Gesetzliche Krankenversicherung So finden Sie gute und preiswerte Krankenkassen

Viele Krankenkassen könnten bald teurer werden. Wer den Geldbeutel schonen möchte, kann ganz einfach die gesetzliche Krankenversicherung wechseln. Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen erklärt, worauf man achten sollte.

Arztpraxis, Elektronische Gesundheitskarte, Detail von Leonardo-Logo und Datenchip
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Die Krankenkasse können Sie wechseln – wie Ihren Stromvertrag oder die Kfz-Versicherung. Genauso schnell und ohne großes Risiko. Bei den Überlegungen für einen Wechsel sind die Kriterien eigentlich die gleichen, eine gute Leistung und ein fairer Preis. Ganz das Gleiche ist es dann aber doch nicht. Hier eine kleine Anleitung:

Wie Sie die beste gesetzliche Krankenkasse finden

95 Prozent der Leistung der Krankenkassen sind eigentlich gleich. Und doch kann es sich wegen der Leistung lohnen, die Krankenkasse zu wechseln. Einmal weil der Service bei der Leistung Ihrer Kasse nicht stimmt. Sie brauchen einen Sachbearbeiter in einer Geschäftsstelle, an den Sie sich persönlich wenden können. Und die schließt. Sie haben eine Reha-Leistung beantragt und nicht bewilligt bekommen. Und die Kasse hat ihnen nicht einmal vernünftig erklären können, warum das nicht ging.

Dann weil Sie genau die Extra-Leistungen nicht bekommen, die Sie aber gut brauchen könnten. Manche Kasse zahlt für die Grippeimpfung, auch wenn Sie keiner Risikogruppe angehören. Andere zahlen die Zahnreinigung, Extra-Vorsorge für Kinder oder viele teure Reiseimpfungen.

In beiden Fällen suchen Sie sich am besten eine besonders leistungsstarke Kasse. Finanztip hat die bundesweit geöffneten Krankenkassen verglichen und eine ganz klare Empfehlung:

Leistungen und Service vergleichen

Am besten abgeschnitten beim Vergleich hat die IKK Classic. Sie konnte vor allem im Bereich Familie punkten sowie bei Gesundheitskursen, Zahnreinigung und anderen Vorsorgeleistungen. Der Spitzenreiter der vergangenen Jahre, die HEK, landete knapp auf dem zweiten Platz. Sie war besonders stark bei Impfungen und Krebsfrüherkennung sowie Vorsorge für Kinder. Beide Kassen verlangen 15,6 Prozent Beitrag – was leicht unter dem Durchschnitt liegt.

Finanztip hat 26 Kriterien aus den Bereichen Service, Familie, Vorsorge und alternative Heilmethoden bewertet, von der Zahl der Geschäftsstellen über digitale Serviceangebote bis hin zu Leistungen für Schwangere, Krebsvorsorge und Gesundheitskursen.

Ergebnisse des Krankenkassenvergleichs 2020 in Prozent
Kasse Gesamt Beitrag Service Familie Vorsorge Alternative Medizin
IKK Classic 78 15,6 % 71 88 73 86
HEK 76 15,6 % 81 65 80 75
HKK 72 14,99 % 70 51 80 93
Viactiv 71 15,8 % 79 74 65 64
TK 70 15,3 % 100 38 62 82
IKK Gesund Plus 69 15,2 % 59 66 71 100
BKK Firmus 67 15,04 % 59 65 78 57
BKK VBU 66 15,9 % 30 79 79 100
Pronova BKK 66 16,1 % 73 71 60 57
SBK 66 15,9 % 97 44 59 46
Barmer 53 15,7 % 97 36 31 36

Auszug, Werte gerundet, Quelle: Finanztip-Erhebung (Stand: 24. Januar 2020)

Manche wollen bei der Krankenkasse aber vor allem sparen. Das geht tatsächlich auch. Wer in einer teuren Krankenkasse ist, zahlt gemeinsam mit dem Arbeitgeber über 16 Prozent Beitrag, in einer preiswerten sind es unter 15 Prozent. Bei einem Bruttoeinkommen von 3.000 Euro im Monat macht das 15 Euro Unterschied für Sie und noch mal 15 Euro für den Arbeitgeber.

Warum die AOK im bundesweiten Vergleich nicht auftaucht Die AOK besteht aus 11 eigenständig arbeitenden Ortskrankenkassen. Deshalb taucht sie im bundesweiten Vergleich nicht auf, sondern kann nur in begrenzten Auswertungen (pro Bundesland oder Region) mit anderen Kassen verglichen werden.

Hier finden Sie die Finanztip-Übersicht der günstigsten Kassen. Die HKK ist übrigens immer noch die günstigste bundesweite Kasse und landete auch im Leistungsvergleich ziemlich weit vorne – sie bietet damit ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. In Thüringen und Sachsen ist sie auch die günstigste. In Sachsen-Anhalt ist die AOK Sachsen-Anhalt die preiswerteste.

Die günstigsten Krankenkassen 2020 nach Bundesland
Bundesland Kasse Gesamtbeitrag
Sachsen-Anhalt AOK Sachsen-Anhalt 14,6 %
Thüringen HKK 14,99 %
Sachsen HKK 14,99 %
Brandenburg HKK 14,99 %

Auszug, Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 3. Januar 2020)

Was für und gegen einen Wechsel spricht

Manchmal geht es aber auch um sehr spezielle Leistungen Ihrer Krankenkasse. Wenn Sie solche speziellen Leistungen benötigen und Ihre bisherige Kasse funktioniert gut, spricht das eher gegen einen Wechsel.

Wenn es aber gerade nicht funktioniert, spricht das besonders für einen Wechsel. Vor diesem Wechsel sollten Sie allerdings bei der in Aussicht genommenen Kasse noch einmal genau nachfragen, wie genau die besonders wichtige Leistung in Ihrer Region, in Ihrer Stadt gewährleistet wird. Nicht dass Sie vom Regen in die Traufe kommen. Wechseln können Sie nämlich nur alle 18 Monate.

Keine Sorge: Nicht versichert zu sein, dass kann Ihnen bei einem Wechsel nicht passieren. Klappt der Wechsel aus irgendeinem Grund nicht, sind Sie weiterhin bei Ihrer alten Kasse versichert.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 28. Januar 2020 | 17:00 Uhr