Umschau-Quicktipp Fehler im Steuerbescheid erkennen und beanstanden

Wer seinen Steuerbescheid auf Richtigkeit prüfen möchte, muss kein Finanzprofi sein. Es geht darum, die Angaben mit den selbst eingereichten Daten abzugleichen. Wer unsicher ist oder sich das nicht zutraut, kann Hilfe von einem Steuerberater oder einem Lohnsteuerverein in Anspruch nehmen.

Wie man einen Steuerbescheid prüft

Für die Überprüfung des Steuerbescheids ist es wichtig, die selbst gemachten Angaben mit denen des Finanzamts vergleichen zu können. Wer seine Steuererklärung mit einer Steuersoftware oder online über das Elster-Portal der Finanzbehörden gemacht hat, dem helfen diese Programme bei der Kontrolle. Denn die Programme stellen ihre Berechnungen auf Grundlage der gemachten Angaben ähnlich dar wie das Finanzamt. Damit man seinen Steuerbescheid auch analog gut überprüfen kann, ist es ratsam, eine Kopie der an das Finanzamt geschickten Formulare aufzubewahren. Bei dem Abgleich lohnt es sich, die einzelnen Posten der Unterlagen miteinander zu vergleichen und mit einem Bleistift Schritt für Schritt abzuhaken.

Fehler erkennen

Frau sitzt auf einem Sofa und liest einen Brief. Sie zuckt die Schultern.
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Zunächst einmal gilt es, die Formalien zu überprüfen: Steuernummer, Name, Anschrift, Kontonummer – sind die Daten korrekt? Dann geht es um Inhaltliches. Wurden etwa alle Kinder und Freibeträge berücksichtigt? Wurden etwaige Vorauszahlungen einkalkuliert? Stimmen die von mir angegebenen Summen mit denen im Bescheid überein? Auch ein Abgleich mit der Lohsteuerbescheinigung vom Arbeitgeber kann sinnvoll sein, um zu sehen, ob die einbehaltene Lohnsteuer korrekt berücksichtigt wurde. Marc Desens ist Rechtsprofessor an der Universität Leipzig. Er leitet den Lehrstuhl für Öffentliches Recht, insbesondere Steuerrecht und Öffentliches Wirtschaftsrecht. "Weicht das Finanzamt von Angaben zu Lasten des Bürgers ab, findet sich in den Erläuterungen des Steuerbescheides über die Abweichung ein Hinweis", sagt Desens. Hier könne man dann prüfen, ob man sich selbst oder ob sich das Finanzamt geirrt habe. Aber Desens sagt auch: "Die meisten Fehler entstehen schon, weil der Bürger in der Steuererklärung Tatsachen gar nicht angibt, die zu einer niedrigeren Steuer führen." Das Finanzamt könne nur berücksichtigen, wovon es Kenntnis habe. Marc Desens empfiehlt deshalb, sich von vornherein mit dem Steuerrecht auseinanderzusetzen oder aber sich Beratung zu holen.

Änderung oder Einspruch?

Es gibt mehrere Wege, um gegen Fehler im Steuerbescheid vorzugehen. Bei Formfehlern oder Rechtschreibfehlern reicht in der Praxis oft ein Anruf beim zuständigen Mitarbeiter des Finanzamtes. Formfehler zu korrigieren kann vor allem wichtig sein, wenn der Bescheid zur Vorlage bei anderen Behörden gebraucht wird. Für die Korrektur solcher Fehler gibt es keine Frist. Fällt bei der Überprüfung des Steuerbescheids auf, dass man selbst etwas vergessen oder einen Fehler gemacht hat, hat man einen Monat Zeit, um einen "Antrag auf Änderung" beim Finanzamt einzureichen. Hierzu reicht ein Schreiben per Post oder per E-Mail oder ein Telefonat, in dem man darlegt, welche Punkte man aus welchem Grund korrigieren möchte. Das Finanzamt prüft dann ausschließlich die angesprochenen Punkte und korrigiert diese gegebenenfalls. Eine andere Möglichkeit ist der "Einspruch" gegen den Steuerbescheid. Auch für diesen hat man einen Monat Zeit. "Für Laien würde ich grundsätzlich den Einspruch empfehlen", sagt Marc Desens. Dieser hat allerdings weitreichender Konsequenzen: Während beim Änderungsantrag nur die angesprochenen Punkte überprüft und zu Gunsten des Bürgers verändert werden können, wird bei einem Einspruch die gesamte Steuererklärung überprüft. Das heißt auch, dass das Finanzamt möglicherweise an anderer Stelle auf Fehler aufmerksam wird, die sich in der Neuberechnung zu Ungunsten des Steuerpflichtigen auswirken.

