Gestapelte Geldmünzen auf Geldscheinen
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Wertvolle Tipps Sparen trotz wenig Geld: Finanztipps für Geringverdiener

Kaum Geld auf dem Konto, aber trotzdem fürs Alter vorsorgen? Geld zur Seite legen ist auch mit geringem Einkommen möglich, wenn man einige Dinge beachtet. Experte Hermann-Josef Tenhagen hat Spartipps für Geringverdiener.

Gestapelte Geldmünzen auf Geldscheinen
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Sparen, wo es geht

Wenn das Geld vorne und hinten nicht reicht, verfangen die üblichen Tipps der Geldbranche nicht. Mehr Rendite setzt voraus, dass Geld zum Anlegen da ist, Aktiengeschäfte, selbst in ihrer einfachsten und wirkungsvollsten Form als Aktienindexfonds, verlangen nach 25 Euro im Monat, die übrig sind und die so angelegt werden können.

Wenn das Geld vorne und hinten nicht reicht, dann geht es ums Sparen. Und tatsächlich gibt es ein paar grundlegende Tipps, wie man seine Kröten zusammenhält, ohne auf den letzten Rest Würde und Gestaltungsfreiheit zu verzichten – oder besser noch, wie man mit diesen Tipps seine Würde zurückgewinnt.

Die Tipps lassen sich grob unterteilen in Möglichkeiten, die gleiche notwendige Dienstleistung für weniger Geld zu bekommen. Und zweitens in Tipps, wie man die Finger in die Fördertöpfe des Systems bekommt.

Zu teure Dienstleistungen

Tipps zum Sparen
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Fangen wir bei den viel zu teuren Dienstleistungen an. Am meisten Geld sparen können Haushalte, die knapp bei Kasse sind, bei Strom, Gas und Heizung. Wichtig ist zum Beispiel, keinesfalls in der Grundversorgung beim lokalen Anbieter zu bleiben. Sondern mindestens in dessen (preisgünstigeren) Sondertarif zu wechseln. Besser noch ist es, zu einem wirklich günstigen Anbieter zu wechseln. Dann sind pro Jahr für eine Familie 200 bis 400 Euro Ersparnis drin. Wer richtig gut organisiert ist, kann auch nach Tarifen mit hohen Bonuszahlungen suchen. Aber Obacht, dort gibt es häufig Fußangeln, wenn man das Sonderangebot nicht rechtzeitig wieder kündigt.

Die nächste große Position in vielen Haushaltskassen beinhaltet Smartphone, Telefon, Fernsehen und Video. Preiswerte Prepaid-Handytarife gibt es für deutlich unter 10 Euro im Monat. Das Festnetz ist oftmals viel teurer und eigentlich verzichtbar.

Wenn es um das Internet geht, dann ist Deutschland europaweit bei der Netzabdeckung und beim freien Internet über mobile Hotspots hintendran. Hier können Erwachsene oft von den Strategien der Jugendlichen lernen, die wegen enger oder nicht vorhandener Budgets genau wissen, wo es freie Netzzugänge gibt und wie man dort seine Downloads erledigt. Wenn das Geld nicht reicht, müssen Netflix und Skype sterben. In jedem Fall sollte der heimische Internet- und Festnetzanschluss aber unter 30 Euro im Monat bleiben.

Beim Girokonto sparen

Tipps zum Sparen
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Der nächste zu teure Posten bei knappem Budget ist das klassische Girokonto bei der Bank. Stellen Sie Ihr Konto auf ein günstigeres Modell um – oder wenn die Bank nicht mitspielen will, wechseln Sie die Bank. Die Ersparnis ist eine doppelte. Sie sparen zwischen drei und sieben Euro Grundgebühr im Monat, teure Nebenkosten für Partnerkarten oder Überweisungen. Und oftmals ist auch der Dispo bei der neuen Bank noch preiswerter, sieben statt 12 Prozent. Wenn Sie im Schnitt mit 1.000 Euro im Dispo sind, macht das schnell noch einmal 50 Euro Zinsen im Jahr aus.

