Nebentätigkeit So lohnen sich Nebenjobs

Das Haushaltsbudget mit einem Nebenjob aufbessern – das ist längst nicht mehr nur für Studenten und Rentner eine Option. Doch es gibt einiges zu beachten, damit das klappt und sich natürlich auch lohnt. Experte Hermann-Josef Tenhagen weiß, wie's geht.

Schild an einem Schaufenster einer Modeboutique: WIR SUCHEN MOTIVIERTE FLEXIBLE TEILZEITKRAFT UND AUSHILFE (M/W) FUER DEN VERKAUF
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Muss man seinen Hauptarbeitgeber um Erlaubnis fragen?

Nein, was ein Arbeitnehmer nach der Arbeit in seiner Freizeit macht, geht den Chef nichts an. Zwar verlangen viele Arbeits- oder Tarifverträge, dass man seinen Arbeitgeber über eine Nebentätigkeit informiert. Aber der Chef kann dem Mitarbeiter eine Nebentätigkeit nicht verbieten, selbst wenn es im Arbeitsvertrag steht.

Hermann Joseph Tenhagen 14 min
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Die Formulierung "Eine Nebentätigkeit darf nur dann ausgeübt werden, wenn sie vom Arbeitgeber vorher genehmigt wurde," verstößt gegen das Grundrecht auf freie Berufswahl. Nur wenn die Nebentätigkeit mit der Haupttätigkeit kollidiert, kann der Hauptarbeitgeber sich dagegen verwehren.

Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn der Arbeitnehmer im Nebenjob bei der Konkurrenz arbeitet oder dem Arbeitgeber selbst Konkurrenz machen will. Das muss sich der Chef nicht gefallen lassen. Dann kann er den Nebenjob verbieten und dem Arbeitnehmer unter Umständen auch kündigen.

Wie viel darf ich "nebenebei" arbeiten?

Durch den Nebenjob darf die gesetzliche Höchstarbeitszeit nicht überschritten werden, das heißt werktäglich acht Stunden, in Ausnahmefällen zehn Stunden. Nebenjobs sind in erster Linie etwas für Teilzeitbeschäftigte. Auch während des Urlaubs darf keiner Nebentätigkeit nachgegangen werden, die den Erholungszweck beeinträchtigt.

Muss ich Nebeneinkünfte versteuern?

Alle Nebenjobs unter 450 Euro monatlich sind steuer- und sozialabgabenfrei. Verdient man mehr als 450 Euro im Monat, gilt die Steuerklasse sechs, und auch Sozialabgaben werden in voller Höhe fällig. Per Lohnsteuerjahresausgleich kann man sich zu viel gezahlte Steuern vom Finanzamt zurückholen.

Ausnahme Aufwandsentschädigungen oder Pauschalen als Sporttrainer oder für Ehrenämter sind bis zu 2.400 Euro im Jahr steuerfrei. Und sie fallen nicht unter Nebenjobs, werden also auch nicht zu den Einkünften hinzu addiert.

Rentner mit Nebenjobs

Alter Mann arbeitet mit einem Hobel.
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Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat, darf zur gesetzlichen Rente unbegrenzt dazu verdienen. Die Rente wird dann also nicht gekürzt. Frührentner dürfen im Jahr allerdings nicht mehr als 6.300 Euro brutto dazu verdienen. Sonst wird ein Teil davon auf die Rente angerechnet.

Wie ist es mit Steuern und Sozialabgaben?

Steuern müssen gezahlt werden, sobald Sie mehr als 450 Euro monatlich verdienen, also die Minijobgrenze überschreiten. Es kann aber sein, dass die Steuern nach Einreichen der Steuererklärung wieder zurückerstattet werden.

Holzwürfel mit den Buchstaben - Mini Job
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Das passiert, wenn der zu versteuernde Anteil der Rente plus die Einnahmen aus dem Nebenjob am Ende unter dem jährlichen, steuerlichen Grundfreibetrag liegen. Dieser beträgt momentan 9.415 Euro für Alleinstehende und 18.831 Euro für Verheiratete.

Frührentner sind mit einem Nebenjob über 450 Euro komplett sozialversicherungspflichtig. Altersrentner sind von den Beiträgen zur Renten- und Arbeitslosenversicherung befreit; Pflege- und Krankenversicherungsbeiträge werden aber fällig.

Studenten mit Nebenjobs

Maximal 20 Stunden pro Woche sind während des Semesters erlaubt, damit das Studium weiterhin als vorrangig angesehen wird. Nur dann sind Studenten weiterhin Bafög berechtigt und erhalten Kindergeld.

Achtung Bafög-Bezieher Wer Bafög bezieht, sollte nicht mehr als 5.400 Euro im Jahr dazu verdienen, sonst wird das Bafög entsprechend gekürzt.

Fallen für Studenten Steuern und Sozialabgaben an?

Auch für Studierende ist der jährliche steuerliche Grundfreibetrag maßgeblich – also momentan 9.415 Euro. Bleiben sie darunter, müssen sie keine Steuern zahlen.

Alle Einkünfte unter 450 Euro monatlich sind sozialabgabenfrei. Wer als Student mehr als 450 Euro im Monat verdient, muss in die Rentenversicherung einzahlen und sich selbst krankenversichern.

Dürfen auch Arbeitslose dazuverdienen?

Jobcenter vom Arbeitsamt der Landeshauptstadt in Magdeburg
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Ja. Arbeitslose müssen Nebenjobs allerdings vor Antritt bei der Arbeitsagentur melden und dürfen nicht mehr als 14 Stunden in der Woche arbeiten. Ab 15 Stunden gelten sie gemäß SGB nicht mehr als arbeitslos und haben keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld mehr.

Für ALG-1-Bezieher gilt: Verdienen sie mit dem Nebenjob mehr als 165 Euro netto im Monat, wird der übersteigende Betrag aufs Arbeitslosengeld angerechnet.

Bei ALG-2-Beziehern gilt: Die ersten 100 Euro sind anrechnungsfrei. Von Bruttoeinkünften zwischen 100 und 1.000 Euro im Monat sind 20 Prozent anrechnungsfrei, von monatlichen Nebenjob-Einkünften zwischen 1.000 und 1.200 Euro sind 10 Prozent anrechnungsfrei.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 11. Februar 2020 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Februar 2020, 22:31 Uhr