Vermögenswirksame Leistungen Wie Sie mehr Geld vom Chef bekommen

Geldgeschenke macht kaum einer – außer manche Arbeitgeber. Viele kennen die sogenannten "vermögenswirksamen Leistungen" als Angebot vom Chef. Doch wie sollte man damit umgehen? Bekannt ist oft, dass Bausparverträge damit gefüllt werden. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, das Geld zu bekommen. Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen erklärt, wie Sie zusätzliches Geld vom Chef bekommen können.

Tenhagen 13 min
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Welche Geldleistungen gibt es?

Manchmal sind sich ChefInnen und Angestellte sogar einig. Wenn es denn extra Geld gibt, dann soll gerade auch in Corona-Zeiten möglichst viel davon auch bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ankommen. Das versteht auch der Staat, und so konnten Chefinnen und Chefs im vergangenen Jahr eine Corona-Sonderprämie von bis zu 1.500 Euro zahlen, die dann auch komplett auf dem Konto ankam, weil der Staat auf Steuern und Sozialabgaben verzichtet hat.

Aber es gibt noch eine Reihe anderer möglicher Leistungen von Arbeitgebern, die zusätzlich beim Mitarbeitenden ankommen, manchmal ist sogar eine staatliche Prämie drin.

Gehaltsumwandlung

Seit 2002 kann jeder Beschäftigte einen Teil seines Gehaltes für die Rente umwandeln und so Steuern sparen. Für bis zu 268 Euro im Monat müssen dann keine Steuern und keine Sozialabgaben gezahlt werden. Nur steuerfrei kann der Betrag sogar doppelt so hoch sein (536 Euro).

Chefinnen und Chefs müssen auf Nachfrage dafür ein Angebot machen. Seit 2019 müssen sie bei neuen Verträgen zudem mindestens 15 Prozent drauflegen. Ab 2022 gilt das auch für alte Verträge. In guten Firmen gibt es noch deutlich mehr Zuschuss.

Vermögenswirksame Leistungen
Seit mehr als 50 Jahren können Firmen ihren Mitarbeitenden extra Geld zum Sparen zahlen. Sie wurden im Sommer 1961 von der damaligen Bundesregierung erfunden. Die Zahlungen sind entweder in Tarifverträgen festgelegt oder auch einzeln im Unternehmen vereinbart. Fragen Sie Ihre Chefin oder Ihren Chef, die Lohnbuchhaltung oder den Betriebsrat.

Etwa die Hälfte der Beschäftigten hat ein Recht auf vermögenswirksame Leistungen. Von diesen Berechtigten nimmt allerdings nur die Hälfte dieses Recht wahr. Dabei sind bis zu 40 Euro im Monat Extra sind drin. Bei Banken und Versicherungen werden oft tatsächlich 40 Euro gezahlt, in der Baubranche teilweise bis zu 23 Euro, im öffentlichen Dienst nur 6,65 Euro. Das Geld muss über sechs Jahren gespart werden und ein siebtes Jahr liegen bleiben, dann gibt es bei niedrigen Einkommen zusätzlich auch noch staatliche Förderung. Wer das möchte und vielleicht weniger bekommt, der kann die vermögenswirksamen Leistungen selbst aufstocken.

Wo vermögenswirksame Leistungen angelegt werden können:

  • In Aktienfonds,
  • in Bausparverträgen,
  • in Sparverträgen
  • und in Lebensversicherungen.

Außerdem kann das gesparte Geld genutzt werden, um Raten für die eigene Wohnung oder das eigene Haus abzuzahlen.

Jobtickets oder Spritgutscheine

Arbeitgeber können ihren Mitarbeitenden auch jeden Monat einen Zuschuss für den Weg zur Arbeit zahlen, entweder als Spritgutschein oder als Jobticket für den öffentlichen Nahverkehr. Auch für dieses Extra müssen keine Steuern gezahlt werden. Während also von 100 Euro brutto oftmals wenig mehr als 50 Euro netto übrig bleiben, spart das Jobticket eins zu eins den monatlichen Ticketpreis. Wenn Sie beruflich viel mit der Bahn reisen müssen, ist sogar eine "Bahncard 100“ drin. Im Fachjargon heißt so etwas "steuerfreie Sachzuwendung".

Dienstwagen oder E-Bike

Wenn Sie für den Job mobil sein sollen, sprechen Sie mit der Firmenleitung auch über einen Dienstwagen oder ein E-Bike. Für die eigenen Kilometer müssen Sie bei einem Dienst-E-Auto nur ein Viertel der Steuern zahlen, die für einen Benziner oder Diesel anfallen. Das Aufladen vom Dienst-E-Bike dürfen sie auch steuerfrei.

Essenszuschuss

Arbeitgeber können statt einer bezuschussten Kantine auch einen Essenszuschuss zahlen. Auch der ist steuerfrei, kann also extra gezahlt werden, ohne dass der Mitarbeitende dafür Steuern zahlen muss.

Was Sie bei einem Jobwechsel beachten sollten

Eine Frau und ein Mann bei einem Beratungsgespräch
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Auf keinen Fall sollten Sie beim nächsten Jobwechsel das Gespräch über solche Extras vergessen. Denn gerade beim Verhandeln über den neuen Job ist da noch Spielraum: mehr Geld, mehr Urlaub, mehr Extras, weniger Arbeitsstunden. Machen Sie sich dafür vorab schlau, wissen Sie, was in dem Job sonst verdient wird, ob die Firma tariflich zahlt, knausert oder ihre guten Leute besonders gut bezahlt. Wichtige Hinweise bieten Ihr einschlägiger Tarifvertrag, Infos aus Jobbörsen wie Stepstone und aus Arbeitgeber-Bewertungsportalen wie Kununu. Verlangen Sie bei solchen Verhandlungen 10 bis 20 Prozent mehr Gehalt als das, was sie dringend möchten. Dann haben sie Verhandlungsmasse.

Die Extras

Und sprechen Sie über Extras: Das ist wie beim Autokauf: Ein Satz Winterreifen extra ist meistens drin. In dem Falle ist es beispielsweise ein höherer Zuschuss zur betrieblichen Altersvorsorge. Bezahlen kann der Chef auch bestimmte Gesundheitskurse, bis zu 500 Euro sind dabei drin. Der Vorteil für beide Seiten: Den geldwerten Vorteil gibt es brutto für netto. Wollten Sie selbst die Leistung aus Ihrem Nettogehalt kaufen, müsste Ihr Chef Ihnen sehr viel mehr als 500 Euro brutto zusätzlich bezahlen. Auch Arbeitszeitregelungen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern, können Sie ruhig ansprechen.

Mehr Geld

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 23. Februar 2021 | 17:00 Uhr