Umschau-Quicktipp Geld Sparen bei Versicherungen: Welche wirklich nötig sind

Pro Jahr bezahlen Deutsche im Schnitt über 2.000 Euro für ihre Versicherungen und liegen damit deutlich über dem EU-Durchschnitt. Richtig gut abgesichert sind die meisten trotzdem nicht, sagen Verbraucherschützer. Viele Versicherte hätten teure und unnütze Policen und gleichzeitig Lücken bei den wichtigen Absicherungen. Mit einem kurzen Check kann man die Lücken schließen und meist trotzdem noch sparen.

Wann brauche ich die Versicherung?

Eine einfache Frage hilft bei der Entscheidung, ob man eine bestimmte Versicherung braucht oder eher nicht: Kann ich das aus eigener Tasche stemmen, wenn der Ernstfall eintritt oder ruiniert der mich?

Ein Muss ist aus Sicht von Verbraucherschützern und Stiftung Warentest die Privat-Haftpflicht-Versicherung. Die zahlt für Schäden, die man anderen zufügt. Guten Haftpflicht-Schutz gibt es ab 50 Euro pro Jahr. Ein Drittel der Deutschen hat allerdings keine Haftpflicht. Das kann teuer werden.

Fahrrad liegt am Boden, im Hintergrund wird ein Verletzter versorgt
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"Wenn ich mit dem Fahrrad jemanden anfahre und die Person ihr Leben lang geschädigt ist, hafte ich dafür in unbegrenzter Höhe", sagt Simone Weidner von Stiftung Warentest. Wer das Geld nicht habe, bekomme dann vielleicht ein Leben lang nur ein Gehalt bis zur gesetzlichen Freigrenze.

Berufsunfähigkeitsversicherungen zeitig abschließen

 Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist aus Sicht unserer Experten ebenfalls ein nötiger Schutz. Die Versicherer zahlen im Ernstfall eine monatliche Summe, wenn jemand seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Diese Summe soll die Lücke decken, die zwischen Erwerbsunfähigkeitsrente und dem bisherigen Gehalt entsteht.

Schreiben mit der Überschrift: Berufsunfähigkeit
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Jeder vierte Deutsche braucht die Police im Laufe des Lebens. Wer die als 20-jähriger abschließt, zahlt ab 50 Euro pro Monat oder knapp 600 Euro im Jahr. "Schließt man die mit 30 ab, zahlt man vielleicht 650 Euro im Jahr. Der Preissprung zwischen 30 und 40 ist schon krasser: Da zahlt man pro Jahr 200 Euro mehr als wenn man die mit 20 abschließt", sagt Simone Weidner.

Sie nennt noch einen zweiten Grund dafür, die Berufsunfähgkeitsversicherung möglichst zeitig abzuschließen: Die Gesundheitsprüfung. "Je mehr Vorerkrankungen jemand mitbringt, umso höher ist das Risiko keinen Schutz zu bekommen oder auch mehr zu zahlen. Oder es gibt Ausschlüsse für bestimmte gesundheitliche Probleme".

Krankenkassenkarten von gesetzlichen Krankenkassen liegen auf einem Tisch.
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Je nach persönlicher Situation kommen noch weitere Empfehlungen von unseren Experten hinzu: Wer häufig im Ausland Urlaub macht, sollte eine entsprechende Krankenversicherung abschließen. Familien benötigen eine Risikolebensversicherung zusätzlich. Die sichert ab, wenn einer der Hauptverdiener stirbt.

Eine Wohngebäubeversicherung braucht zudem jeder, der eine Wohnung oder ein Haus hat. Für einen besseren Durchblick helfen die Verbraucherzentralen beim Checke des Versicherungsordners - seriös und kostenlos.

Die Kann-Versicherungen

Hausratversicherung, Kinderinvaliditäts- und Rechtsschutz gehören in den Bereich "Kann man in Ruhe drüber nachdenken". "Wenn man als junger Mensch in eine Wohnung zieht und die preiswert einrichtet, braucht man noch keine Hausratversicherung. Aber wenn Sie irgendwann mal einen Teil ihres Lebenseinkommens in Möbel oder Technik investiert haben, dann sollten sie die Police haben", sagt Hermann-Josef Tenhagen vom unabhängigen Verbrauchermagazin Finanztip. Allerdings schreiben manche Vermieter diese Versicherung beim Abschluss eines Mietvertrages vor.

