Wer zahlt für Mehrausgaben? Homeoffice-Kosten: Verhandlungssache mit dem Arbeitgeber

Jessica Brautzsch
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Während der Corona-Krise hat fast jeder zweite Arbeitnehmer ganz oder teilweise von zuhause aus gearbeitet. Viele Menschen sind noch immer im Homeoffice. Die Kosten für einen neuen Laptop, für Strom oder für Druckerpatronen können sich dabei summieren. Einen Anspruch auf die Erstattung der Ausgaben gibt es nicht. Dennoch können Arbeitnehmer mit ihren Arbeitgebern verhandeln und steuerliche Möglichkeiten nutzen.

Eine Frau nimmt aufgrund der Ausbreitung des Coronaviruses aus ihrem Wohnzimmer an einer Telefonkonferenz teil.
Im Homeoffice fallen in der Regel Kosten für Telefon, Internet und Strom an. Werden neue Geräte, etwa ein Computer, angeschafft, können sich die Kosten schnell erhöhen. Bildrechte: dpa

Im coronabedingten Homeoffice wird der Brief an den Kunden am selben Laptop geschrieben, mit dem sonst Serien geschaut werden. Und am Küchentisch wird nicht nur gegessen, es werden auch Excel-Tabellen erstellt. Doch Homeoffice heißt auch: Laptop und Handy müssen häufiger geladen werden. Mit dem privaten Drucker wird mehr gedruckt. Und der ein oder andere richtet sich vielleicht einen richtigen Arbeitsplatz ein, um nicht über Wochen von der Couch aus zu arbeiten. Das alles kostet.

Vor diesem Hintergrund haben sich in den vergangenen Wochen immer wieder Menschen an Miruna Xenocrat vom Verein Arbeitnehmerhilfe gewandt: "Kostentechnisch waren da natürlich Fragen von Leuten, die ins Homeoffice geschickt wurden vom Arbeitgeber: Wer zahlt, was kann ich steuerlich absetzen und was nicht? Und wie werden mir die Kosten erstattet?"

Kein Rechtsanspruch

Die Antwort der Anwältin für Arbeitsrecht: "Es kommt darauf an". Recht einfach ist da die Situation bei Materialien, die ausschließlich für die Arbeit gebraucht werden, wie zum Beispiel Laptops und Handys, die nur für berufliche Zwecke genutzt werden. Diese müssen vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden.

Viel schwieriger ist die Situation allerdings bei Dingen, die für die Arbeit und privat genutzt werden. Etwa, wenn sich jemand extra einen Laptop fürs Homeoffice gekauft hat, aber diesen auch privat nutzt. Hier könne der Arbeitnehmer vom Arbeitgeber fordern, sich "ganz" oder "teilweise" an den Kosten zu beteiligen, empfiehlt der Deutsche Mittelstandsbund. Doch diese Überlegung ist recht theoretisch. Rechtsanwältin Xenocrat betont:

Ein Rechtsanspruch auf Kostenerstattung durch den Arbeitgeber besteht nicht.

Miruna Xenocrat, Rechtsanwältin Verein Arbeitnehmerhilfe

Pauschale für kleinteilige Kosten

Zu welchen Teilen etwas privat und beruflich genutzt wird, ist einfach zu schwer aufzudröseln. Noch kleinteiliger sieht es bei den Kosten für Miete, Wasser oder Strom aus. Zumal der Stromverbrauch etwa im Homeoffice relativ überschaubar scheint. So berechnete das Vergleichsportal Verivox, dass ein Laptop pro Arbeitstag Stromkosten im Wert von 15 Cent verursacht. Wer sein Smartphone drei Stunden am Tag lade, bezahle wiederum einen halben Cent.

Der Deutsche Mittelstandsbund empfiehlt für diese schwierigen Fälle "Homeoffice-Vereinbarungen mit Pauschalregelung" zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern: "Vor allem bei den nur schwer zu berechnenden Aufwendungen liegt es nahe, Pauschalen zu vereinbaren und nicht an den tatsächlichen "Verbrauch" anzuknüpfen." Für den Verbrauch von Strom und Wasser sowie anfallende Heizkosten werde vielfach eine Pauschale in Höhe von 50 Euro monatlich empfohlen und für angemessen erachtet.

Steuern sparen

Natürlich lassen sich einfache Büromaterialien auch steuerlich absetzen. Anschaffungen wie Drucker und Computer zumindest teilweise. Kosten für Telefon oder Internet können mit entweder 20 Prozent der jeweiligen Monatsabrechnung oder maximal 20 Euro pro Monat abgesetzt werden.

Rechtsanwältin Xenocrat rät dazu, für das Finanzamt zu dokumentieren, ab wann und für wie lange man ins Homeoffice geschickt wurde beziehungsweise wie lange keine Möglichkeit bestand, einen Arbeitsplatz im Büro zu nutzen.

Wer zahlt also für die Kosten im Homeoffice? Die Antwort auf diese Frage liegt wohl in einem vertrauensvollen Kontakt zum Arbeitgeber und zum eigenen Steuerberater. Und zu einem gewissen Teil wird die Antwort am Ende auch lauten: Der Arbeitnehmer.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 01. August 2020 | 06:53 Uhr

4 Kommentare

Ekkehard Kohfeld vor 6 Wochen

"Wenn bei mir zu hause den ganzen Tag von früh bis spät Abends der Rechner läuft, kommt schon sehr wohl einiges an Stromkosten zusammen."

Richtig der der braucht schon eine Menge mehr wie ein Handy beim laden.
Bei einem 500W Netzteil sind das in der Stunde ein halbes KW (500 W * 1 h = 500 W/h (0,5 KW/h) ). Da kommt auf Jahr gerechnet schon einiges zusammen.
Und da kommt an noch einiges dazu,Monitor,Router usw das läppert sich.

Grooveman vor 6 Wochen

Na ja, das ist schon ein schwacher Vergleich auf der Sonnenseite ... Wenn bei mir zu hause den ganzen Tag von früh bis spät Abends der Rechner läuft, kommt schon sehr wohl einiges an Stromkosten zusammen.

Auf der Sonnenseite des Lebens vor 6 Wochen

"Die Kosten für einen neuen Laptop, für Strom oder für Druckerpatronen können sich dabei summieren. "

LOL, Strom?

na dann sollte man aber auch nie sein Handy im Büro geladen haben.