Zwei Spielzeugfiguren und ein Kugelschreiber auf einem Versicherungsschein
Bildrechte: imago/Schöning

Was sich lohnt Lebensversicherung – kündigen, verkaufen oder behalten?

Die Zinsen sind niedrig, die Kunden verunsichert: Hat die Lebensversicherung als Altersvorsorge ausgedient? Experte Hermann-Josef Tenhagen erklärt, was sich lohnt: Einfach behalten, kündigen und auszahlen lassen oder verkaufen?

Zwei Spielzeugfiguren und ein Kugelschreiber auf einem Versicherungsschein
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Alte Verträge nicht kündigen, neue nicht abschließen

Dieser Leitsatz ist erstmal ein guter Ausgangspunkt für die Betrachtung einer Lebensversicherung aus Kundensicht. Jedenfalls wenn es eine ist, mit der man nicht nur seine Angehörigen absichern, sondern auch sparen will. Also klassische und fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungen, Riester- Rentenversicherungen und Rürup-Versicherungen.

Nicht jedoch die Risiko-Lebensversicherung zur Absicherung der Familie oder des Geschäftspartners. Preiswert abgeschlossen, ist die immer sinnvoll. Es gibt eigentlich nur wenige Situationen, in denen es sinnvoll ist eine vor Jahren abgeschlossene Lebensversicherung zu Sparzwecken wieder zu kündigen. Die Wichtigste: Der Vertrag ist erst einige Jahre alt, viel zu teuer – und Sie möchten kein weiteres Geld verbrennen.

Wer kündigt, zahlt drauf

In allen anderen Fällen gibt es gleich mehrere Alternativen, die allesamt besser, vor allem lukrativer sind als die Kündigung. Warum?

Der Hauptgrund: Kündigen Sie Ihr Vertragsverhältnis mit der Versicherung auf, zahlen Sie eigentlich immer drauf. Die Abschlusskosten, also die Provisionen, die Sie gleich zu Beginn des Vertrages zahlen müssen, sind verloren. Sie verzichten auf künftige Erfolge bei der Geldanlage, also auf die Überschüsse, die eine Rendite jenseits der Garantie bringen. Sie verzichten auf den Bonus zum Laufzeitende, bei Verträgen aus den 1990er-Jahren fällt eine gute Sparverzinsung weg.

Wenn Sie den Vertrag aber dennoch loswerden wollen oder müssen, gibt es zumeist günstigere Wege als die Kündigung.

Verkaufen

Seniorenpaar sitzt auf Geldscheinen, Symbolfoto
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Wenn Sie das Geld aus dem Lebensversicherungsvertrag dringend brauchen, um einen Kredit zu tilgen oder für eine Notsituation, dann sollten Sie Ihre Lebensversicherung verkaufen. Spezielle Policen-Ankäufer bieten ein paar Prozentpunkte mehr für Ihren Vertrag als die Versicherung – allerdings nur für ältere Verträge mit gutem Garantiezins. Das macht schnell ein paar tausend Euro aus.

Die Ankäufer zahlen Ihnen oft einen Preis für den Vertrag, der höher ist als der Rückkaufswert, den Sie von ihrem Versicherer bekommen würden. Die Aufkäufer führen Ihren Vertrag aber bis zum Ende weiter, samt aller Zinsen und dem Schlussbonus. Holen Sie sich Angebote von mehreren Anbietern ein.

Beleihen

Sie müssen nur einen finanziellen Engpass überbrücken, haben später aber wieder mehr finanziellen Spielraum. Dann wäre es schade, wenn Sie eine Lebensversicherung aus den 1990er- oder den frühen 2000er-Jahren kündigen oder verkaufen. Die Garantiezinsen sind zu gut, die Auszahlung gibt es häufig steuerfrei.

Besser, Sie beleihen Ihren Vertrag. Das bedeutet, eine Bank gewährt Ihnen ein Darlehen in der Höhe des Werts Ihrer Lebensversicherung. Das lohnt sich immer dann, wenn Sie ohne viel Mühe an das Darlehen kommen und den Betrag am Ende einer vereinbarten Zeit auf einmal zurückzahlen können. Sie können weiterhin in die Versicherung einzahlen.

Die Zinsen für ein solches Darlehen sind gegebenenfalls höher als bei einem Ratenkredit. Prüfen Sie daher auch diese Alternative.

Beitragsfrei stellen

Sie wollen jetzt die Beiträge einsparen. Vielleicht haben Sie gerade einen Engpass und können oder wollen die monatlichen Zahlungen in die Lebensversicherung nicht leisten. Dann pausieren Sie einfach! Dies ist für eine gewisse Zeit in der Regel problemlos möglich. Alternativ können Sie Ihre Beiträge manchmal auch aus Überschüssen begleichen. Verträge lassen sich ansonsten auch dauerhaft beitragsfrei stellen: Sie setzen die Zahlungen also ein für alle Mal aus und warten auf die Auszahlung, bis Sie in Rente gehen. Das lohnt sich immer, wenn Sie Ihren Vertrag schon vor 2005 abgeschlossen haben – er hat dann eine gute Sparverzinsung und Sie bekommen die Auszahlung steuerfrei. Bei jüngeren Verträgen prüfen Sie, ob Sie den Vertrag verkaufen können.

Zu teurer Vertrag

Ihr Vertrag scheint Ihnen einfach zu teuer. Überprüfen Sie zuerst mithilfe des Finanztip-Rechners, ob Ihr Vertrag wirklich unrentabel ist. Dafür sollten Sie alle wichtigen Daten vom Versicherer abfragen. Stellt sich heraus, dass Ihr Vertrag tatsächlich zu teuer ist, versuchen Sie zunächst, ihn zu verkaufen.

Vor allem dann, wenn Sie Ihren Vertrag erst in den vergangenen zwei, drei Jahren abgeschlossen haben, findet sich dafür meist keinen Ankäufer. Stellt sich der Vertrag als unrentabel heraus, müssen Sie in den sauren Apfel beißen und tatsächlich kündigen.

Alte Verträge widerrufen

Zahlreiche alte Lebensversicherungsverträge können Sie auch anders loswerden. Mit einem einfachen Widerspruch. Der Grund: Rund sechs von zehn Widerspruchsbelehrungen sind nach einer Erhebung der Verbraucherzentrale Hamburg fehlerhaft. Und wenn die Belehrung fehlerhaft ist, beginnt die 14- oder 30-tägige Frist, innerhalb derer Sie widersprechen können, gar nicht zu laufen. Sie können also auch noch nach Jahren widersprechen. Hat sich der alte Versicherungsvertrag inzwischen als ungünstig entpuppt, könnten Sie von den Fehlern profitieren. Ein erfolgreicher Widerspruch oder Rücktritt führt zur Rückabwicklung. Versicherte bekommen die eingezahlten Beiträge zurück und erhalten auch noch Zinsen. Der Versicherer darf unter Umständen bestimmte Posten davon abziehen.

Interessant ist das vor allem für Verträge, die Sie zwischen dem 29. Juli 1994 und dem 31. Dezember 2007 abgeschlossen haben. Und es gibt noch einen besonderen Clou.

Vielleicht haben Sie einen Vertrag aus der Zeit auch schon beendet und sich über den niedrigen Rückkaufswert geärgert. Sie können dem Vertrag aber sogar dann noch nachträglich widersprechen: Der Vertrag würde noch einmal abgewickelt, zu deutlich besseren Konditionen.

Dieses Thema im Programm: MDR um 4 | 26. März 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. März 2019, 22:30 Uhr