Miniatorin-Seniorin mit Rollator auf Geldstapel
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Pflegekasse Pflegeversicherung: Welche Leistungen stehen mir zu?

Die Deutschen werden immer älter, der Bedarf an Pflege wächst. Damit wächst auch die Sorge, ob die gesetzliche Pflegeversicherung ausreicht. Experte Hermann-Josef Tenhagen weiß, was die Pflegekasse wirklich zahlt. Das ist oft mehr, als viele denken.

Miniatorin-Seniorin mit Rollator auf Geldstapel
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Pflegen ist teuer

Die Hälfte aller Menschen wird statistisch gesehen irgendwann einmal im Leben pflegebedürftig, vor allem im Alter. Das bringt große finanzielle Probleme mit sich, denn Pflege ist aufwendig und teurer. Und es bringt große persönliche Herausforderungen für den Pflegebedürftigen und seine Angehörigen.

Vor mehr als 20 Jahren hat der Staat deshalb eine gesetzliche Pflegeversicherung eingerichtet, die finanziell und bei den persönlichen Herausforderungen helfen soll. Das ist ein Teilkasko-Schutz, der einen Teil der Lasten trägt, aber die Pflegeversicherung sorgt nicht für das Rundum-Paket

In den vergangenen Jahren hat die Regierung an mehreren Stellen versucht, den Schutz zu verbessern und erst eine neue Einteilung für die Pflegebedürftigkeit eingerichtet. Statt drei Pflegestufen gibt es jetzt fünf Pflegegrade. An der konkreten Einteilung hängt es, wie viel Geld es aus der gesetzlichen Pflegeversicherung gibt. Dann hat sie für Arbeitnehmer mehr Spielräume geschaffen, kurzzeitig oder langfristig Zeit für die Pflege aus dem gewerblichen Arbeitsleben herauszunehmen.

Beitragssatz für Pflegeversicherung gestiegen

Anfang des Jahres hat die Regierung den Beitrag für die Pflegeversicherung noch einmal deutlich erhöht. Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen bei 3.000 Euro Bruttolohn je nach Familienstand inzwischen fast 100 Euro monatlich in die Pflegekasse.

Neben der gesetzlichen Pflegeversicherung gibt es auch private Versicherungsangebote, die nach ähnlichen Kriterien finanzielle Unterstützung im Pflegefall sicherstellen. Sie sind aber nicht preiswert und verlangen zudem in der Regel, dass bis zum Eintritt des Pflegefalls Beiträge gezahlt werden. Das fällt insbesondere Rentnern bei schmaleren Budgets nach Eintritt in den Ruhestand nicht immer leicht.

Einstufung in die Pflegeversicherung

Miniatur Figuren aller Altersgruppen stehen auf Münzstapeln
Bildrechte: imago/Ralph Peters

Egal ob gesetzliche oder private Pflegeversicherung, egal ob Pflege zu Haus oder in speziellen Einrichtungen, gezahlt wird erst, wenn der Pflegebedürftige den Pflegefall angezeigt hat und Krankenkassen sowie Versicherer den Pflegefall feststellen und eine Einstufung vornehmen – dann aber rückwirkend.

Wichtig hier, dass der Pflegebedürftige bei der Überprüfung des eigenen Gesundheitszustands durch den medizinischen Dienst die Hilfsbedürftigkeit nicht aus falsch verstandenem Stolz in einem rosigeren Licht erscheinen lässt, als er wirklich ist. Das würde zu einer schlechteren Einstufung und zu weniger Geld aus der Pflegekasse führen.

Die Einstufung des medizinischen Dienstes kann man zwar anfechten, aber das ist natürlich unnötiger Aufwand in einer ohnehin schwierigen Situation.

Die Einstufung erfolgt anhand von über 60 Kriterien in fünf unterschiedlichen Pflegegraden. Je höher der Grad, desto höher der festgestellte Pflegeaufwand, desto mehr Geld gibt es. Einschränkungen beispielsweise durch Demenz werden dabei genauso berücksichtigt wie körperliche Behinderungen. Für die stationäre Pflege durch einen Dienstleister zahlt die Kasse dabei deutlich mehr Geld aus als für die heimische Pflege. Maximal knapp 2.000 Euro im Monat.

Für die Pflege zu Hause gibt es maximal gut 900 Euro Pflegegeld. Dafür können die Pflegenden zu Hause mit ihrem Aufwand das Anrecht auf eine deutlich höhere Rente erarbeitet, abhängig von der Zahl der Pflegestunden. Die Aufstockung der Rente gelingt mit einem Trick sogar noch, wenn man schon Altersrentner ist.

Pflege im Ausland?

Eine Frau hält die Hand einer älteren Frau, die im Bett liegt.
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Man kann auch Pflegesachleistungen durch professionelle Anbieter und das Pflegegeld für zu Hause kombinieren. Ob zu Hause oder in einer Einrichtung, die Pflegeversicherung zahlt dabei aber nur für den pflegerischen Aufwand. Wer in einem Seniorenwohnheim lebt, muss für Kost und Logis zusätzlich aufkommen. Insgesamt kommen in Pflegeheimen dabei oftmals Kosten von über 3.000 Euro im Monat zusammen.

Pflegebedürftige können auch entscheiden, zur Pflege ins möglicherweise preiswertere Ausland zu gehen. Dann zahlt die Pflegekasse das Pflegegeld als wenn man sich in den eigenen vier Wänden pflegen lassen würde. 

Wenn das Geld nicht da ist, springt zur Not das Sozialamt ein. Das heißt "Hilfe zur Pflege". Zuvor müssen Pflegebedürftige aber ihr Vermögen aufbrauchen. Sozialämter strecken vor, ziehen dann aber auch gutverdienende Angerhörige (Kinder) heran. Dabei werden allerdings hohe Freibeträge berücksichtigt.

Sinnvoll ist es, Pflegeeinrichtung noch zu gesundheitlich guten Zeiten vorab in Augenschein zu nehmen. Inzwischen wird die Qualität der Pflegeeinrichtungen regelmäßig überprüft. Dafür gibt es einen sogenannten Pflege-TÜV. Der sollte genutzt werden, bevor die Entscheidung gefallen ist, eine bestimmte Pflegeeinrichtung zu nutzen oder Angehörige einer bestimmten Pflegeeinrichtung anzuvertrauen.

Zuletzt aktualisiert: 29. Januar 2019, 18:32 Uhr