Umschau-Quicktipp Wie sinnvoll ist eine Lebensversicherung?

Laut Statistik hat jeder in Deutschland Lebende eine Lebensversicherung. Stattliche 84 Millionen Verträge laufen aktuell. Doch die einstige "Standardversicherung" steht heutzutage schlecht da: Sie lohnt sich nicht mehr. Wann sollten Sie Ihren Vertrag behalten, wann loswerden? Und welche Art Lebensversicherung brauchen Sie wirklich?

Aufgaben einer Lebensversicherung

Eine Lebensversicherung wird meist aus einem von zwei Gründen abgeschlossen: Entweder sie schützt Hinterbliebene im Todesfall des Versicherungsnehmers vor einem plötzlichen finanziellen Engpass (Risikolebensversicherung) oder sie dient der Altersvorsorge (Kapitallebens- oder fondgebundene Lebensversicherung). Bei einer klassischen Laufzeit von 20 bis 25 Jahren und guter Verzinsung kann damit eine Menge Geld angespart werden. In der Vergangenheit klappte das auch ganz gut: Die Versicherer investierten erfolgreich in den Kapitalmarkt, erwirtschafteten entsprechende Zinsen und teilten den Gewinn mit den Versicherungsnehmern.

Das Grundproblem

Heutzutage gibt es keine oder kaum noch Zinsen für angelegtes Geld. So ist der Garantiezins für die Lebensversicherungen in den letzten Jahren von rund vier Prozent auf derzeit 0,9 Prozent gesunken. Davon ziehen Versicherungen noch Bearbeitungsgebühren und andere Kosten ab, sodass am Ende für eingezahltes Geld kaum noch Gewinn bleibt. Neue Verträge bieten daher kaum noch attraktive Konditionen.

Was tun mit älteren Verträgen?

Haben Sie einen Vertrag in den 1990-iger Jahren oder Anfang der 2000er abgeschlossen, garantieren die Versicherer meist noch rund vier Prozent Rendite auf angespartes Geld. Hinzu kommen die Überschussbeteiligung, also die Beteiligung am erwirtschafteten Gewinnen des Versicherers, und die Anteile an den sogenannten Bewertungsreserven des Versicherers. Überschussbeteiligung und Bewertungsreserven sind an die aktuelle Lage auf dem Finanzmarkt gekoppelt und können schwanken. Mit vier Prozent Garantiezins ist nach Ablauf der Laufzeit jedoch meist eine recht akzeptable Auszahlungssumme möglich.

Wichtig: Verträge, die vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossen wurden, sind unter bestimmten Umständen bei der Auszahlung von einer Besteuerung befreit. Für Verträge, die nach dem 1. Januar 2005 abgeschlossen wurden, greift der persönliche Steuersatz.

Wenn Sie nicht sicher sind, ob sich Ihr aktueller Vertrag noch lohnt oder ob Sie ihn besser loswerden sollten, rechnen Sie ihn durch! Dazu gibt es im Internet relativ leicht zu verstehende Versicherungsrechner. Alternativ dazu beraten Sie auch die Finanzexperten der Verbraucherzentralen.

So kommen Sie aus Ihrem Vertrag

Stellen Sie fest, dass sich Ihre Lebensversicherung nicht mehr lohnt oder können Sie die Beiträge aktuell nicht aufbringen, haben Sie verschiedene Möglichkeiten:

Symbolbild Lebensversicherung
Bildrechte: imago/Schöning

Kündigung und Rückkauf
Das ist die teuerste Variante, vor allem dann, wenn Ihr Vertrag noch relativ neu ist. In den ersten Jahren ziehen die Versicherer nämlich vom angelegten Geld den größten Teil der anfallenden Provisionen und Bearbeitungsgebühren ab. Der Rückkaufswert ist dann entsprechend gering. Spezialisierte Versicherungsaufkäufer bieten gegebenenfalls günstigere Konditionen für die Rückabwicklung als die Versicherer selbst.

Beitragsfrei stellen
Haben Sie bis zum Ablaufdatum nur noch ein paar Monate oder wenige Jahre, dann können Sie beantragen, die Versicherung ohne weitere Beitragszahlung laufen zu lassen. Vorteile dabei: Sie behalten ihren Versicherungsschutz und werden weiterhin an den Überschüssen der Versicherungsgesellschaft beteiligt.

Beleihen
Dabei bekommen Sie einen Bankkredit in Höhe des Wertes Ihrer Versicherung. Das lohnt sich vor allem dann, wenn Sie fest mit einer großen Geldsumme rechnen und Sie den Kredit absehbar auf jeden Fall bedienen können.

Betriebliche oder staatliche Förderung lohnt sich

Egal, ob kapital- oder fondsgebundene Lebensversicherung: Auch wenn der aktuelle Vertrag nicht gut verzinst wird, lohnt es sich dabei zu bleiben, sobald der Arbeitgeber mitbezahlt oder es staatliche Förderungen wie etwa beim Riestern gibt. Unterm Strich können Sie so noch eine positive Rendite für Ihr eingezahltes Geld erwirtschaften.  

Sonderfall Risikolebensversicherung

Zwei Ordner mit der Aufschrift "Vorsorge" und "Rente".
Eine Risikolebensversicherung dient nicht der Altersvorsorge. Bildrechte: imago/Panthermedia

Eine Risikolebensversicherung wird nicht zum Sparen oder für die Altersvorsorge abgeschlossen. Sie dient einzig und allein der Absicherung von Hinterbliebenen. Wollen Sie also einen laufenden Kredit absichern oder dafür sorgen, dass Ihre Familie im Falle Ihres Todes nicht in eine finanzielle Notlage gerät, ist eine solche Versicherung sehr zu empfehlen. Die Kosten dafür sind vergleichsweise günstig: Bei zwanzig Jahren Laufzeit und einer Absicherungssumme von etwa 30.000 Euro kostet eine solche Versicherung um die 15 Euro pro Monat. Ist die Laufzeit um und es ist kein Versicherungsfall eingetreten, gibt es kein Geld zurück. Der Vertrag kann verlängert oder erneuert werden.

Fazit

Der Abschluss einer Lebensversicherung als Altersvorsorge oder Sparmodell lohnt heute meist nicht mehr. Ältere Verträge bringen jedoch in der Regel noch gute Zinsen. Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie Ihren Vertrag überprüfen. Eine Risikolebensversicherung ist allerdings gerade für Familien und bei einer Kreditbelastung sehr ratsam.

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Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 22. Mai 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. Mai 2019, 00:10 Uhr