Umschau-Quicktipp Kostenlose Girokonten: Das müssen Sie wissen

Wirklich kostenlos sind 22 Girokonten

Die Banken sind wegen der Niedrig- und Negativzinsen unter Druck und geben den auch an ihre Kunden weiter: Beispielsweise über Gebühren für das Girokonto. Weil die Finanzinstitute ihre Preise frei bestimmen dürfen, können sie eine Vielzahl von Diensten kostenpflichtig machen. Das sind dann einige wenige Euro pro Überweisung oder Lastschrift, für die Girocard oder den Telefonservice. Aufs Jahr gesehen kommt da aber einiges zusammen. Stiftung Warentest hat für einen aktuellen Test (Heft 8/2019) die teils recht unübersichtlichen Preislisten von über 200 Konten bei mehr als einhundert Banken, Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken durchsucht. "Dabei haben wir 22 Konten gefunden, die wirklich kostenlos sind. Das heißt: Es gibt keine monatliche Grundgebühr, die Girocard ist mit drin und Buchungen auch. Zumindest wenn sie online geführt werden", sagt Heike Nicodemus von Stiftung Warentest. Der Test zeige auch, dass fast jeder Anbieter parallel zwei oder mehrere Girokontenmodelle anbietet. Gratis oder sehr günstig sind meist nur die Konten, bei denen die Kunden sehr viel online und ohne persönliche Betreuung machen. Service oder die Betreuung vor Ort in einer Bankfiliale dagegen kostet.

Bitte im Kleingedruckten nachlesen

Den Testern fiel auch auf, dass einige weitere von den Banken als "kostenlos" beworbene Konten nur unter bestimmten Bedingungen kein Geld kosten. "Bei einigen Girokonten muss man einen regelmäßigen Geldeingang von 500, 600 Euro haben oder man muss einen Genossenschaftsanteil kaufen", sagt Heike Nicodemus. Diese Konten zählt Stiftung Warentest nicht zu den 22 wirklich kostenlosen Girokonten. Wer sich für eins der 22 wirklich kostenlosen Gratiskonten entscheidet und dafür auch die Bank wechseln will, sollte vorher noch einmal im Kleingedruckten nachlesen.

Hand entnimmt Bargeld von einem Bankautomaten
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Die Kreditkarte für Einkäufe im Internet oder für Auslandsreisen ist nur bei einigen dieser Anbieter Banken kostenlos. Zudem sollte man prüfen, an welchen Automaten das Abheben gratis ist. Bei manchen Banken wie der Deutschen Kreditbank oder Santander kann weltweit kostenlos an allen Automaten abgehoben werden. ING, Consorsbank oder N26 erlauben das laut Stiftung Warentest an allen Automaten im Euroland. Wer sich für ein Gratiskonto einer Sparkasse entscheidet, kann wiederum nur an Automaten mit dem Sparkassen-Zeichen kostenlos Geld abheben.

Heute günstig, morgen teurer?

Münzen
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Laut Stiftung Warentest bieten die Banken ihre kostenlosen Konten vor allem an, um neue Kunden zu gewinnen, etwa für eine Baufinanzierung oder einen Sparplan. Allerdings sind die Finanzinstitute frei in ihrer Preisgestaltung und dürfen die Gebühren für das Gratiskonto nach einer Ankündigung auch anheben. Wer gerade erst mit etwas Aufwand Bank und Konto gewechselt hat, nimmt das vielleicht hin. Wirklich sicher vor solchen unangenehmen Überraschungen können Kunden nicht sein. "Ich würde mir eine Bank suchen, die schon eine Weile beständig kostenlose Kosten anbietet. Da kann man sagen – das bleibt wahrscheinlich auch noch die nächsten Jahre so", sagt Heike Nicodemus.

Gesetzlich vorgeschriebene Hilfe beim Wechseln

Wer pro Jahr 60 Euro und mehr für sein Girokonto ausgibt, sollte laut Stiftung Warentest über einen Wechsel zur neuen Bank zumindest nachdenken. Den scheuen viele Kunden, dabei ist er seit einigen Jahren gar nicht mehr so aufwendig. "Seit 2016 gibt es den Kontowechsel-Service und die Banken sind zu dieser Mithilfe auch gesetzlich verpflichtet", sagt Heike Nicodemus. Kunden eröffnen ein Girokonto bei der neuen Bank ihrer Wahl und beantragen dort die Kontowechsel-Hilfe. Dafür werden innerhalb von maximal sieben Geschäftstagen alle Lastschriften, Überweisungen oder andere Aufträge von der alten zur neuen Bank übertragen. Darauf weisen die Verbraucherzentralen hin.

Bei Übertragungsfehlern haften die Finanzinstitute. Die alte Bank darf dann auch keine Lastschriften oder Daueraufträge mehr ausführen. "Wir raten, so zwei bis drei Monate vielleicht das alte Konto noch laufen zu lassen. Damit dann nicht noch eine Abbuchung kommt und ins Leere läuft und hohe Kosten verursacht", sagt Heike Nicodemus. In diesem Zeitraum sollten Kunden auch noch einmal prüfen, ob doch vielleicht noch etwas von ihrem alten Konto abgeht.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 18. Oktober 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2019, 00:10 Uhr