Umschau Quicktipp Handyvertrag wechseln: So vermeidet man Kostenfallen

Für unter zehn Euro

Wer schon einen etwas älteren Handyvertrag hat, kann bei einem Wechsel zu den aktuellen Verträgen für Neukunden deutlich sparen. Die monatlichen Gebühren für Handyverträge sind inzwischen unter zehn Euro gefallen. Für das Telefonica-Netz (E-Plus und O2) kosten Verträge mit 24 Monaten Laufzeit, Flatrates für mobil und Festnetz, LTE und einem Gigabyte Datenvolumen zum Teil ab sechs Euro im Monat. Ein Gigabyte Datenvolumen reicht in der Regel, wenn man unterwegs eher nur Nachrichten verschickt. Wer auch Videos ansieht oder Musik streamt, sollte eher einen Vertrag mit fünf bis zehn Gigabyte Inklusivvolumen wählen. "Man sollte zudem unbedingt einen Vertrag mit LTE nehmen. Denn nur das LTE-Netz wird noch ausgebaut, die anderen Netze nicht mehr und die sind auch in der Qualität deutlich schlechter. Egal bei welchem Anbieter", sagt Thorsten Neuhetzki vom Online-Magazin inside digital. Wer mit Blick auf die umfangreichere Netzabdeckung einen Vertrag im Telekom- oder im Vodafone-Netz wählt, zahlt in der Regel etwas mehr. Dort starten Handyverträge mit den weiter oben genannten Konditionen ab rund 15 Euro im Monat. "Wenn ich hauptsächlich in mittelgroßen Städten oder Großstädten unterwegs bin, ist fast egal, in welchem Netz ich einen Vertrag abschließe. Bin ich viel in ländlichen Regionen, sollte ich eher auf Verträge im Netz von Telekom und Vodafone achten", sagt Thorsten Neuhetzki.

5G und andere Extras nur bei den Netzbetreibern selbst

5G auf dem Lande
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Der inside digital-Experte rät zudem, die Preise für Prepaid-Angebote mit in den Preisvergleich einzubeziehen. Die sind zwar nicht immer ganz so bequem wie ein Vertrag und können Extra-Kosten verursachen. Aber sie sind überschaubar, weil auch bei den Prepaid-Angeboten oft Flatrates in alle Netze und ein Datenvolumen inklusive sind. Dafür haben sie in der Regel nur einen Monat Laufzeit. "Wenn man sich die Angebote anschaut, die im Supermarkt an der Kasse hängen: Da gibt’s Angebote in allen Netzen für einen Zehner im Monat", sagt Thorsten Neuhetzki. Am anderen Ende der Preisskala liegen die Handyverträge der Netzbetreiber selbst: Für Angebote wie Magenta Mobil (Telekom) werden ab 40 Euro im Monat fällig, für Red S (Vodafone) sind es rund 20 Euro. Die locken mit viel Datenvolumen oberhalb von sechs Gigabyte im Monat und einigen Extras. Die gibt es nur bei den Netzbetreibern selbst und in der Regel nicht bei anderen Anbietern, die deren Netz nutzen. "Multi-SIM etwa, wo man ein Smartphone mit verschiedenen SIM-Karten betreibt, gibt es fast nur bei den Netzbetreibern. Und auch diese StreamOn-Regelungen, wo man für Video-Streaming oder Musik-Streaming von bestimmten Anbietern unterwegs nichts extra zahlt, gibt es nur bei den Netzbetreibern", sagt Thorsten Neuhetzki. Wer bereits in den mit 5G ausgerüsteten Regionen das schnelle mobile Internet nutzen will, kann das ebenfalls nur bei den Verträgen bei den Netzbetreibern selbst.

Vertrag mit Smartphone oder doch lieber ohne?