Wenn Sie die Bank nicht mehr wechseln können, weil Sie so tief im Dispo stecken, dann brauchen Sie Beratung. Versuchen Sie so schnell wie möglich an einen entsprechenden Beratungstermin zu bekommen und achten Sie in der Zwischenzeit darauf, wenigstens keine Folgeschäden einzufangen, also etwa hohe Mahngebühren oder gar Forderungen von Inkassounternehmen. Wichtig für Onlinebesteller. Sie können jede Bestellung binnen 14 Tagen widerrufen, nachdem Sie das Produkt vom Onlinehändler erhalten haben.

Bei Verbraucherzentralen und Schuldnerberatungen gilt das Gleiche wie beim Arzt. Schmerzpatienten gehen vor. Wenn Ihr Problem riesengroß ist, sollten Sie das gleich beim ersten Kontakt sagen.

Auch mit wenig Gehalt etwas sparen

Haushaltsbuch liegt neben Geld und Taschenrechner auf dem Tisch.
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Sie haben Ihr Konto soweit oder wieder im Griff, aber es bleibt so wenig übrig, dass sich das Sparen nicht lohnt, meinen Sie. Irrtum. Jetzt brauchen Sie zwei Dinge. Ein paar Euros im Monat, die Sie auf einem separaten kostenlosen Tagesgeldkonto parken. Wenn im kommenden Jahr die Waschmaschine kaputt geht, gerade in der Woche vor der Klassenreise der Tochter, kommen Sie mit einer solchen eisernen Reserve nicht mehr in Bedrängnis.

Außerdem sollten Sie in jedem Fall das geschenkte Geld von Arbeitgeber und Vater Staat mitnehmen. Wenn in Ihrer Branche vermögenswirksame Leistungen vorgesehen sind, fragen Sie Ihren Chef danach. Sie müssen nur ein Konto einrichten. Das Geld fließt dann von allein. Einmal im Jahr gibt es für Niedrigverdiener per Antrag zusätzliche staatliche Förderung. Nach einigen Jahren haben sich dann Minimum ein paar hundert Euro angesammelt, die eiserne Reserve, wenn man sie braucht. Nutzen Sie auch sonstige Extras vom Arbeitgeber. Seit diesem Jahr kann der Arbeitgeber Ihnen das Nahverkehrsmonatsticket bezahlen, ohne weitere Abgaben leisten zu müssen. Städte wie Erfurt geben für viele Kinder kostenlose Schülertickets aus. In Halle sind kostenlose Schülertickets geplant.

Förderungen nutzen

Auch die Förderung für die Altersvorsorge sollten Sie mitnehmen. Ja es stimmt, die Renditen bei Riester und Betriebsrenten sind selbst bei guten Verträgen nicht berauschend. Aber die staatliche Förderung ist ordentlich. Und das Geld müssen Sie auch in Krisenzeiten nicht aufbrauchen, bevor Sie Geld vom Amt bekommen. Wenn Sie ganz wenig verdienen und noch Kinder haben, sind Sie beim Riester mit fünf Euro Einzahlung im Monat dabei. Hinzu kommen jährlich 175 Euro Förderung und noch einmal 300 Euro für jedes Kind, das nach 2007 geboren ist. Für die älteren Kinder gibt es 185 Euro pro Jahr.

Auch noch wichtig: Ist zu Rentenbeginn sehr wenig Geld im Vertrag, können Sie sich die Riester-Rente auf einen Schlag komplett auszahlen lassen.

Ist ein bisschen mehr Geld im Riester-Vertrag oder in der Betriebsrente, werden diese Bausteine Ihrer Altersvorsorge vom Sozialamt nicht angerechnet, bevor Sie Grundrente bekommen. Sie haben also im Alter tatsächlich mehr Geld in der Tasche, selbst wenn Sie auf Grundrente angewiesen sind.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 12. Februar 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2019, 18:42 Uhr