Können aus einem Einspruch Nachteile entstehen?

Entdeckt das Finanzamt bei der Überprüfung des Steuerbescheids Fehler, die es zu Lasten des Bürgers korrigiert, kann es passieren, dass sich die Korrekturen zu Gunsten des Steuerpflichtigen unterm Strich als Nullsummenspiel erweisen. Das ist ärgerlich. Für den Fall, dass das Finanzamt durch die Überprüfung sogar zu dem Schluss kommt, dass eine höhere Summe als ursprünglich errechnet gezahlt werden müsste, kann sich der Bürger aber schützen. "Das Finanzamt darf nicht einfach eine höhere Steuer festsetzen", erklärt Rechtsprofessor Marc Desens von der Universität Leipzig. Das Finanzamt müsse dem Bürger diese Absicht erst unter Angabe von Gründen mitteilen. "Stellt man nach Prüfung dieser Gründe fest, dass das Finanzamt richtig liegt, sollte man den Einspruch sofort zurücknehmen", sagt Desens. Denn dann könne auch das Finanzamt den Steuerbescheid nicht mehr einfach zu Lasten des Bürgers ändern, sondern müsse seinerseits erschwerte Anforderungen für die Änderung erfüllen.

Bei Fehlern im Bescheid trotzdem zahlen?

Egal, ob ein Änderungsantrag gestellt oder ein Einspruch eingelegt wird: Fordert der Steuerbescheid zu einer Zahlung auf, sollte man diese bis zu einer Neuentscheidung trotzdem regulär tätigen. Bei einem Einspruch kann man diese Zahlungspflicht mit einem ergänzenden "Antrag auf Aussetzung der Vollziehung" zwar aussetzen, Marc Desens hält das allerdings nur in Ausnahmefällen für sinnvoll: "Wenn man das Geld nicht sehr dringend braucht, würde ich davon abraten. Wenn man nämlich verliert, muss man zusätzlich Zinsen in Höhe von 0,5 Prozent pro Monat zahlen." Andersrum bekommt der Bürger, der am Ende eine Korrektur des Steuerbescheids zu seinen Gunsten erwirkt hat und trotzdem den höheren Erstbetrag überwiesen hat, den Erstattungsbetrag nach Ablauf einer Frist selbst mit 0,5 Prozent pro Monat vom Finanzamt verzinst.

Zusammengefasst

Die Überprüfung des Steuerbescheids ist wichtig, denn auch dem Finanzamt können Fehler unterlaufen. Wenn Sie selbst an einzelnen Punkten vergessen haben, Belege einzureichen oder etwas geltend zu machen, ist der "Antrag auf Änderung" binnen vier Wochen der unkompliziertere Weg, bei dem Ihnen auf keinen Fall Nachteile entstehen können. Sollte das Finanzamt von Ihnen ursprünglich angegebene Posten nicht berücksichtigt haben, empfiehlt sich ein Einspruch. Es gilt immer: Die Summe des ersten Steuerbescheids ist dennoch fristgerecht zu überweisen.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 25. September 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. September 2019, 00:10 Uhr