pflanze.
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Das Girokonto können Sie ökologisch bei einer Bank wie der GLS oder einer Kirchenbank betreiben, wenn Sie keine Berührungsängste mit den Kirchen haben. Und wenn es Sie nicht stört, dass auch ethischen Kirchenbanken Bistümern gehören, deren Immobiliengeschäfte ihren strengen Standards vielleicht nicht genügen. Nicht zu reden von den Einschränkungen, die die katholische Kirche zum Beispiel Frauen auferlegt.

Bei solchen Banken können Sie häufig neben dem Girokonto auch ein Tagesgeld- oder Festgeldkonto unterhalten, das auch nicht mehr Zinsen bringt als bei der konventionellen Konkurrenz, aber auch nicht weniger. Bestzinsen verdienen Sie dort nicht, aber Verluste machen sie auch nicht.

Schließlich gibt es seit Jahrzehnten inzwischen ökologische und ethische Investmentfonds, die viele Investitionsmöglichkeiten ausschließen, aber trotzdem halbwegs ordentliche Renditen erwirtschaftet haben. Allerdings sind die Verwaltungskosten solcher Fonds oft besonders hoch, was es den Fondsmanagern schwer macht, langfristig mit gut gemanagten konventionellen Fonds mitzuhalten. Die Kosten müssen ja jedes Jahr neu erwirtschaftet werden.

Mit nachhaltigen Indexfonds in die Zukunft investieren

Einfacher gelingt der Weg in eine ökologischere Zukunft mit ökologischeren, ethischeren Indexfonds. Die machen sich die Auswahl der Firmen, in die investiert wird, vergleichsweise einfach.

Investiert ein klassischer weltweiter Indexfonds, der den MSCI World abbildet, idealerweise in rund 1.600 Firmen, sind es bei der ökologischeren kleinen Schwester vielleicht nur noch 400 Konzerne, in die investiert wird. Darunter immer noch Nestlé oder Microsoft.

Nicht mehr darunter aber sind natürlich Rüstungskonzerne, Atomkonzerne, Tabak, Alkohol, Casinos, Waffen, grüne Gentechnik, Kohle und Pornografie. Auch Apple, Amazon und Facebook fehlen. Da geht es dann um die Lieferketten für seltene Erden bei der Handyproduktion, den Umgang mit Gewerkschaften im Verbandhandel oder den Datenschutz bei Social Media-Unternehmen.

Eine Photovoltaikanlage als Geldanlage?

Eine Solaranlage auf einem Eigenheim.
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Relativ sauber ist auch die ganz praktische Öko-Geldanlage, die in Deutschland in den vergangenen zwei Jahrzehnten besonders populär war: Eine Solaranlage auf Dach, eine die Strom erzeugt, den man teuer an den örtlichen Stromkonzern verkaufen konnte. Und eine weitere, mit der man Warmwasser aufbereiten kann und die Heizung unterstützt. Die Hersteller der Anlagen mussten zwar keine ökologischen Musterknaben sein, aber das Ensemble hält strenge Standards ein.

Für die ohne Dach und ohne Bezug zu Aktien gibt es schließlich noch Ökokredit, eine kirchliche Finanzierungseinrichtung, die mit Microkrediten die wirtschaftliche Entwicklung in vielen Ländern der 3. Welt unterstützt und zu Hause ihren Geldgebern jahrzehntelang zwei Prozent Zinsen im Jahr zahlte.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 25. Februar 2020 | 17:00 Uhr