Spielzeugfiguren, gestapelte Münzen, Paragraphen-Zeichen
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Die Kinderinvaliditätsversicherung zahlt, wenn ein Kind durch einen Unfall oder auch durch Krankheit einen bleibenden Schaden davon trägt. Das Risiko wollen zunehmend weniger Anbieter absichern, daher sind die Policen mit Preisen ab 300 Euro pro Jahr recht teuer. Deutlich günstiger sind reine Unfallversicherungen für Kinder, die aber laut Statistiken nur einen sehr kleinen Teil der Ernstfälle abdecken.

Beim Rechtsschutz sollte man vorher nachsehen, ob man für einen möglichen Streit vor Gericht schon anders gewappnet ist. Wer im Mieterverein ist, hat den Rechtsschutz meist schon für diesen Bereich. Gewerkschaftsmitglieder bekommen bei Streit im Arbeitsrecht Hilfe.

Überflüssiger und damit teurer Schutz

Viele lassen sich beim Kauf von Handy, Fernseher oder Spielkonsole überzeugen, eine Geräteversicherung mit abzuschließen. Die soll einspringen, wenn das teure Gerät kaputt geht oder gestohlen wird. Aus Sicht von Verbraucherschützern sind die Policen aber vergleichsweise teuer und bieten nur wenig Schutz. So wollen die meisten Anbieter keine Reparaturen übernehmen und zahlen bei einem Totalschaden oft nur den Zeitwert. Viele Versicherer verlangen zudem, dass man das Gerät immer im Auge behält.

Behandschuhte Hände reparieren ein Handy.
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Anderenfalls wollen sie bei Diebstahl nicht einspringen. Auch das Geld für Brillenversicherungen und Reisegepäckversicherungen kann man sich laut Finanztip sparen. Meist deckt die Hausratversicherung den Verlust von Gepäck im Urlaub ab. Der Schutz für Brillen werde meist nur im Paket mit anderen Policen verkauft.

Überflüssige Versicherungen richtig kündigen

In der Regel müssen Versicherungen mit einer Frist von drei Monaten zum Ablauf des Versicherungsjahres gekündigt werden. Damit ist der 30. September oft der Stichtag, weil viele Verträge zum Jahresende auslaufen. Wer den Stichtag verpasst hat, kann trotzdem gleich handeln und die Kündigung zeitig rausschicken.

Eine Kündigung für Arbeitsplatz oder Abonnement in deutscher Sprache
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Dann verpasst man den Termin kein zweites Mal und hat den Schutz bis zum Ende der Versicherungszeit trotzdem noch. Wer per Einschreiben kündigt, geht ganz auf Nummer sicher. Das Ganze kann man auch per Fax oder E-Mail machen. Wichtig ist aber immer die Bestätigung der Versicherung, dass die Kündigung angekommen ist.

Spartipps

Ein paar Minuten Aufwand reichen schon, um bei den eigenen Versicherungen einiges zu sparen: Viele sind beim Urlaub oder beim Autofahren doppelt abgesichert. Sie bezahlen Jahresgebühren für eine Kreditkarte mit Extras wie Reiseschutz und besitzen zusätzlich noch eine Auslandsreise-Krankenversicherung. Eine einzelne Auslandkrankenversicherung ist aus Sicht von Verbraucherschützern jedoch fast immer besser. Die teuren Kreditkarten-Extras kann man sich also sparen und sich eine günstigere Karte besorgen.

Spielzeugauto auf einem 100 Euroschein
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Viele Autofahrer haben von ihrem Kasko-Versicherer einen Pannenschutzbrief und sind zusätzlich Mitglied in ADAC, AvD und Co. Hier könnte der Schutzbrief aus Sicht unserer Experten meist die preiswertere Wahl sein. Allerdings sollte man genau im Kleingedruckten nachlesen, was abgesichert ist.

Auch eine schnelle Sparmöglichkeit: Viele haben für Kaskoschutz, Unfall- oder Lebensversicherung Monatsbeiträge vereinbart. Auf zwölf Monate gerechnet bezahlen sie aber deutlich mehr als wenn der Versicherungsbeitrag einmal pro Jahr vom Konto abgezogen wird. Das können Aufschläge von zehn Prozent oder mehr sein. Statt 800 Euro einmalig pro Jahr für die Autoversicherung zahlt man dann insgesamt 960 Euro. Auch da lohnt der kurze Blick in die Papiere: Ziehen Paare zusammen, haben sie oft unnötige Mehrfachversicherungen. Das sind häufig Hausratversicherungen oder auch ein doppelter Rechtsschutz.  

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 05. November 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 05. November 2019, 00:10 Uhr