Umschau-Quicktipp Tipps für die Steuererklärung

Für wen sich eine Steuererklärung lohnt

Als festangestellter Arbeitnehmer können Sie sich theoretisch ganz auf Ihren Arbeitgeber verlassen. Der führt alle erforderlichen Leistungen von Ihrem Bruttogehalt direkt an das Finanzamt ab. Für Sie ist damit eigentlich alles erledigt.

In vielen Fällen lohnt es sich, trotzdem eine Steuererklärung zu machen, denn die Chancen auf eine Erstattung stehen gut: Durchschnittlich bis zu 974 Euro gab es  in den vergangenen Jahren vom Finanzamt zurück. "Schon wenn Sie mehr als 15 Kilometer Arbeitsweg haben oder viel Geld für eine nötige Brille oder Zahnersatz ausgegeben mussten kommen Sie über bestimmte Pauschalen", erklärt der Leipziger Steuerberater Gunar Meisel. Außerdem kann es sich lohnen oder auch nötig sein, wenn Sie neben Ihrem Gehalt noch andere Einkünfte haben, etwa aus Vermietung, Verpachtung oder Kapitalanlagen.

Wenn Sie selbstständig sind, müssen Sie ohnehin eine Steuererklärung machen.

Berufsbedingte Ausgaben und Werbungskosten absetzen

Modellauto auf einem Antrag auf Pendlerpauschale
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Darunter zählen alle Ausgaben, die Sie im Zusammenhang mit ihrem Beruf haben, zum Beispiel Fahrtkosten oder Arbeitssachen. Bei Berufstätigen geht das Finanzamt schon mal vorab von 1000 Euro diesbezüglicher Kosten aus und setzt diesen Betrag als Pauschbetrag bei der Steuerberechnung an. Allerdings können Sie auch mehr ansetzen, nämlich dann wenn Sie etwa, wie oben beschrieben, einen Arbeitsweg von mehr als 15 Kilometern an fünf Tagen pro Woche zurücklegen müssen. Da kommen Sie mit der Entfernungspauschale von 30 Cent pro Kilometer nämlich schon auf 1035 Euro. Dabei ist es übrigens egal, ob Sie mit Auto, Bahn oder Bus zur Arbeit fahren. "Es gilt allerdings immer nur eine Strecke pro Tag. Anders ist das bei Dienstreisen, da können Sie Hin- und Rückreise anrechnen und natürlich Pauschalen für Verpflegung und Unterbringung", sagt Steuerexperte Meisel.

Aktuell unterstützt das Finanzamt auch Ausgaben für eine besonders ökologische Art, zur Arbeit zu kommen. Elektrofahrzeuge aber auch ganz einfache Fahrräder, können in einer Steuererklärung angesetzt werden. Und wenn der Arbeitgeber Ihnen diese Fahrzeuge stellt, müssen Sie sie nicht als sogenannten geldwerten Vorteil anrechnen.

Was Festangestellte außerdem ansetzen können

Ein Mann schaut in die Trommel eine Waschmaschine
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Alle Ausgaben, die Sie in Zusammenhang mit einer Weiterbildung haben, können Sie in der Steuererklärung geltend machen. Hinzu kommen Ausgaben für ein Arbeitszimmer, Computer und andere Büromittel. Wichtig: Sie müssen diese Dinge wenigstens teilweise auch wirklich für Ihren Job nutzen. Haben Sie im vergangenen Jahr Ausgaben für Handwerker oder Hausmeisterkosten gehabt, können Sie diese ebenfalls mit anrechnen.

Auch Kosten für Gärtner, Putzkräfte, Babysitter und andere sogenannte haushaltsnahe Dienstleistungen können Sie so absetzen. Wichtig: Bezahlen Sie diese Leute nie bar sondern per Überweisung, so haben Sie entsprechende Nachweise.

Sind Sie im vergangenen Jahr für Ihren Job umgezogen, können Sie auch das geltend machen. "Dafür ist aber wichtig, dass Sie wirklich näher zum Arbeitsplatz gezogen sind. Bei einem Umzug von Berlin nach Dresden, ist das sicher nicht die Frage, aber zum Beispiel innerhalb von Leipzig, müssen Sie schon Ihren Arbeitsweg klar verkürzen, damit Sie so einen Umzug geltend machen können", erklärt Gunar Meisel.

Haben Kinder wegen des Umzugs Schwierigkeiten in der Schule und müssen Nachhilfestunden nehmen, können Sie auch diese Kosten von der Steuer absetzen. Für die Betreuung Ihres Kindes, ob Kita, Tagesmutti oder Hort, können Sie die  Kosten ebenfalls anrechnen. Sollten Sie Schulgeld für das Kind zahlen, dann auch das. Hinzu kommen noch Kosten für teure medizinische Behandlungen, Aufwendungen für Spenden und Kirchensteuer.

So machen Sie die Steuererklärung

Zwei Formen sind möglich: Sie holen sich bei Ihrem zuständigen Finanzamt die entsprechenden Formulare, füllen sie aus und schicken sie ein. Das geht ohne große Kenntnisse und in der vereinfachten Steuererklärung müssen Sie dabei gerade mal zwei Seiten ausfüllen.

