Umschau-Quicktipp Altersvorsorge überprüfen: Habe ich im Rentenalter genügend Geld?

Drei Bausteine für die Altersvorsorge

80 Prozent vom letzten Nettoeinkommen: Das nennen Verbraucherschützer und Finanzexperten immer wieder als Richtgröße dafür, wie viel Geld man im Alter in etwa benötigen wird. Wer darunter liegt, wird den bisherigen Lebensstandard mit großer Wahrscheinlichkeit nicht halten können. Wer zum Beispiel also 1.500 Euro netto verdient, sollte später auf eine Rente von 1.200 Euro zurückgreifen können. Mit der gesetzlichen Rente allein werden die meisten aber diesen Wert nicht erreichen. Sie kann darum nur ein Baustein für die Altersvorsorge sein. Ein zweiter Baustein könnte eine betriebliche Altersvorsorge sein, wie sie viele Unternehmen und öffentlich-rechtliche Arbeitgeber ihren Angestellten anbieten. Dabei setzen die Arbeitnehmer einen Teil ihres Bruttogehalts für eine Betriebsrente ein. Zusätzlich legt häufig der Arbeitgeber noch etwas drauf und ist dazu laut dem unabhängigen Verbrauchermagazin Finanztip für Verträge ab 2019 auch verpflichtet. "Es gibt dann auch noch die staatlich geförderte Vorsorge wie Riester- oder Rürup-Verträge. Auch eine Immobilie kann zur Vorsorge dienen oder auch ein Aktiensparplan, in den man monatlich 50 bis 100 Euro einzahlt", sagt Sara Zinnecker von Finanztip. Mit diesen drei Bausteinen sollte man dann mindestens die genannten 80 Prozent vom letzten Nettoeinkommen erreichen.

Hinsetzen, durchsehen, durchrechnen

Die Expertin rät, als ersten Schritt sämtliche Schreiben und Verträge zur Altersvorsorge herauszusuchen: Dazu gehört die Renteninformation von der Deutschen Rentenversicherung. Die kommt, wenn man mindestens fünf Jahre angestellt war und in die staatliche Rentenvorsorge eingezahlt hat.

Sara Zinnecker Expertin von Finanztip
Sara Zinnecker von Finanztip Bildrechte: Finanztip

Auch die regelmäßigen Schreiben oder auch "Standmitteilungen" vom Anbieter der Betriebsrente, der Riester- und anderen Rente, von der Bank für Sparpläne oder von der Versicherung für Kapital-Lebensversicherungen gehören zum ersten Check dazu. Aus den Informationen zu Zahlungen zum erwarteten Rentenbeginn lässt sich schon ganz grob eine erste Summe errechnen, die später voraussichtlich zur Verfügung steht. Die sei aber wirklich nur ein Anhaltspunkt, erklärt die Expertin. "Die Zahl zur späteren Rente im Schreiben der Rentenversicherung zum Beispiel ist nur eine Bruttoangabe. Davon gehen später noch die Beiträge zur Sozialversicherung, zur Pflegeversicherung und Krankenversicherung weg, das sind um die elf Prozent", sagt Sara Zinnecker. Unter Umständen müssten Rentner auch noch Steuern zahlen. Die Bundesregierung plant zwar, dass alle Verbraucher irgendwann in einem Onlineportal sehen können, wie viel Rente ihnen aus staatlicher und privater Vorsorge zusteht. Bis dahin ist es aus Sicht der Expertin aber noch ein langer Weg.

Hilfe vom Profi

Wer alle Informationen zur Altersvorsorge herausgesucht hat, kann sie auch gleich für eine Beratung beim Rentenprofi nutzen. "Viele wissen das nicht: Die Deutsche Rentenversicherung ist verpflichtet, auch über andere Vorsorgeformen aufzuklären. Dort kann man sich einen kostenlosen Termin geben lassen", sagt Sara Zinnecker. Die Berater der Rentenversicherung würden zwar keine konkreten Tipps dazu geben, ob und welche Anlageform im konkreten Fall geeignet sei, aber "sie können dann zum Beispiel darlegen, was die Vor- und Nachteile von der betrieblichen Vorsorge sind", wie die Expertin erklärt.

