Lebensversicherung, Kugelschreiber, Geldscheine
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Was tun mit dem Klassiker? Pro und Contra Lebensversicherung

Millionen Deutsche haben eine, Verbraucherschützer raten regelmäßig ab: Lebensversicherungen. Was tun mit diesem Klassiker der Geldanlage? Weiterbesparen? Verkaufen? Stilllegen? Versicherungsexpertin Annika Krempel erklärt die Vor- und Nachteile der Lebensversicherung und der Risiko-Lebensversicherung.

Lebensversicherung, Kugelschreiber, Geldscheine
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Die Lebensversicherung ist für viele noch immer der Inbegriff der Altersvorsorge. Doch niedrige Zinsen machen die Lebensversicherung zunehmend unrentabel. Jetzt fragen sich viele Versicherte, was sie mit ihrem Vertrag machen sollen. Lohnt sich ein Abschluss heute noch? Annika Krempel, Versicherungsexpertin beim Verbraucher-Ratgeber "Finanztip", beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wer bisher noch keine Lebensversicherung hat, sollte sich derzeit auch davon fernhalten. Die Kosten für Abschluss und Verwaltung sind hoch, dagegen die erwartbaren Zinsen niedrig. Der Garantiezins, also die Verzinsung, die der Anbieter fest verspricht, liegt derzeit bei höchstens 0,9 Prozent. Und die Überschüsse, die eigentlich für die Wertsteigerung eines solchen Vertrages sorgen sollen, sinken seit Jahren. Wer für sein Alter vorsorgen möchte, sollte andere Formen der Altersvorsorge nutzen.

Lebensversicherung als Risikoschutz

Geldanlage - Sicherheit oder Risiko?
Lohnt sich, wenn Sie Angehörige finanziell absichern möchten: Eine Lebensversicherung als Risikoschutz, die Risiko-Lebensversicherung. Bildrechte: colourbox

Es gibt eine Ausnahme, wo eine Lebensversicherung doch sinnvoll ist: und zwar als Risiko-Lebensversicherung. Bei dieser Police wird, anders als bei einer kapital- oder fondsgebundenen Lebensversicherung, kein Geld angespart. Sie funktioniert wie jede typische Versicherung als reiner Risikoschutz. Es gibt nur Geld, wenn der Versicherte stirbt. Dafür sind die Beiträge niedriger als bei einer klassischen Lebensversicherung.

Wer seine Angehörigen im Todesfall finanziell absichern möchte, sollte eine Risiko-Lebensversicherung abschließen. Besonders sinnvoll ist das, wenn der Versicherte Allein- oder Hauptverdiener ist. Oder die Familie mit nur einem Gehalt nicht über die Runden kommt. Auch wer eine Immobilie finanziert, sollte eine Risiko-Lebensversicherung besitzen.

Kündigen oder behalten?

Im Hinblick auf die niedrigen Zinsen fragen sich derzeit viele Besitzer einer Lebensversicherung, was sie damit machen sollen. Schließlich sind die Beiträge meist hoch und es heißt oft, dass sich die Lebensversicherung nicht mehr lohnt. Das ist aber nicht immer richtig. Haben Sie noch eine ältere Police, die vielleicht drei oder gar vier Prozent Garantiezins hat, sollten Sie diese unbedingt behalten. Denn solch eine sichere Verzinsung bekommen Sie heute nirgendwo.

In einem Rosa Briefumschlag steckt ein Zettel mit der Aufschrift Kündigung
Das Credo lautet: Eine alte Lebensversicherung sollten Sie nicht kündigen – besser ist es, die Versicherung beitragsfrei zu stellen oder gar zu verkaufen. Bildrechte: IMAGO

Wer aus der Lebensversicherung aussteigen will, für den ist eine Kündigung in der Regel die schlechteste Lösung. Damit verschenken Sie unnötig Geld, denn die Versicherung zahlt nur den Rückkaufswert der Police an Sie aus. Besser ist, die Versicherung beitragsfrei zu stellen oder zu verkaufen.

Wer das Geld braucht, sollte es mit einem Verkauf bei einem speziellen Aufkäufer für Lebensversicherungen versuchen. Der zahlt in der Regel etwas mehr als den Rückkaufswert der Police.

Auch um kurzfristig einen finanziellen Engpass zu überbrücken, lässt sich die Versicherung beitragsfrei stellen. Nach kurzer Unterbrechung ist es in der Regel möglich, wieder einzuzahlen und den Vertrag fortzusetzen. Auch wer kurz vor der Auszahlung der Versicherung steht, sollte diese Möglichkeit prüfen. Denn dann sichern Sie sich weiter das Anrecht auf den Schlussüberschuss, der den Wert der Versicherung nochmal deutlich erhöht.

Steuer auf Lebensversicherung

Zum Jahr 2005 hat der Staat die Besteuerung von Lebensversicherungen verändert. Wer eine Police davor abgeschlossen hat, kann die Beiträge von der Steuer absetzen. Bei der Auszahlung ist der Betrag steuerfrei, wenn er auf einen Schlag ausgezahlt wird. Erhalten Sie die Auszahlung als (Leib-)Rente, müssen Sie den Ertragsanteil mit Ihrem persönlichen Steuersatz versteuern. Wie hoch genau der Ertragsanteil ist, auf den Steuern anfallen, hängt vom Alter ab, ab dem die Leibrente ausgezahlt wird. Wer mit 65 Jahren beginnt, muss auf 18 Prozent der Zahlung Steuern abführen.

Stammt die Versicherung aus dem Jahr 2005 oder später, sind die Beiträge nicht mehr steuerfrei. Bei einer Einmalzahlung müssen Sie nur die Hälfte des Ertragsanteils besteuern, der die Differenz zwischen der Auszahlung und der gezahlten Beiträge ist. Erhalten Sie eine Rente, fällt die gleiche Steuer an, wie bei einer Versicherung, die vor 2005 abgeschlossen wurde.

Dieses Thema im Programm: MDR um 4 | 15. August 2017 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. August 2018, 10:00 Uhr