Tipps für Mieter Nebenkosten prüfen und sparen

Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip
Hermann-Josef Tenhagen von Finanztip Bildrechte: Finanztip

Wer zur Miete wohnt, bekommt mindestens einmal im Jahr Post von der Hausverwaltung oder vom Eigentümer. Die Nebenkosten-Abrechnung ist fällig. Und dabei steht meist viel Geld auf dem Spiel. Finanzexperte Hermann-Josef Tenhagen erklärt, wie sich Nebenkosten sparen lassen und was die typischen Fallen einer Nebenkostenabrechnung sind.

Euromünze an Thermostat eines Heizkörpers
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Prüfen Sie Ihre Mietnebenkostenabrechnung

Hunderttausend Mal im Jahr müssen sich Deutschlands Gerichte mit Streitigkeiten zwischen Mietern und Vermietern beschäftigen. Am Häufigsten geht es dabei um die Mietnebenkosten der über 20 Millionen Mietwohnungen in Deutschland. Die Miete selbst ist zwar fix. Die Nebenkosten aber können von Jahr zu Jahr variieren. Wenn eine hohe Nachzahlung angemahnt wird, ist spätestens das ein echter Anlass, die Abrechnung genau zu prüfen.

Oft genug haben die skeptischen Prüfer Recht, denn rund die Hälfte aller Mietnebenkostenabrechnungen ist falsch – sagt jedenfalls der Deutsche Mieterbund. Im Schnitt betragen die Nebenkosten 2,20  Euro pro Quadratmeter Mietwohnfläche. Sie variieren aber deutlich.

Kluge Vermieter vereinbaren in ihren Mietverträgen oft recht hohe Mietkostenvorauszahlungen. Ein Grund: Mieter, die mit der Nebenkostenabrechnung eine Rückzahlung erhalten, sind weniger geneigt, die Abrechnung zu prüfen. Es gibt weniger Arbeit und Streit. Mietkostenvorauszahlungen sind dabei für Mieter in der Regel besser als pauschale Mietnebenkosten ohne Abrechnung.

Betriebskosten prüfen: So gehen Sie vor

Weil aber doch relativ viele Nebenkostenabrechnungen falsch sind, lohnt es sich jedes Jahr, die Abrechnung zu prüfen – ganz unabhängig von Rückzahlung oder Nachzahlung.

Dafür gibt es fünf Schritte. Wir beginnen mit dem Einfachsten:

Schritt 1: Ist die Abrechnung rechtzeitig gekommen? Sie muss spätestens innerhalb von zwölf Monaten nach dem Abrechnungszeitraum vorliegen. Legen Sie die Nebenkostenabrechnungen des aktuellen Jahres und des vergangenen Jahres nebeneinander. Gibt es Abweichungen? Und verstehen Sie die Abweichungen? Wenn Sie keine Auffälligkeiten entdecken, ist das noch keine Garantie für eine richtige Abrechnung, aber immerhin ein Hinweis auf eine konsistente Abrechnung.

Schritt 2: Prüfen Sie die Problempositionen.

  • Sind alle Nebenkostenpositionen, die abgerechnet werden, in Ihrem Mietvertrag genannt?
  • Hat der Vermieter die Kosten für Hausverwaltung und Hausmeisterarbeiten ordentlich getrennt? Hausverwaltung und Bankgebühren darf er nicht als Nebenkosten umlegen.
  • Versucht der Vermieter, Reparaturarbeiten als Teil der Nebenkosten bezahlen zu lassen? Auch das darf er nicht.
  • Sind die Müllgebühren korrekt abgerechnet? Gewerbetreibende produzieren oft mehr und spezifischen Müll. Ein Ladenlokal oder eine Kneipe kann mehr teuren Abfall produzieren. Eine strikte Mülltrennung sorgt übrigens in praktisch jedem Mehrfamilienhaus für niedrigere Abfallkosten.

Schritt 3: Prüfen Sie die hohen Kosten für Heizung und Warmwasser. Mit der Vergleichssoftware des gemeinnützigen Organisation CO2 Online können Sie die Nebenkosten für Heizung und Warmwasser mit anderen Abrechnungen in Deutschland vergleichen.

Seien Sie dabei auch selbstkritisch. Hochgedrehte Heizungen und winterliches Rauchen am offenen Fenster erhöhen die Heizkosten. Manchmal hilft für den Vergleich auch das Gespräch mit einem Nachbarn, der in einer vergleichbaren Wohnung wohnt. Verstehen Sie die hohen Heizkosten immer noch nicht, gleich weiter zu Schritt 4.

Schritt 4: Lassen Sie sich bei Zweifeln und Ungereimtheiten die konkreten Abrechnungen zeigen und Kopien erstellen. Vielleicht verstehen Sie dann die Abrechnungen. Vielleicht steigen aber auch ihre Zweifel.

Schritt 5: Widersprechen Sie einer unklaren oder fehlerhaften Abrechnung. Sie haben dafür ein Jahr Zeit. Reagiert der Vermieter auch auf Ihren Widerspruch nicht oder nicht angemessen, nehmen Sie Hilfe bei Mietervereinen oder bei einem Rechtsanwalt in Anspruch. Allein der Deutsche Mieterbund gibt pro Jahr deutlich mehr als eine Million Mal Rat, nur wenige Prozent der Beratungsgespräche enden dann vor Gericht.

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Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 4 | 08. September 2020 | 17:00 Uhr