Umschau-Quicktipp Smartphonedaten richtig löschen

Ist das schicke neue Smartphone da, wollen viele ihr altes Modell verkaufen. Nicht selten ist das alte Telefon noch gar nicht so alt, sodass sich aus dem Verkaufserlös das neue mitfinanzieren lässt. Doch was passiert mit Fotos, Videos, Kontakten, Notizen und anderen persönlichen Daten, die auf dem alten Handy gespeichert waren? Die sollten gelöscht werden, und zwar richtig! Wir erklären, wie das geht.

Gelöscht ist nicht gelöscht

Vor der Weitergabe des Smartphones entnehmen die meisten die Sim-Karte und setzen das Gerät auf seine Werkseinstellungen zurück. Damit ist es allerdings nicht getan. Ein Smartphone – ob mit Android oder iOS – eliminiert beim Zurücksetzen nämlich nur das Inhaltsverzeichnis und gibt die vorher belegten Speicherbereiche zur Neunutzung frei. Der interne Speicher erscheint dann leer, doch die meisten Daten sind immer noch da und lassen sich in der Regel mit Hilfe eines sogenannten Recovery-Tools wieder herstellen. Solche Tools dienen eigentlich dazu, um versehentlich gelöschte Daten zu retten. Unseriöse Nachnutzer könnten damit aber auch vermeintlich gelöschte Daten des Vorbesitzers wieder sichtbar machen und für dubiose Zwecke nutzen. Wie also lassen sich die Daten richtig löschen?

Neuere Smartphone-Modelle sind sicherer

Frau liegt auf Sofa und schaut aufs Smartphone
Bildrechte: imago/PhotoAlto

Die Hersteller haben auf das Problem der möglichen, ungewollten Datenwiederherstellung reagiert. Bei den meistern neueren Smartphones (ab iPhone 4, Samsung Galaxy S7, Google Pixel) können die Daten im internen Speicher grundsätzlich verschlüsselt werden.

Hinsichtlich des Betriebssystems ist das ab Android-Version 6 und bei Apple ab iOS 7 möglich. Ist der interne Speicher verschlüsselt, kann von außen auf die Daten nicht mehr zugegriffen werden. Wer Daten bei diesen Geräten versehentlich löscht, kann sie somit auch nicht wiederherstellen. Die aktivierte Verschlüsselung des internen Speichers macht auch das gründliche Löschen einfacher. Beim Zurücksetzen auf Werkseinstellungen wird dann nämlich neben dem Inhaltsverzeichnis der abgelegten Dateien auch der im Speicher abgelegte Codeschlüssel der Verschlüsselung gelöscht. Dadurch ist eine Wiederherstellung der Daten mit vertretbarem Aufwand nicht mehr möglich.

Bei Android-Smartphones ist es wichtig zu überprüfen, ob die Speicherverschlüsselung ab Werk aktiv ist. Überprüfen und gegebenenfalls aktivieren lässt sie sich bei den meisten Android-Versionen unter "Einstellungen/Sicherheit/Telefon verschlüsseln". Ebenfalls müssen vor einer Weitergabe des Android-Smartphones das Google-Konto und andere Benutzerkonten vom Gerät entfernt werden. Geschieht das nicht, bleibt das Gerät trotz des Zurücksetzens auf Werkseinstellungen mit dem Konto verknüpft und der Nachbesitzer kann es nicht in Betrieb nehmen.

Sichere Datenlöschung bei älteren Smartphones

Android-Smartphone wird auf Werkseinstellungen zurückgesetzt
Bildrechte: imago images / Michael Eichhamme

Android-Smartphones
Bei Smartphones vor Baujahr 2014 und Android Version 6 ist es unwahrscheinlich, dass ein Zurücksetzen auf Werkseinstellung die persönlichen Daten sicher löscht. Experten empfehlen hier die kostenlosen Apps "SecureEraser", "KShred" oder "SecureWipe". Wer für das Löschprogramm Geld ausgeben mag, kann auf "DFS" Shredder" oder "iShredder" zurückgreifen. Wer ganz sicher gehen will, beschreibt einfach nach dem Löschen den Speicher mehrmals mit sinnlosen Daten. Man kann zum Beispiel die Kamera im Videomodus laufen lassen bis der Speicher voll ist.

iPhones
Bei älteren iPhones, die ein iOS unter Version 7 installiert haben, reicht ein einfaches Löschen nicht. Unter der App "Einstellungen" gibt es unter den Menüpunkten "Allgemein" und "Zurücksetzen" die Funktion "Alle Inhalte und Einstellungen" löschen. Das Handy ist dann im Werkszustand, von den Daten sind aber auch hier nur die Inhaltsverzeichnisse gelöscht. Eine vorherige Verschlüsselung der Daten ist nicht möglich.

Auch für Apple-Geräte gibt es spezielle Löschwerkzeuge. Von Nutzern gern verwendet werden "SafeEraser" oder "Umate Pro iPhone Data Eraser". Der Preis dafür liegt zwischen 25 und 45 Euro.

Ein iPhone
Bildrechte: imago images/ZUMA Press

Wie bei älteren Android-Smartphones auch, lassen sich vorhandene Daten durch mehrmaliges Überschreiben so zerstören, dass sie nicht wiederherstellbar sind. Allerdings können Kontakte unter Umständen später trotzdem noch ausgelesen werden, warnen Experten.

Für alle iPhones gilt: Die Ortung muss deaktiviert werden, sonst kann der neue Besitzer das Gerät nicht mit seiner Apple-ID neu anmelden. Das macht man unter "iCloud/Mein iPhone suchen". Da viele Apps Daten in der iCloud ablegen, sollte man sich vor dem Zurücksetzen auch hier abmelden. Achtung: auf keinen Fall die Daten in der Cloud löschen, denn dann sind sie auch für alle anderen angeschlossenen Geräte verloren! Die Abmeldung erfolgt unter "iCloud/Abmelden". Von iMessage sollte man sich ebenfalls abmelden und zu guter Letzt vor dem Löschen noch die AppleID unter "Einstellungen/iTunes & AppStores" entfernen.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP bei der Arbeit | 23. Mai 2019 | 10:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Mai 2019, 00:10 Uhr