Die Homepage des Elster-Portals
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Sie können aber auch online arbeiten, entweder direkt mit dem ELSTER-Formular der Finanzämter oder mit einer Steuersoftware für ca. 20 bis 40 Euro. Dort  wird Ihnen alles Stück für Stück und bei den meisten Produkten sehr ausführlich und leicht verständlich erklärt. Den entsprechenden Ausdruck schicken Sie dann später ans Finanzamt.

Sind Sie angestellt, verheiratet und  haben noch Kinder die zu Hause wohnen und unter 18 sind, dann macht das Ausfüllen der Steuererklärung eigentlich keine großen Problem. Schwieriger wird es da schon, wenn Ihre Kinder über 18 Jahre alt sind und immer noch teilweise zu Hause wohnen. "Schon dieser geänderte Sachverhalt kann eine Steuererklärung so kompliziert machen, dass Sie lieber einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein konsultieren sollten."

Unterstützung durch Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein

"Trotz der Ausgaben für diese Fachleute lohnt es sich in den allermeisten Fällen, eine Steuererklärung abzugeben", so Steuerberater Gunar Meisel. Die Kosten beim Steuerberater richten sich dabei nach der Steuerberatergebührenordnung. Innerhalb dessen wird dann das Jahreseinkommen/-umsatz (=Gegenstandswert) als Berechnungsgrundlage genommen.

Bei einem Lohnsteuerhilfeverein werden Sie für wenige Euro Aufnahmegebühr Mitglied. Danach richtet sich der Jahresbeitrag in der Regel nach dem Einkommen und dem daraus folgenden Aufwand für die Steuererklärung. Sie werden auch bei einem Lohnsteuerhilfeverein das ganze Jahr über beraten und gegenüber dem Finanzamt vertretet. Achtung: Der Lohnsteuerhilfeverein kann nur Angestellten, Rentnern oder auch Beamten helfen, Selbstständige können hier nicht beraten werden.

Diese neuen Fristen müssen Sie beachten

Steuererklärung mit Kalenderblatt vom 31. Juli
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Wenn Sie eine Steuererklärung abgeben müssen, dann haben Sie dieses Jahr erstmals bis zum 31. Juli Zeit. Lassen Sie sich dabei von einem Steuerberater oder einem Lohnsteuerhilfeverein unterstützen, dann verlängert sich die Frist auf Antrag bis Ende Februar des nächsten Jahres, aktuell also bis 29. Februar 2020. Vorsicht: Wenn Sie diese Fristen nicht einhalten, berechnet Ihnen das Finanzamt einen Verspätungszuschlag, der neuerdings sehr deftig ausfällt: Mindestens 25 Euro pro angefangenem Monat müssen Sie einplanen. Je nach Steueraufkommen und Verspätung kann das Finanzamt aber auch bis zu 25.000 (!) Euro Gebühr berechnen.

Geben Sie Ihre Steuererklärung freiwillig ab, haben Sie dafür vier Jahre Zeit. Dieses Jahr könnten Sie also noch die Erklärung für 2015 abgeben.

Diese Neuerungen gelten für die Steuererklärung für 2018

Gleich vorweg: Dieses Jahr ist es noch nicht der große Wurf, erst für die Steuer 2019 und 2020 kommen deutliche Entlastungen auf Sie zu. Dennoch gibt es auch schon für 2018 einige Verbesserungen:

Der Grundfreibetrag, also das Geld, dass Sie verdienen dürfen, ohne dafür Steuern zahlen zu müssen, ist auf 9.000 Euro erhöht wurden, für Ehepartner auf 18.000 Euro. Das sind immerhin 80 Euro beziehungsweise 160 Euro mehr pro Jahr.

Eine Frau arbeitet in einem Wohnzimmer an einem Laptop im Homeoffice.
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Zweite wesentliche Änderung ist die Höhe der Kosten für Arbeitsmittel, wie etwa einen Laptop, die Sie auf einmal von der Steuer absetzen können. Die Grenze lag bisher bei knapp 488 Euro, jetzt liegt sie bei 952 Euro. Bis dahin gilt Ihr Büromittel als sogenanntes geringwertiges Wirtschaftsgut und kann voll abgesetzt werden, vor allem auf einmal und nicht verteilt über mehrere Jahre.

Schließlich ist noch der Betrag für Kindesunterhalt, denn Sie steuerlich geltend machen können auf 9.000 Euro angehoben worden.

Fazit

Briefkasten Finanzamt
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Eine Steuererklärung lohnt sich auch für Festangestellte in den meisten Fällen. Sie können die Erklärung leicht zu Hause machen. Gerade bei längeren Arbeitswegen oder anderen berufsbedingten Extraausgaben, können Sie unter Umständen etliche hundert Euro pro Jahr zurückholen. Informieren Sie sich über die Abgabefristen und lassen Sie sich bei komplizierteren Sachverhalten von einem Lohnsteuerhilfeverein oder einem Steuerberater helfen. Fragen Sie im Vorfeld nach den Gebühren!

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 06. Juni 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Juni 2019, 00:10 Uhr