Viele Mobilfunkunternehmen bieten auch Verträge an, bei denen ein Smartphone inklusive ist. Diese Verträge kosten dann pro Monat ein paar Euro mehr. Sie wirken aber günstig, weil für ein selbst gekauftes, neues und aktuelles Smartphone eben gleich mehrere Hundert Euro fällig werden. Die hat nicht jeder Kunde sofort parat und zahlt dann die Kosten fürs Handy ähnlich wie bei einem Ratenkredit mit den Monatsgebühren ab. Eine echte Sparvariante ist das Paket aus Vertrag und Handy aber trotzdem nur selten. "Faustregel ist da: Es lohnt sich meist nicht. Aber es gibt immer mal wieder Ausnahmen, bei denen man am Ende weniger bezahlt, als wenn man das Smartphone selbst kauft", sagt Thorsten Neuhetzki. Diese Einschätzung bestätigt auch ein aktueller Test von Stiftung Warentest. Danach waren etwa einige Oberklasse-Handys von Samsung und Huawei mit Vertrag günstiger als ohne. Diese Rechnung geht aber nur dann auf, wenn man den Vertrag zum Ende der Laufzeit fristgerecht kündigt. Sonst zahlt man nach den 24 Monaten Laufzeit oft die Raten für das Handy weiter. Wer sich nicht sicher ist, sollte vorab die Kosten durchrechnen: Ist der Aufpreis beim Vertrag gegenüber einem Angebot ohne Smartphone für 24 Monate höher als der Preis für das Smartphone? Wenn ja, sollte man sich das Smartphone lieber selbst kaufen und einen reinen Vertrag ohne Handy wählen.

Zusatzkosten genau vergleichen

Die aktuellen Handyverträge wirken mit ihren Flatrate-Versprechen sehr übersichtlich. Einige Kostenfallen gibt es aber immer noch: Je nach Anbieter können zum Vertragsanfang sogenannte "Startpreise" anfallen, die bis zu 30 Euro hoch sein können. Bezahlen muss man auch fast immer, wenn man seine Telefonnummer mitnehmen will. Das kostet je nach Anbieter zwischen 20 und 30 Euro. "Wichtig ist da: Der alte Anbieter ist verpflichtet, bei einem Wechsel die Rufnummer abzugeben. Der neue Anbieter ist aber nicht verpflichtet, die aufzunehmen", sagt Thorsten Neuhetzki. Darauf sollten Handykunden beim Vertragswechsel achten. Die Nummer sei sonst weg und könne auch nicht nachträglich noch importiert werden. Wer vor dem Abschluss eines Vertrages am Telefon oder im Geschäft geschickt verhandelt, kann sich manchmal solche Kosten über eine Gutschrift zurückholen. Dann sollte man aber drauf achten, dass diese Regelungen wirklich im Vertrag stehen. "Man kann hinterher schlecht beweisen, dass einem das Verkäufer im Handygeschäft versprochen hat. Da sollte man sich also alles in Ruhe durchlesen", sagt Thorsten Neuhetzki. Wer dagegen Handyverträge am Telefon oder online abschließt, hat das gewohnte 14-Tage-Widerrufsrecht.

Ganz kurz oder ganz lang

Eine Hand hält eine Stoppuhr
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Aktuell gibt es fast nur Verträge mit einem Monat oder mit 24 Monaten Laufzeit. "Dazu muss man auch wissen: Die kurzen Laufzeiten gelten für beide Seiten. Also für Handykunde und Anbieter. Der kann dann jederzeit eine Änderungskündigung schicken und das ist gerade bei Superschnäppchen sehr ärgerlich", sagt Thorsten Neuhetzki. Aus seiner Sicht spricht daher nichts gegen einen längeren Vertrag mit 24 Monaten Laufzeit, wenn die Bedingungen passen. "Ich würde mal behaupten: Sehr viel günstiger als jetzt werden die Preise auch nicht", sagt Thorsten Neuhetzki. Das Justizministerium von Christine Lambrecht (SPD) arbeitet aktuell an einem Gesetz, dass Laufzeiten auch für Handyverträge auf maximal ein Jahr begrenzen soll. Das Gesetz ist aber noch in der Abstimmung in der Bundesregierung. Lange Verträge mit 24 Monaten Laufzeit können Kunden auch zeitig oder sogar direkt nach Vertragsabschluss kündigen, um die üblichen drei Monate Kündigungsfrist nicht zu verpassen. "Da passiert auch nichts und die Rufnummer geht auch nicht verloren", sagt Thorsten Neuhetzki. Passt das Ganze zum Ende der Laufzeit noch, kann man die Kündigung auch wieder zurücknehmen.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 19. Dezember 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Dezember 2019, 00:10 Uhr