Auch die Verbraucherzentralen in den größeren Städten bieten einen Check der Altersvorsorge an, der ab 80 Euro pro Beratung kostet. Dafür sollte man vorab bei der Verbraucherzentrale einen Termin vereinbaren.

Honorarberater

Auch der Gang zu einem Honorarberater kann sich aus Sicht unserer Expertin lohnen. "Den bezahlen sie dann pro Stunde und eben nicht dafür, dass er einen bestimmten Vertrag verkauft", sagt Sara Zinnecker. Sie rät, sich dafür beim Verbund Deutscher Honorarberater einen geeigneten Berater vor Ort empfehlen zu lassen. Ein Gütesiegel gibt es nicht, die Berater müssen aber eine staatliche Zulassung vorweisen. "Da kostet das Gespräch zwar 150 bis 175 Euro die Stunde. Das klingt erstmal viel. Aber da geben sie für ein, zwei, drei Stunden Beratung 500 Euro aus und sind dann für die Rente sehr gut aufgestellt", sagt unsere Expertin. Der Honorarberater kann dann auch unabhängig beurteilen, ob eine in jungen Jahren abgeschlossene Altersvorsorge wirklich einen guten Ertrag bringt oder nur eine sehr gute Provision für den Bank- oder Versicherungsberater, der das Ganze damals verkauft hat. Banken und Versicherungen bieten auch Beratungen zur Altersvorsorge an und das in der Regel kostenlos. "Diese Berater verdienen aber daran, dass sie zum Beispiel eine bestimmte Versicherung fürs Alter verkaufen", gibt Sara Zinnecker zu bedenken. Dann würde beispielsweise für eine Anlage bis zur Rente 100.000 Euro angespart und davon gingen zweieinhalb Prozent an den Berater. "Diese Kosten dürfen sie sich über die ersten fünf Jahre abzweigen. Das bedeutet: Ihr Vertrag fängt erst einmal im Minus an und es ist dann schwierig, da wieder rauszukommen", sagt die Finanztip-Expertin. Grundsätzlich spreche aber nichts gegen so eine Beratung. Verbraucher sollten nur darauf drängen, dass immer alle Kosten für eine bestimmte Altersvorsorge genannt werden und dass ihnen eine Auswahl an verschiedenen Versicherern präsentiert wird.

Auch später noch nachbessern

Bei Lücken in der Altersvorsorge kann man auch dann noch nachbessern, wenn die Rente nicht mehr allzu viele Jahre weit weg liegt. "Das kann zum Beispiel eine Vorsorge sein, wo ich was in Aktien anlege: Am besten breit angelegt über die ganze Welt und dann halte ich das Risiko in Grenzen, weil sich die Schwankungen über die Jahre ausgleichen", sagt Sara Zinnecker. Für solche Anlagen sollten Verbraucher aber mindestens 15 Jahre bis zur Rente einplanen.

Euro-Banknoten und Münzen
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Auch Verträge mit staatlicher Förderung wie Riester (für Angestellte) oder Rürup (für Freiberufler) kann man sich zum Aufbessern der späteren Rente noch ansehen. Die Riester-Rente war zwar zuletzt heftig in der Diskussion. Sie kann sich aus Sicht unserer Expertin trotzdem noch für manche Verbraucher lohnen. "Die bringt was für Familien mit vielen Kindern und vielleicht etwas geringerem Haushaltseinkommen. Und sie lohnt sich für Alleinstehende, die sehr gut verdienen", sagt Sara Zinnecker. Familien würden stark von den Zulagen vom Staat für Kinder profitieren, Alleinstehende vom Steuervorteil für die Rentenanlage. Verbraucher sollten aber beim Abschluss darauf achten, dass die Gebühren für die Riester-Rente nicht zu hoch sind. "Außerdem sollte man wissen, dass man in die Rente maximal vier Prozent vom Verdienst einzahlen kann. Die Rente kann also im Alter auch nicht so hoch sein", sagt unsere Expertin.

Fazit

Staatliche Rente, betriebliche Vorsorge und private Anlagen: Wer diese drei Bausteine in der Altersvorsorge hat, macht erstmal einiges richtig. Verbraucherzentralen, Honorarberater und auch die Deutsche Rentenversicherung helfen dann dabei zu prüfen, ob die Erlöse aus diesen drei Bausteinen fürs Alter ausreichen.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 20. August 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. August 2019, 00:10 Uhr