Preisanstieg Warum Gemüse teurer geworden ist

Ob Kohlrabi, Tomaten und natürlich Spargel: Viele Gemüsearten kosten in diesem Jahr deutlich mehr als vor zwölf Monaten. Die "Umschau" hat Preise verglichen und nach den Ursachen für den Preisanstieg gesucht.

Supermarkt - Sortiment: Obst und Gemüse
Bildrechte: imago images/Manfred Segerer

Wer in diesen Tagen durch die Obst- und Gemüseabteilungen von Supermärkten und Discountern geht, hat schnell den Eindruck, dass dieses Jahr vieles mehr kostet als noch vor einem Jahr. Der Eindruck stimmt, wie der Vergleich von Werbebeilagen vom April 2019 mit Prospekten vom April 2020 zeigt.

Werbeprospekte
Der Vergleich von Angebotspreisen von diesem und letztem Jahr macht die Preissteigerung deutlich. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

So kostete bei Aldi etwa ein Kohlrabi letztes Jahr 39 Cent. Kürzlich war er wieder im Angebot, diesmal aber für 45 Cent pro Stück. Die Preissteigerung liegt damit bei 6 Cent bzw. 15 Prozent.

Ähnlich ist es bei Tomaten aus den Niederlanden und Belgien. Hier war das Kilogramm 2019 bei Aldi für 1,29 Euro zu haben. 2020 kostet es 50 Cent mehr, nämlich 1,79 Euro. Das ist ein Plus von 39 Prozent.

Wie sieht es bei anderen Discountern aus? Bei Netto etwa gab es im April 2019 einen Kopfsalat zum Angebotspreis von 77 Cent. Ein Jahr später ist er wieder im Angebot, diesmal aber für 1,19 Euro. Diese Steigerung um 42 Cent entspricht einem Preisaufschlag von 55 Prozent.

Preissteigerungen vor allem beim Importgemüse

Marktanalyst Michael Koch von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) weiß, bei welchen Gemüsesorten derzeit die Preise am stärksten steigen: "Wir haben besonders starke Ausschläge vor allem erstmal bei Sachen wie Brokkoli, Zucchini und Paprika. Das sind klassisch die Gemüsearten, die zu diesem Angebotszeitpunkt aus Spanien kommen."

Aus Spanien kommen auch die Orangen, die jüngst bei Netto zum Kilopreis von 1,86 Euro im Angebot waren. 2019 kostete das Kilo noch 90 Cent. Der Preisunterschied ist hier mit 96 Cent bzw. 107 Prozent besonders groß.

Nähern wir uns einem Gemüse, das uns besonders beschäftigt: dem Spargel. Bei Lidl gab es 2019 500 Gramm deutschen Spargel im Angebot für 3,99 Euro. In diesem Jahr kostet die gleiche Menge 50 Cent bzw. 13 Prozent mehr, nämlich 4,49 Euro.

Hohe Mehrkosten für Spargelbauern

Spargelbauer Jan Niklas Imholze
Für Spargelbauer Jan Niklas Imholze ist die diesjährige Ernte besonders teuer. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dass deutscher Spargel in diesem Jahr teurer ist, liegt auch an fehlenden Erntehelfern. Das Beispiel des Spargelhofs Kutzleben in Thüringen zeigt, wie hart es Spargelbauern in diesem Jahr trifft. Chef Jan Niklas Imholze erklärt, wie er trotz aller Corona-Auflagen mit aller Kraft versucht, die Ernte und damit den Hof zu retten: "Wir haben natürlich einen größeren Aufwand, die Leute überhaupt erstmal hierhin zu bekommen. Kommen sie aus Rumänien müssen wir sie einfliegen, also müssen wir ein Flugzeug chartern und dann vom Flughafen Leipzig mit vier Bussen zu uns shuttlen. Es herrscht ja auch in den Bussen eine gewisse Kapazitätsbegrenzung vor. Wir müssen räumlich die Möglichkeit bieten, sie adäquat unterzubringen, aber eben in hälftiger Zimmerbelegung."

Die zusätzlichen Maßnahmen kosten ihn einen fünfstelligen Beitrag, so der Spargelbauer. Obwohl er seine Anbaufläche für diese Saison schon um ein Drittel verkleinert hat, fehlen ihm viele Erntehelfer. Deshalb arbeiten auch einige deutsche Studierende auf seinen Feldern. Ihre Hilfe ist für den Spargelhof jetzt sehr wichtig – und gleichzeitig ein weiterer Kostenfaktor, denn die Studierenden kosten mehr als die ausländischen Erntehelfer. Doch weil sie nicht so geübt sind, schaffen sie höchstens ein Viertel von deren Ernteleistung.

Spargelpreise steigen

grüner Spargel
Die gestiegenen Erntekosten wirken sich ... Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Die Spargelernte ist also erheblich teurer geworden. Wie stark bekommen das die Verbraucherinnen und Verbraucher zu spüren? "Natürlich müssen wir die Mehrkosten, auch wenn wir sie nicht komplett gedeckelt bekommen, so realistisch sind wir schon, ein bisschen auf den Spargelpreis umlegen", sagt Jan Niklas Imholze. Allerdings wolle er sie nicht eins zu eins an die Endverbraucher weitergeben, damit Spargel nicht irgendwann zum Luxusgut werde.

Weißer Spargel in einer Kiste
... auch auf die Spargelpreise aus. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In seinem Hofladen kostet das Kilo Spargel aktuell 12,95 Euro. Vor zwölf Monaten waren es noch rund zwei Euro weniger. Die Preissteigerung zeigt sich auch im Bundesdurchschnitt: Im April 2019 mussten Verbraucher für das Kilo Spargel noch 7,02 Euro zahlen. In diesem Jahr sind es 9,67 Euro. Das entspricht einer Preissteigerung von 38 Prozent.

Vieles wird importiert

Blumenkohl
Blumenkohl ist in diesem Jahr besonders teuer geworden. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Spargel ist ein typisch einheimisches Gemüse – und damit eher eine Seltenheit: Aktuell werden 64 Prozent unseres Gemüses und 79 Prozent unseres Obstes importiert, vor allem aus Ländern wie Spanien, Frankreich und Italien, die besonders stark von der Corona-Krise betroffen sind. Fehlende Erntehelfer, Frost und Trockenheit sorgen hier für schlechte Ernten. Das macht sich momentan bei unseren Preisen bemerkbar. Im Vergleich zu April 2019 sind im Durchschnitt:

  • Orangen 29 Prozent teurer,
  • Frühlingszwiebeln 40 Prozent,
  • Kopfsalat ganze 60 Prozent und
  • Blumenkohl sogar 64 Prozent teurer.

Welche Faktoren die Preise in die Höhe treiben

Verschiedene Faktoren führen gegenwärtig zu Preiserhöhungen bei Obst und Gemüse. Das sind zum einen extreme Wetterbedingungen wie Starkregen, Frost und Trockenheit. Zum anderen wirken sich der Mangel an Erntehelfern und erschwerte Transportbedingungen auf die Preise aus. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach Obst und Gemüse gestiegen, denn viele Kundinnen und Kunden sind in der Krise nun mehr zu Hause und benötigen für sich und ihre Familien mehr Obst und Gemüse als sonst.

Langsam beginnt auch die Erdbeerzeit. Bei den ersten heimischen Erdbeeren aus dem Gewächshaus ist bislang nur eine geringe Preissteigerung zu verzeichnen. Das könnte sich aber ändern, wenn die Ernte auf den Feldern beginnt und wieder dringend Helfer benötigt werden.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Umschau | 05. Mai 2020 | 20:15 Uhr